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InfoWiss Chur

Blog des Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft

Volksschulbibliotheken im Kanton St. Gallen: Ergebnisse einer Studie

Karsten Schuldt, Rudolf Mumenthaler, Ekaterina Vardanyan

[Vorbemerkung: Der folgende Text, der die Zusammenfassung einer Studie, erschien zuerst im Druck in der kjl&m: Kinder-/Jugendliteratur und Medien in Forschung, Schule und Bibliothek, Ausgabe 01/2017, S. 74-78]

 

Eine Projektgruppe am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft, HTW Chur, erhob 2015 den Status Quo der Bibliotheken in den Volksschulen (umfasst 2 Jahre Kindergarten sowie 1. bis 9. Schuljahr) im schweizerischen Kanton St. Gallen. Den Auftrag dazu hatte die neu geschaffene Bibliothekskommission erteilt, deren Aufgabe die Entwicklung des gesamten Bibliothekssystems im Kanton ist. Die Kommission versteht die Schulbibliotheken als Teil dieses Systems, hatte aber wenige Kenntnisse über deren Situation.

Gegründet wurde die Kommission mit einem Verständnis von Bibliotheken als sich ständig entwickelnder Einrichtungen, die neben traditionellen Medien auch alle modernen Medienformen anbieten, ihre Angebote beständig erweitern und in den letzten Jahren zu Lernorten und Treffpunkten der Gemeinden geworden sind. Die Erwartung der 2015 formulierten Bibliotheksstrategie war u.a., dass diese Vorstellung auch für die Schulbibliotheken gelten würde.

Die Studie basierte auf einer quantitativen Umfrage unter den Schulen in St. Gallen und, auf deren Ergebnissen aufbauend, auf Interviews und Case Studies in zufällig gewählten Schulen. Neben dem Bibliothekspersonal wurden im Rahmen der drei breit angelegten Case Studies auch weitere Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler sowie Schuldirektionen befragt. Die Umfrage hatte eine überraschend hohe Rücklaufquote von knapp 90%. Auch die Ergebnisse waren äusserst interessant: In fast allen Schulen finden sich entweder eigene Bibliotheken oder es ist eine Zusammenarbeit mit den Gemeindebibliotheken organisiert. Dabei geht es den meisten Volksschulbibliotheken im Kanton sehr gut. Gleichzeitig entsprechen diese Bibliotheken nicht dem Bild, das man sich in der bibliothekarischen Diskussion und Literatur von Schulbibliotheken macht.

Die Situation in St. Gallen lässt sich eher durch die historischen Entwicklung der Bibliotheken erklären und nicht durch die bibliothekarischen Interventionen und Vorstellungen, welche sich seit den 1970er Jahren im deutschsprachigen Raum finden. Dieses Ergebnis ist auch bedeutsam, da in der Schweiz vom Bibliotheksverband Richtlinien zu Schulbibliotheken erlassen werden (SAB-Richtlinien für Schulbibliotheken, www.sabclp.ch/images/Richtlinien_Schulbibliotheken_2014.pdf). Zumindest im Kanton St. Gallen funktionieren, so zeigt die Studie, die bibliothekarische Diskussion über Schulbibliotheken und die Realität in den Schulen unabhängig voneinander.

Lesebibliotheken

Im Mittelpunkt der Studie stand das Selbstverständnis der Volksschulbibliotheken. In zahlreichen ähnlichen Studien, die in den letzten Jahrzehnten durchgeführt wurden, wurde eher von den bibliothekarischen Ansprüchen ausgegangen. Das Studienteam entschied sich dagegen, die genannten schweizerischen Richtlinien für Schulbibliotheken nicht als eine solche Basis zu nutzen. Dies erwies sich als sinnvoll.

Neben den aus bibliothekarischer Sicht verfassten Richtlinien und einem neuen Bibliotheksgesetz besteht im Kanton St. Gallen ein bereits länger geltendes Volksschulgesetz, das ebenfalls Aussagen zu den Schulbibliotheken macht. Die SAB-Richtlinien für Schulbibliotheken wurden in den beiden Gesetzen nicht berücksichtigt. In den Schulen ist beides weitgehend nicht bekannt. In der Studie beriefen sich nur Kombinierte Schul- und Gemeindebibliotheken auf sie.

Abb. 1: Bibliothekstypen

Abb. 1: Bibliothekstypen

Vielmehr fand sich die allgemein geteilte Ansicht, dass Schulbibliotheken vorrangig Lesebibliotheken seien. Ohne, dass heute dafür Regeln existieren und auch ohne, dass die befragten Lehrpersonen Gründe dafür angeben konnten, fanden sich – mit einigen Ausnahmen – in diesen gemeinsame Merkmale: Die Bibliotheken sind fast alle in kleinen Schulgebäuden für 100-200 Schülerinnen und Schüler untergebracht und verfügen über gut ausgestattete, zweckmässig gebaute Räume. Sie werden von Lehrpersonen im Rahmen ihres Pensums geführt (in St. Gallen als “Ämtli” bezeichnet), die sich vor allem um den Einkauf neuer Medien kümmern.

Grundsätzlich sind die Bibliotheksverantwortlichen mit der Situation ihrer Bibliothek zufrieden: Die Einbindung in die Schule, die Kommunikation mit den anderen Lehrpersonen, die Anerkennung ihrer Arbeit, die Nutzung durch die Lernenden und selbst der Etat scheinen ihnen zufriedenstellend. In diesen Punkten entsprechen die Bibliotheken dem Idealbild, welches in der bibliothekarischen Literatur als Ziel beschrieben wird.

In anderen Punkten weichen sie aber relevant von diesen Zielen ab: Sie sind als Lesebibliotheken konzipiert, die vor allem dazu gedacht sind, Kinder und Jugendliche in ihrer Schulzeit an das Lesen von Büchern zu gewöhnen. Sie werden regelmässig, das heisst alle ein bis zwei Wochen, im Rahmen einer Unterrichtseinheit im Klassenverband besucht. Die Schülerinnen und Schüler leihen sich in dieser Lektion Medien aus und lesen zumeist frei. Die Ausleihe wird dabei von den Lehrerinnen und Lehrern der jeweiligen Klasse selbst organisiert. Diese Vorgehensweise findet sich in rund 72% der befragten Bibliotheken. 28% der Schulbibliotheken sind auch in Pausen an bestimmten Tagen geöffnet, 16% haben immer oder spontan geöffnet und sind somit quasi durchgehend zugänglich – dann allerdings zumeist, im Gegensatz zu bibliothekarischen Vorstellungen, ohne Betreuung durch eine bibliothekarische Fachkraft. Lediglich rund 15% der Bibliotheken bieten neben der Buchausleihe auch Leseveranstaltungen wie Autorenlesungen oder Lesenächste an, die einer besonderen Initiative von Schulverantwortlichen zuzuschreiben sind. Kaum eine Schulbibliothek folgt den Regeln, die in Bibliotheken für die Medienbearbeitung, Aufstellung oder die Katalogisierung gelten. Vielmehr wurden eigene Aufstellungen entwickelt, die möglichst einfach und zweckmässig sein sollen. Kataloge werden kaum geführt, als Zugangsmittel zum Bestand, wie dies in Öffentlichen Bibliotheken der Fall ist, werden sie nicht genutzt. Der Fokus liegt auf Büchern, überwiegend auf Belletristik. Lediglich 47% der befragten Bibliothek führen überhaupt andere Medienformen (Hörbücher, Spiele etc.) und auch dann zumeist nur als kleinen Teilbestand.

Die bibliothekarische Literatur schlägt etwas deutlich anderes vor. Sie entwirft Schulbibliotheken als Zentren der Schulen, die von bibliothekarischem Fachpersonal geführt werden, beständig geöffnet sind, für die schulische Arbeit (aktive Leseförderung, Unterrichtsprojekte, Hausaufgaben, freies Lernen etc.) genutzt werden, einen daraufhin ausgerichteten Bestand haben, der zudem erschlossen und aufgestellt wird, wie in einer Öffentlichen Bibliothek. Sie sollten als Teil des Bibliothekswesens verstanden werden und mit anderen Bibliotheken kooperieren. Die Differenz zwischen den Lesebibliotheken, die sich im Kanton St. Gallen finden, und diesen Vorstellungen von “modernen Schulbibliotheken” ist offensichtlich, aber auch erklärungsbedürftig.

Interessanterweise orientieren sich auch Kombinierte Schul- und Gemeindebibliotheken in St. Gallen, die sich ansonsten auf die oben genannten Richtlinien berufen, an dem Bild der Lesebibliothek. Die schulbibliothekarische Arbeit ist bei ihnen oft so organisiert, dass die Schülerinnen und Schüler die Bibliothek im Klassenverband besuchen und dabei Bücher – nicht die anderen, in der Gemeindebibliothek ebenfalls vorhandenen Medien wie DVDs oder E-Books – ausleihen können.

Wirkung der Geschichte

Seit den 1970er Jahren gibt es immer wieder Vorschläge von Seiten des Bibliothekswesens, Schulbibliotheken am Modell der Öffentlichen Bibliotheken zu orientieren. In St. Gallen haben diese Vorschläge, die zum Teil auch explizit gemacht wurden, keinen erkennbaren Effekt gehabt.

Eine Recherche zur Geschichte der Schulbibliotheken, die auf Materialien des Staatsarchivs St. Gallen zurückgreifen konnte, legte eine Interpretation dafür nahe.

1906 wurde im Rahmen des “Kampfes gegen Schmutz und Schund” direkt beim Erziehungsdepartement eine Kommission eingerichtet, die jährlich eine Liste “guter Literatur” veröffentlichen sollte. Diese Literatur sollte den Schulen für ihre Schulbibliotheken zur Verfügung gestellt werden. Kommissionen diesen Art existierten Anfang des 20. Jahrhundert zahlreich, das Besondere in St. Gallen scheint die direkte Anbindung an eine staatliche Stelle zu sein, welche direkt die Förderung von Schulbibliotheken übernahm. Über diese Kommission und Verordnungen prägte das Departement bis 1982 die Schulbibliotheken in St. Gallen. Diese wurden als Einrichtungen in den Schulen beschrieben, die von Lehrpersonen geführt und neben der Finanzierung durch das Departement durch die Schulen getragen wurden. Die regelmässig erscheinenden Listen der anfänglich vorgeschriebenen, später empfohlenen Literatur wurden jährlich im Schulblatt des Kantons publiziert. Diese Listen und die erhaltenen Sitzungsprotokolle zeigen, dass die Kommission sich im Rahmen der jeweiligen zeitgenössischen Debatten um Kinder- und Jugendliteratur bewegte, wenn auch teilweise etwas verspätet und gerade in den beiden Weltkriegen mit einem spezifisch schweizerischen Fokus, also u.a. im Kontext der sog. Geistigen Landesverteidigung.

Im Laufe der Zeit wandelte sich die Liste zu einer Empfehlungsliste und die Kommission sollte weitere Aufgaben, insbesondere die Beratung von Schulbibliotheken, übernehmen. Dies misslang. Anfang der 1960er Jahren weigerte sich die Kommission still, diese Aufgabe trotz Aufforderung des Erziehungsdepartements nachzukommen. Ende der 1960er Jahre führte die Kommission eine Umfrage unter den Schulbibliotheken durch, u.a. mit der Frage, ob diese Beratung wünschen, was sehr deutlich abgelehnt wurde.

1982 ging die Kommission in die Kantonsbibliothek über, wieder mit dem Auftrag, eine Liste empfohlener Literatur zu publizieren und Schulen zu beraten. Die Liste wurde bis 2012 erstellt, dann wurde die Kommissionsarbeit aufgrund einer Umfrage zur Relevanz der Liste in den Schulen eingestellt.

Die Schulbibliotheken, die sich heute in den Schulen in St. Gallen finden, scheinen eigenständige Weiterentwicklungen der bis Mitte der 20. Jahrhunderts geförderten Einrichtungen zu sein. Sie sind in den Schulen verankert und konzentrieren sich darauf, Kinder und Jugendliche mit Büchern in Kontakt zu bringen. Gleichzeitig sind sie wenig mit den Bibliotheken der Zeit gegen “Schund und Schmutz” zu vergleichen. Sie sind heute durchgängig Freihandbibliotheken, der Zugang zu Literatur ist liberal geregelt und enthält ohne weitere Diskussionen z.B. Comics und Graphic Novels. Kriterium für die Auswahl der Literatur ist, ob die Lernenden daran ein Interesse haben.

Erwähnt werden muss, dass durch die genannte Kommission, aber auch durch den Schweizerischen Bibliotheksdienst, den Bibliotheksverband und die bibliothekarische Presse seit den 1970er Jahren regelmässig versucht wurde, die Schulbibliotheken zu verändern. So gab es, neben mehreren Publikationen, in den 1980er Jahren auch zahlreiche Fortbildungen für Schulbibliotheken. Allerdings ist offensichtlich, dass diese Aktivitäten längerfristig nicht die Form der Bibliotheken veränderten.

Abb. 2: Aufgaben der Schulbibliotheken

Abb. 2: Aufgaben der Schulbibliotheken

Erkenntnisse

Die Ergebnisse der Studie werfen neue Fragen auf. Besonders erstaunlich erscheint, dass die Volksschulbibliotheken in St. Gallen im Rahmen der Schulen gut verankert sind, obgleich es gar keine gemeinsame Entwicklung dieser Bibliotheken mehr gibt. Dies geht nicht mit der in der bibliothekarischen Literatur vertretenen Einschätzung überein, dass es nur wenige funktionierende Schulbibliotheken und einen grossen Entwicklungs- und Beratungsbedarf für Schulen in diesem Bereich gäbe. Zu vermuten ist, dass sich solche Widersprüche nicht nur in St. Gallen finden.

Ein offensichtlicher Vorteil der kleinen Schulbibliotheken im lokalen Schulhaus liegt in der umittelbaren Nähe und der leichten Erreichbarkeit für die Schülerinnen und Schüler. Nur dadurch ist der wöchentliche Besuch während des Unterrichts möglich.

Die Studie zeigte, dass es sinnvoll sein kann, die Forschung zu Schulbibliotheken direkt in den Schulen durchzuführen, die Position der Schulen einzunehmen und sich nicht nur – wie dies vor allem Studienabschlussarbeiten im Bibliothekswesen tun – auf bibliothekarische Fachliteratur und besonders sichtbare Schulbibliotheken zu beziehen.

Die Studie konnte nicht aufzeigen, aus welchem Grund die Volksschulen in St. Gallen diese Formen von Schulbibliotheken bevorzugten. Gleichzeitig war es nicht möglich, den genauen Ablauf der Arbeit in ihnen zu untersuchen. Auffallend war u.a., dass die Leseförderung nach Literaturversorgung als zweit wichtigste Aufgabe genannt wurde, gleichzeitig aber kaum didaktische Überlegungen geäussert wurden, was genau dies heisst. Während der kurzen Einblicke, die in dieser Studie gewonnen wurden, schien es oft so, als würde das regelmässige, freie Lesen von Büchern mit dieser Förderung gleichgesetzt. Es ist zu erwarten, dass daneben im restlichen Schulbetrieb weitere Formen der Leseförderung genutzt werden.

Es scheint aber klar, dass diese Form der Leseförderung in den weiteren Schul- und Lehrbetrieb und somit in die dort vorhandenen Konzepte integriert ist. Dies zeigt sich auch daran, dass öfters das Programm Antolin (www.antolin.de) zur Leseförderung eingesetzt wird. Damit werden Schülerinnen und Schüler zum Lesen ermuntert, manchmal auch durch Leistungskontrollen unterstützt und das Verständnis der gelesenen Texte abgefragt. Die dafür benötigten Bücher werden von den Schülerinnen und Schülern während der Lesestunde in der Schulbibliothek ausgeliehen. Die Konzentration auf Antolin schlägt sich auch in dem Medienbestand der Bibliothek nieder, da vorzugsweise Literatur beschafft wird, die in Antolin enthalten ist. Die Wirksamkeit dieser Form der Leseförderung war kein Untersuchungsgegenstand der Studie. Entsprechend verzichtet die Studie auf eine Bewertung der verschiedenen Bibliothekstypen, also von zentralen kleinen Schulbibliotheken im Vergleich zu kombinierten Schul- und Gemeindebibliotheken. In beiden Fällen wäre es wünschenwert, wenn die Wirkung der Aktivitäten auf die Lese- und Medienkompetenzen der Schülerinnen und Schüler untersucht werden könnten.

Die Studie ist auf der Homepage der Bibliothekskommission St. Gallen (www.sg.ch/home/kultur/kantonsbibliothek/bibliotheksfoerderung.html) eingestellt.

 

Karsten Schuldt und Ekaterina Vardanyan sind Wissenschaftliche MitarbeiterInnen und Rudolf Mumenthaler ist Professor für Bibliothekswissenschaft an der HTW Chur.

Makerspaces für kleinere und kleinste Bibliotheken. Bericht und Materialien zum Projekt LL.gomo

1. Projektbeschrieb

Makerspaces ‒ also Räume und Angebote, die zumeist auf der Basis aktueller, pädagogisch ausgerichteter und kleiner Technologien, die darauf ausgerichtet sind, Dinge eigenständig zu “machen” (d.h. herzustellen) und Communities zu bilden ‒ sind in den letzten fünf Jahren zu einem etablierten Thema im Bibliothekswesen geworden. Stand in den ersten Diskussion noch zur Debatte, ob Bibliotheken der richtige Ort für solche Einrichtungen seien (auch, da es ähnliche Angebote, z.B. als Vereine oder in Schulen gibt), ist dies heute im Bibliotheksbereich einigermassen unbestritten. Auch, wenn die Entwicklung in anderen Sprachräumen anders verlief, gelten Makerspaces in der Schweiz (und Deutschland und Frankreich) als eine mögliche Ergänzung der bibliothekarischen Angebote. Nicht jede Bibliothek wird sie einrichten, auch sind die Erfahrungen durchwachsen (viele Makerspaces funktionieren eher “stossweise” bei Veranstaltungen, die von den Bibliotheken organisiert werden, nicht als Community-bildend), aber auch nicht negativ.
An der HTW gab es schon einige Abschlussarbeiten, ein Seminar und andere Beiträge zu Makerspaces in Bibliotheken. Das Thema ist interessant, da z.B. klar ist, dass sich viele Versprechen die von den Herstellern der Techniken gemacht werden, nicht erfüllen; dass sich immer wieder die Frage stellt, wer wirklich mit solchen Makerspaces erreicht wird (z.B.: Kommen in die Bibliotheken andere Menschen als in Hackerspaces oder FabLabs?); dass nicht klar ist, welche Ziele die Bibliotheken genau mit den Makerspaces verfolgen, auch wenn sie diesen aufgeschlossen gegenüberstehen. Das Projekt LLgomo (Library Lab goes mobile) schloss an die schon gemachten Forschungen an, konzentrierte sich aber auf eine andere Frage.
LLgomo  versuchte, die Möglichkeiten von Makerspaces für Bibliotheken in kleineren Gemeinden zu eruieren. Obwohl die Technik, die in Makerspaces verwendet wird, nicht übermässig teuer ist, scheuen diese Bibliotheken oft die Kosten, teilweise auch den Aufwand (der bei meist sehr geringen Stellenprozenten neben der restlichen Arbeit zu leisten wäre) für die feste Etablierung solcher Einrichtungen. Im Anschluss an Vorbilder aus anderen Staaten (Niederlande, Kanada, USA; Moorefield-Lang 2015, Gierdowski & Reis 2015, Craddock 2015, de Boer 2015, Willingham & de Boer 2015) untersuchte das Projekt, ob und wie es möglich wäre, Makerspaces so mobil zu machen, dass sie in kleineren Bibliotheken genutzt werden können.
Dafür wurde die Zusammenarbeit mit kantonalen Fachstellen für Bibliotheken angestrebt. Grundsätzlich zeigt das Projekt anhand von Prototypen, wie Makerspaces, unter den spezifischen Voraussetzungen des ländlichen Raumes in der Schweiz, mobil gemacht werden können. Eine Nachnutzung durch kantonale Fachstellen oder grössere Bibliothekssysteme mit Filialen ist möglich.

3D-Drucker in der Bibliothek Möhlin (Bild: Karsten Schuldt)

3D-Drucker in der Bibliothek Möhlin (Bild: Karsten Schuldt)

2. Projektverlauf

Grundsätzlich folgte das Projekt dem Projektplan und erreichte sein Projektziel. Es wurden drei Boxen als Prototypen erstellt und, in Zusammenarbeit mit zwei kantonalen Fachstellen, zwei davon in jeweils zwei kleineren Bibliotheken in der Schweiz erfolgreich getestet. (Wettingen (AG), Wettswil (ZH), Uitikon (ZH), Möhlin (AG)) Zeitverschiebungen ergaben sich aus Problemen bei Terminabsprachen, konnten aber gut aufgefangen werden.
Im ersten Schritt wurde die ‒ erstaunlich viele ‒ Literatur zu Makerspaces in Bibliotheken gesichtet. Dabei zeigte sich, dass

  1. der Grossteil dieser Literatur sich mit den konkreten Umsetzungen in Bibliotheken, bis hinunter auf die Ebene einzelner Technologien, beschäftigt
  2. ein kleiner Teil sich auch mit Zielen und Möglichkeiten der Makerspaces in Bibliotheken beschäftigt, wobei diese insgesamt sehr nebulös bleiben, z.B. von “innovativen Lernmethoden” sprechen, aber nicht konkretisieren, was diese von anderen anwendungsbezogenen Lernmethoden unterscheidet
  3. ein grosser Teil der Literatur, die konkrete Aussagen über die Ziele der Makerspaces macht, sich auf Schulbibliotheken in den USA und Kanada bezieht, damit aber auch auf Gegebenheiten (Einbindung in die jeweilige Schule, grundsätzliche Orientierung auf eine Bildungsmission, feste Orte für Makerspaces) bezog, die in den kleineren Bibliotheken der Schweiz so nicht vorliegen
  4. die Erfahrungen aus den Bibliotheken grundsätzlich positiv sind, wenn auch immer wieder Abstriche bei der konkreten Umsetzung (z.B. Technik, die entgegen der Erwartungen die Nutzerinnen und Nutzer doch nicht anspricht, Probleme bei der Motivation für langfristige Projekte, das Nicht-Entstehen von Communities) gemacht wurden. Die Nutzenden scheinen Makerspaces grundsätzlich gut zu finden und zumindest zu Beginn auch auszuprobieren; die Kolleginnen und Kollegen in den betreffenden Bibliotheken sind durch Makerspaces in ihrer weiteren Arbeit motiviert
  5. es genügend Beispiele für Bibliotheken in kleineren Gemeinden gibt, die auch erfolgreich Makerspaces durchgeführt haben
  6. die bibliothekarische Literatur zwar ungefähre Verweise auf Literatur zu Makerspaces ausserhalb der Bibliotheken macht, aber deren Aussagen und Vorhersagen nicht wirklich wahrnimmt. So wird kaum über Erfahrungen aus anderen Makerspaces oder den grossen Versprechen (Anderson 2012, Libow Martinez & Stager 2013; Schwerpunkt der New Media & Society 18 (2016) 4), die sich zum Teil mit diesen verbinden, nachgedacht; die wenige Literatur, die darüber hinausgeht (Bilandzic & Foth 2013, Bilandzic & Johnson 2013), wird kaum beachtet.

Auf dieser Basis war es schwer zu klären, was ‒ über den Effekt des “Neuen” und “Spass” hinaus ‒ das Ziel von Makerspaces in Bibliotheken sein könnte. (Dies bestätigte sich auch in einer Bachelorarbeit, die u.a. feststellte, dass Bibliotheken in der Schweiz Makerspaces einrichten, zu diesen aber keine Zielvorstellungen formulieren können. (Hanselmann 2016)) Organisationssoziologisch ist dieser Befund interessant, für das Projekt bedeutete er aber, dass die “Mobilen Makerspaces” nicht auf klaren Zielsetzungen aufgebaut werden konnten.

Die Veranstaltung in Uitikon, auf der Herbstmesse (Bild: Karsten Schuldt)

Die Veranstaltung in Uitikon, auf der Herbstmesse (Bild: Karsten Schuldt)

Stattdessen wurde auf die Erfahrungen aus einem Seminar an der HTW im Jahr 2015 zurückgegriffen, dass feststellte, dass jede Technologie, die als “Makerspace-Technologie” auftritt, auf ihre Verwendbarkeit in der Bibliothek getestet werden muss. So gibt es z.B. als “Lerncomputer” bezeichnete Hardware (z.B. Raspberry Pi), die den Anspruch hat, möglichst einfach zu sein, aber nach den Erfahrungen der Studierenden im Seminar zu kompliziert ist, um ohne Vorkenntnisse in Bibliotheken eingesetzt werden zu können. Ebenso wurde auf die in der Literatur niedergelegte Erfahrung aus den Bibliotheken über einzelne Techniken zurückgegriffen.

Es wurden drei Boxen entworfen, die jeweils höchsten 5000 CHF in der Anschaffung kosten sollten. Zwei davon wurden direkt umgesetzt, eine soll später mit Drittmitteln realisiert werden. Über den Sommer 2016 wurde die Technik ausgewählt, erworben und ausprobiert. Kriterien waren (a) möglichst einfach zu nutzen, (b) zuverlässig, stabil und möglichst fehlertolerant, (c) eingeführt, d.h. leicht nachkaufbar, (d) positive Erfahrungen aus anderen Bibliotheken. Während dieser Recherchen mussten viele Technologien, die im Zusammenhang mit Makerspaces oft erwähnt werden, als unpassend verworfen werden. Beispielsweise stellte sich heraus, dass Drohnen nur kurze Flugzeiten von einigen Minuten haben, dann aber über einen weit längeren Zeitraum wieder aufgeladen werden müssen. Dies ist für eintägige Veranstaltungen unzumutbar. Jede der Boxen hatte einen eigenen Fokus.

MOOS in der Bibliothek Wettswil, während des Adventsmarkts (Bild: Rudolf Mumenthaler)

MOOS in der Bibliothek Wettswil, während des Adventsmarkts (Bild: Rudolf Mumenthaler)

Die Boxen enthalten neben der Technik selber sogenannte Handbücher, die sehr kurz die notwendigen Schritte beschreiben, um die Techniken zu nutzen. Dabei wurde darauf geachtet, möglichst wenig vorzugeben und über die Texte eher Mut zum Ausprobieren zu machen. Die meiste Technik lässt sich z.B. bei Fehlern mit “Ausschalten / wieder Einschalten” beherrschen. Es ging eher darum, klarzumachen, dass Ausprobieren erwünscht ist.

Box 1: Spiel und Spass mit Technik Box 2: Filmen Box 3: moderner Bastelkeller
enthält:

  • Ozobot
  • Sphero 2.0
  • MakeyMakey
  • LittleBits
  • Cubelets
  • MOSS
Enthält:

  • Kameras
  • Licht
  • Mikrophone
  • Kameradrohne (DJI Mavic Pro)
  • Rechner
Enthält:

  • Makerbot 2 go
  • Brother Scan N Cut
  • Lego Mindstorm
  • LittleBits
Für eintägige Veranstaltungen Für modulare Veranstaltungen (mehrere Termine, die gemeinsam absolviert werden müssen) Für eintägige Veranstaltungen

Im Oktober bis Dezember 2016 wurden die Boxen, in Absprache mit den kantonalen Fachstellen für Öffentliche Bibliotheken im Aargau und in Zürich in vier kleinen Bibliotheken in jeweils einer eintägigen Veranstaltung erprobt. Die Mitarbeitenden erhielten nach den Terminabsprachen die Handbücher der Boxen sowie jeweils rund eine Woche zuvor die Boxen selber. Am Tag der jeweiligen Veranstaltung wurde diese vom Projektteam beobachtet, im Anschluss (entweder direkt nach der Veranstaltung oder in der darauffolgenden Woche) wurde mit dem Bibliothekspersonal über deren Erfahrungen mit den Boxen geredet.

  1. Bibliothek Wettingen (AG) (Box 1)
  2. Bibliothek Uitikon (ZH) (Box 3)
  3. Bibliothek Wettswil (ZH) (Box 1)
  4. Gemeindebibliothek Möhlin (AG) (Box 3)

Auf der Basis dieser Tests wurden die Boxen und insbesondere die Handbücher überarbeitet.

LittleBits und MakeyMakey in der Gemeindebibliothek Wettingen (Bild: Karsten Schuldt)

LittleBits und MakeyMakey in der Gemeindebibliothek Wettingen (Bild: Karsten Schuldt)

3. Projektergebnisse

Die Boxen haben sich im Grossen und Ganzen bewährt, der Ansatz lässt sich auf weitere Technologien und Boxen übertragen.

Als Ergebnisse liegen vor:

  1. Listen der Technologien und Materialien in den Boxen, mit allen Kosten (kurzfristig und langfristig, d.h. auch mit Verbrauchsmaterialien und Kosten bei der Verschickung). Kantonale Fachstellen, grössere Bibliothekssysteme mit Filialen oder andere können diese nun selbstständig umsetzen und betreiben.
  2. Handbücher für die getesteten Technologie sowie eine Vorlage für neue Handbücher.
  3. Erfahrungsberichte aus den Bibliotheken, die mit den Boxen arbeiteten.
Werbung für die Veranstaltung in der Bibliothek Wettswil (Bild: Rudolf Mumenthaler)

Werbung für die Veranstaltung in der Bibliothek Wettswil (Bild: Rudolf Mumenthaler)

Materialien

Handreichung

Handreichung LL.gomo für kantonale Fachstellen u.ä.

Handbücher

Handbuch Boxen
Handbuch Cubelets
Handbuch LittleBits
Handbuch MakeyMakey
Handbuch Moss
Handbuch Ozobot
Handbuch Sphero 2.0
Handbuch Lego Mindstorms
Handbuch Scan’n’Cut CM700
Handbuch Ultimaker2go

Berichte über Veranstaltungen

Bericht Wettingen (02.11.2016)
Bericht Uitikon (12.11.2016)
Bericht Wettswil (27.11.2016)
Bericht Möhlin (13.12.2016)

Publikationen

Mumenthaler, Rudolf ; Schuldt, Karsten: Makerspace auch für kleinere Bibliotheken. In: SAB-Info / Info-CLP [Im Erscheinen]
Schuldt, Karsten: Anleitung und Vorschläge für Makerspaces in Bibliotheken: Sammelrezension. In: RESSI Bd. 17 (2016), http://www.ressi.ch/num17/article_133
Schuldt, Karsten: Die Makerspaces und die Bibliotheken: Über Missverständnisse und übertriebene Hoffnungen sowie einen Vorschlag zur Neuinterpretation, Blogbeitrag, 2016, https://bildungundgutesleben.wordpress.com/

Literatur

Anderson, Chris: Makers: The New Industrial Revolution. New York : Crown Publishing, 2012
Bilandzic, Mark: Connected learning in the library as a product of hacking, making, social diversity and messiness. In: Interactive Learning Environments Bd. 24 (2016), Nr. 1, S. 158–177
Bilandzic, Mark ; Foth, Marcus: Libraries as coworking spaces: Understanding user motivations and perceived barriers to social learning. In: Library Hi Tech Bd. 31 (2013), Nr. 2, S. 254–273
Bilandzic, Mark ; Johnson, Daniel: Hybrid placemaking in the library: desinging digital technology to enhance users’ on-site experience. In: The Australian Library Journal Bd. 62 (2013), Nr. 4, S. 258–271
Craddock, IdaMae Loiuse: Makers on the move: a mobile makerspace at a comprehensive public high school. In: Library Hi Tech Bd. 33 (2015), Nr. 4, S. 497–504
de Boer, Jeroen: The business case of FryskLab, Europe’s first mobile library FabLab. In: Library Hi Tech Bd. 33 (2015), Nr. 4, S. 505–518
Gierdowski, Dana ; Reis, Daniel: The MobileMaker: an experiment with a Mobile Makerspace. In: Library Hi Tech Bd. 33 (2015), Nr. 4, S. 480–496
Hanselmann, Marcel: Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken: Eine Untersuchung der didaktischen Ziele und eine Evaluation der Technologie littleBits. Chur, HTW Chur, Bachelorarbeit, 2016
Libow Martinez, Sylvia ; Stager, Gary: Invent To Learn: Making, Tinkering, and Engineering in the Classroom. Torrance : Constructing Modern Knowledge Press, 2013
Moorefield-Lang, Heather: When makerspaces go mobile: case studies of transportable maker locations. In: Library Hi Tech Bd. 33 (2015), Nr. 4, S. 462–471
New Media & Society 18 (2016) 4
Willingham, Theresa ; de Boer, Jeroen: Makerspaces in Libraries, Library Technology Essentials. Lanham ; Boulder ; New York ; London : Rowman & Littlefield, 2015

Neuerscheinungen in den Churer Schriften zur Informationswissenschaft

Es gibt spannende, neue Publikationen in den Churer Schriften zur Informationswissenschaft:

Fabian Muster: Datenstrategiemodell – Ein Referenzmodell zur Entwicklung von Datenstrategien

Das Potenzial zur Steigerung der Profitabilität mittels Daten ist enorm – genutzt wird es hingegen vielfach zu wenig. Vielen Unternehmen fehlen die notwendigen Qualifikationen oder aber es fehlt am notwendigen Bewusstsein, um dieses Potenzial auszuschöpfen. Die vorliegende Arbeit bietet ein Referenzmodell für Datenstrategien, wie ein Unternehmen aus betrieblicher Sicht mit Daten umzugehen hat, um diese effizient nutzen zu können. Dabei werden die relevanten Bausteine einer erfolgreichen Datenstrategie identifiziert und zu­sammen mit relevanten Unternehmens- und Strategiefunktionen mittels Handlungs­anweisungen in eine erfolgreiche Transformation überführt. Zur Unterstützung werden zudem Vorlagen zu einer Roadmap, Maturitätsbewertung und einem Rollenkonzept mit­gegeben, die diese Arbeit praktikabel machen.

Sandro Lorenzo: Bibliotheken und Integration – Aspekte der interkulturellen Bibliotheksarbeit und deren Einfluss auf die Integration von Migranten und Migrantinnen sowie Menschen mit Migrationshintergrund in der Deutschschweiz mit einem Fokus auf den deutschsprachigen Teil des Kantons Bern

Das Thema Bibliotheken und Integration bezogen auf Migranten und Migrantinnen sowie Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt viele interkulturelle und Öffentliche Biblio­theken sowie in geringerem Masse auch Berufsschulmediotheken. Im Rahmen dieser Bachelorarbeit werden diesbezügliche bibliothekarische Einrichtungen der Deutschschweiz und insbesondere jene aus dem deutschsprachigen Teil des Kantons Bern betrachtet. In Form von unterschiedlichen Aktivitäten und Angeboten richten sie sich an die vermeintlichen Zielgruppen. Im Vordergrund dieser Arbeit stehen eine Ist-Erhebung und Beschreibung der interkulturellen sowie fremdsprachigen Bibliotheksbestände und -aktivitäten und die damit verfolgten Ziele. Erstmals werden in diesem Zusammenhang integrative Wirkungen hinsicht­lich der Nutzung einer Berufsschulmediothek durch Integrationsklassen mittels bivariater Analysen statistisch beschrieben.

Johannes Reitze: Was öffentliche Bibliotheken meinen, wenn sie vom Dritten Ort sprechen

Diese Bachelorarbeit untersucht, wie öffentliche Bibliotheken in der Schweiz das Konzept des Dritten Ortes auslegen. Die Interpretationen sind vielfältig, da seit der Einführung des Konzeptes durch den amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg 1989 verschiedene Faktoren auf Bibliotheken eingewirkt und ihre Aufgaben beeinflusst haben, am stärksten die Digitalisierung. Um herauszufinden, was Bibliotheken meinen, wenn sie vom Dritten Ort sprechen, wurden insgesamt 128 öffentliche Bibliotheken der Schweiz ausgewählt und untersucht, ob sie den Begriff verwenden. Gut 10% der analysierten Bibliotheken verwen­deten den Begriff in ihren öffentlich einsehbaren Quellen, die restlichen Bibliotheken tun das entweder nicht oder bieten keine Quellen an, die einen Rückschluss auf ihre Tätigkeiten ermöglichen würden. Die Bibliotheken Biel (BE), Effretikon (ZH), Köniz (BE) und die Kantonsbibliothek Nidwalden (NW) wurden als Fallbeispiele ausgewählt und die Biblio­theksleitenden zum Konzept des Dritten Ortes interviewt.

Die Arbeiten stehen, wie alle weiteren Veröffentlichungen unserer elektronischen Schriftenreihe, zum kostenlosen Download bereit unter:

Big Data − was gebe ich preis?

Was wir im Internet tun, zeigt, wer wir sind.

Multinationale Firmen sammeln unsere Daten und verkaufen sie angeblich anonymisiert weiter. Es zeigt sich aber, dass diese Daten ganz und gar nicht anonymisiert sind. Ein Tool, das eigentlich ein Sicherheitsschutz für das Surfen sein soll (Web of Trust, WoT), ist in Wirklichkeit eine Beobachtungssoftware. Die Software zeichnet im Hintergrund das Surfverhalten des Nutzers auf und sendet diese Daten an einen Server im Ausland. Dort wird ein Profil erstellt, bei dem Datum, Uhrzeit, Ort und angesteuerte Web-Adresse gemeinsam mit einer Nutzerkennung abgespeichert werden. Diese Daten gehen dann an Zwischenhändler, die sie auf dem Datenmarkt zum Verkauf anbieten.

Quelle: 8thBridge 2013, Grafik: Südostschweiz

Quelle: 8thBridge 2013, Grafik: Südostschweiz

Die Web-Verläufe geben alle Geheimnisse aus dem Berufs- und Privatleben preis. Damit wird unsere Privatsphäre in keinster Weise mehr respektiert. Experten haben sich diese Datensätze angesehen und konnten viele Nutzer eindeutig identifizieren. Zum Beispiel über E-Mail-Adressen, in denen der Name steht, oder Anmeldenamen und andere Bestandteile aufgerufener URLs. Darin sind auch Namen, Anschriften, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Bekannten und Verwandten enthalten. Kriminelle könnten somit Personen mit den Details zu ihrem Surfverhalten erpressen.

 

 

Dieser Beitrag von Wolfgang Semar erschien in der Printausgabe der Zeitung Südostschweiz vom 13.12.2017. Download des Artikels

Ein ausführlicherer Bericht ist auf dem Blog Wissensplatz zu finden: http://wissensplatz.htwchur.ch/big-data-welche-daten-gebe-ich-preis/

Vom Studenten in Information Science zum Leiter Informationsdienstleistungen beim Wirtschaftsdachverband economiesuisse

Sebastian Brassel diente das Bachelorstudium Information Science als Sprungbrett in den Bereich Informationsdienstleistungen. Erfahren Sie mehr zu seiner Tätigkeit als Leiter Informationsdienstleistungen beim Wirtschaftsdachverband economiesuisse und lesen Sie, wovon er vom Studium besonders profitieren konnte.

Das Bachelorstudium Information Science als Sprungbrett

Verstaubte alte Glasplatten, teilweise sogar zerbrochen… – ein Bericht aus dem Digitalisierungslabor

Verstaubte alte Glasplatten, teilweise sogar zerbrochen. Darauf fotografisch festgehalten eine Landschaft und Personen, die einen Berg besteigen. So und ähnlich kann man alte fotografische Aufnahmen auf Glas antreffen.

Im Digitalisierungslabor des Schweizerischen Instituts für Informationswissenschaft (SII) werden solche Kulturgüter gereinigt, konserviert und / oder digitalisiert, damit diese auch unserer nächsten Generation ihre Geschichten erzählen können.

Michael Aschwanden, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, gibt anlässlich des vergangenen UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbe einen Einblick in die Tätigkeit im Digitalisierungslabor des SII:

Frauen am Berg

 

iBeacons für ortsbezogene Information

Im Rahmen des LibraryLab haben wir eine konkrete Anwendung für ortsbezogene Information als Proof of Concept umgesetzt. Die Frage war, wie man ortssensitiv differenzierte Information auf mobile Geräte vermitteln kann. Im Rahmen des Projektkurses im LibraryLab hatten sich Studierende im letzten Jahr mit dem Thema beschäftigt und ein Anwendungsszenario für iBeacons durchgespielt. Sie verwendeten die Plattform und App Locly, um von einem Beacon Information auf ein Handy zu spielen. Konkret wurde eine Buchempfehlung mit einem Link in das elektronische Angebot der Onleihe aufs Smartphone geladen. Weiterlesen

Einlicke in die Arbeit am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft – Mara Hellstern, Usability Engineer, erzählt…

Mara Hellstern,  ehemalige Information Science Studentin und Leiterin des Usability Lab an der HTW Chur, erzählt im neusten Blogbeitrag vom Wissensplatz aus ihrem Berufsalltag.

Mich interessiert nicht nur, ob die Dinge schön sind, sondern auch, ob sie funktional sind

Neuerscheinungen in den Churer Schriften zur Informationswissenschaft

.ch-Ausschreibung – SWITCH setzt sich durch!

Die Schweiz ist weltweit bekannt für ihre ausserordentliche Stabilität, da macht die Landesendung .ch keine Ausnahme: wie das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) bekannt gab, wird die Stiftung SWITCH auch in den kommenden fünf Jahren als Registry für .ch tätig sein.

Bereits im Jahr 1987 hat SWITCH damit begonnen, das offizielle Register für .ch-Domains aufzubauen und in der Folge jahrzehntelang dafür gesorgt, dass .ch zu den sichersten, stabilsten
und ausfallfreiesten Domain-Endungen der Welt zählt. Dennoch entschied das BAKOM im März 2015, den Registry-Vertrag öffentlich auszuschreiben. Die erste Ausschreibung in der .ch-Geschichte wurde nötig, weil der aktuelle Vertrag mit SWITCH Mitte des Jahres 2017 ausläuft. Die Unternehmen, die sich für die Funktion der Registerbetreiberin bewarben, mussten dabei nachweisen, dass sie die in der VID (Verordnung über Internet-Domains) festgelegten Dienstleistungen erbringen können. Neben SWITCH hatte auch die Registrar Alliance bestehend unter anderem aus den Registraren Hostpoint AG, GoEast GmbH, Infomaniak Network SA, mhs internet AG, ITF GmbH, Metanet AG und Webland AG, angekündigt, sich um einen Zuschlag bewerben zu wollen. Ob es darüber hinaus noch weitere Bewerber gab, blieb unbekannt.

Bekannt ist dagegen, wer diese Ausschreibung gewonnen hat. Am 01. September 2016 gab das BAKOM bekannt, dass sich SWITCH gegen die Konkurrenz durchgesetzt hat. Wie es in einer Meldung zum Entscheid mit der Projekt-ID 139185 und der Meldungsnummer 930191 heisst, habe die Bewertung aller Zuschlagskriterien gemäss Pflichtenheft (qualitative Kriterien und Preis) gezeigt, dass die höchste Gesamtpunktzahl unter den eingereichten Angeboten von SWITCH erzielt wurde: „Das Angebot der Zuschlagsempfängerin hebt sich insbesondere durch die beste Erfüllung des Zuschlagkriteriums ZK05 und ZK06: Bekämpfung der Cyberkriminalität – proaktive Massnahmen und Prävention, ab. Die Zuschlagsempfängerin überzeugt generell hinsichtlich der qualitativen Anforderungen, wie auch durch ein insgesamt gutes Preis-/Leistungsverhältnis.“ Weiter war zu erfahren, dass der offerierte Grosshandelspreis pro Domain-Name und pro Jahr (voraussichtlicher Durchschnitt über die nächsten fünf Jahre) bei CHF 4,72 liegt. Der Entscheid wurde auf simap.ch, der elektronischen Plattform für das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz, publiziert.

Andreas Dudler, Geschäftsführer von SWITCH, zeigt sich naturgemäß hoch erfreut: „Wir sind sehr stolz, dass sich das BAKOM für uns entschieden hat. Wir werden uns weiterhin mit aller
Kraft dafür einsetzen, dass die .ch-Domains zu den sichersten der Welt gehören. Dafür arbeiten wir eng mit Behörden und Partnern aus der Internetwirtschaft weit über die Landesgrenzen hinaus zusammen.“ Der neue Verwaltervertrag wird eine Laufzeit von fünf Jahren haben und kann im gegenseitigen Einverständnis um weitere fünf Jahre verlängert werden. Von der Registrar Alliance gibt es bisher noch keine öffentliche Stellungnahme.

Quelle: http://domain-recht.de/domain-registrierung/switch/cctlds-switch-bekommt-zuschlag-fuer-die-ch-verwaltung-65407.html

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