HTW Chur - SII

InfoWiss Chur

Blog des Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft

Neue Publikation in den Churer Schriften zur Informationswissenschaft: Überlieferungsbildung 2.0

Franziska Brunner (2017): Überlieferungsbildung 2.0: Eine Untersuchung zum Mehrwert von Partizipation Dritter in staatlichen Archiven

Die Partizipation Dritter bei der Überlieferungsbildung ist in den vergangenen Jahren in der archivischen Fachdiskussion konzeptionell angedacht sowie im Rahmen von konkreten Projekten auch bereits praktisch umgesetzt worden. Dennoch erfährt die Idee, interessierte Freiwillige verstärkt an bis anhin ausschliesslich in archivischer Zuständigkeit liegenden Aufgaben beteiligen zu lassen, insbesondere im deutschsprachigen Raum bisher weiterhin wenig substantielle Beachtung. Die Arbeit untersucht, welchen Nutzen eine Beteiligung Dritter für die archivischen Kernprozesse der Überlieferungsbildung (insbesondere Bewer­tung und Erschliessung) schaffen kann und wie staatliche Archive Partizipation gewinn­bringend und nachhaltig einsetzen können. Im Zentrum der Untersuchung steht die Be­fragung von potentiellen Zielgruppen einer solchen Mitwirkung. Auf Grundlage der dabei erhobenen Daten werden die unterschiedlichen Interessen und Motive Freiwilliger in Bezug auf eine Mitwirkung dargestellt und die zusätzlichen relevanten Inhalte, welche Archive von Dritten für die Überlieferungsbildung erwarten können, herausgearbeitet. Die Untersuchung gibt weiter Hinweise auf die Nutzbarmachung von Partizipation im archivischen Prozess der Überlieferungsbildung. Die Arbeit trägt somit zu der Schaffung der notwendigen Grundlagen für den strategischen Miteinbezug von Dritten bei der Überlieferungsbildung bei.

Schlagwörter: Überlieferungsbildung, Archive, Partizipation

Die Arbeit steht, wie alle weiteren Veröffentlichungen unserer elektronischen Schriftenreihe, zum kostenlosen Download bereit unter:

Spielerische Boxen erhöhen Bibliothekserlebnis

Die Autoren haben im nur gedruckt erscheinenden SAB-Info einen Text veröffentlicht, der hiermit mit freundlicher Genehmigung der Redaktion im vollen Wortlaut veröffentlicht wird. Schuldt, Karsten; Mumenthaler, Rudolf: Spielerische Boxen erhöhen Bibliothekserlebnis. In: SAB Info 38 (2017), Heft 2, S.22-23.

Makerspaces sind ein Sammelbegriff für Angebote von bestimmten Technologien, mit denen in kleinen Projekten gemeinsam etwas produziert werden kann – auch in Bibliotheken. An der HTW Chur wurden zwei mobile Boxen entwickelt und in der Praxis getestet. Das Projekt zeigt, dass auch in kleinen und Kleinstbibliotheken ein Interesse an diesem spielerischen Angebot besteht.

Die Zahl dieser Technologien hat sich in den letzten Jahren massiv erhöht. Grundsätzlich sollen Makerspaces es ermöglichen, mit diesen Technologien umzugehen, diese zu nutzen, um unter anderem in der Zusammenarbeit mit anderen in einer offenen, fehlertoleranten Atmosphäre zu lernen. Makerspaces sind in den letzten Jahren auch als private Vereine, als Teil von Schulen und anderen Einrichtungen entstanden. Das genaue Ziel der Makerspaces ist schwierig zu eruieren, aber es ist offensichtlich, dass sie eine gewisse Begeisterung auslösen. Während die Forschung zu den tatsächlichen Effekten noch relativ am Anfang steht und eher durchwachsene Ergebnisse zeigt, untersuchte die HTW Chur in einem Projekt, ob sich an dieses Interesse auch in kleineren und kleinsten Bibliotheken anschliessen lässt.

Technologie muss einfach funktionieren

Im Rahmen eines Seminars im Jahr 2015, in dem Studierende verschiedene Maker-Technologien erprobten, zeigte sich, dass diese zwar mit ähnlichen Versprechen (einfacher, direkter Hands-on-Einstieg, pädagogischer Hintergrund, das heisst fast immer die Möglichkeit, über die einfachen Anwendungen hinaus tiefer in die Technologie einzusteigen, zum Beispiel indem sie programmiert wird, Stabilität) vertrieben werden, aber nur einige diese Versprechen erfüllen. Insbesondere ist der angeblich einfache Einstieg nicht bei allen Technologien vorhanden. Gewisse Technologien, die gern im Zusammenhang mit Makerspaces genannt werden (zum Beispiel Raspberry Pi), haben höhere Einstiegshürden. Das Seminar stand im Zusammenhang mit dem Library Lab der HTW Chur. Im hier beschriebenen Projekt wurde versucht, auf der Basis des Seminars und der wachsenden Literatur zum Thema, Makerspaces mobil und für kleine Bibliotheken nutzbar zu machen. Dies ist naheliegend: Einerseits wird dies in anderen Staaten schon getan, andererseits gibt es zum Beispiel mit den Spielmobilen auch in der Schweiz Vorbilder. Diese zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie von Personal betrieben werden. Ziel des Projekts war es, Makerspaces ohne dieses zusätzliche Personal zu gestalten. Es wurde angestrebt, Boxen mit gut funktionierender Technologie auszustatten, die direkt und ohne grössere Anleitung in einer Bibliothek für die Durchführung einer Maker-Veranstaltung genutzt werden können. Dazu wurden, wieder auf der Basis der schon vorliegenden Erfahrungen, Kriterien erarbeitet: Die Technologien mussten schon eingeführt sein, damit bei Problemen durch einfaches Suchen Hinweise gefunden werden können, wie diese zu lösen sind und damit schon gute Erfahrungen aus anderen Bibliotheken vorliegen. Sie mussten sofort einzusetzen sein, aber gleichzeitig immer auch ein tieferes Eintauchen in die Technologie ermöglichen. Sie mussten stabil und leistungsfähig sowie preislich tragbar sein. Es wurden drei Boxen entworfen und ‒ aufgrund begrenzter Mittel ‒ zwei umgesetzt. Keine der Boxen kostete mehr als 5000 Franken.

Die Boxen wurden verschiedenen Bibliotheken zur Verfügung gestellt, unter anderem in Wettswil ZH. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Die Boxen wurden verschiedenen Bibliotheken zur Verfügung gestellt, unter anderem in Wettswil ZH. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Roboter und 3D-Drucker

Durch den Kriterienraster fiel eine ganze Anzahl von Technologien, die in der Literatur als Teil von Makerspaces genannt wird. In institutionalisierten Makerspaces kann das Personal zusätzlich notwendiges Wissen erwerben. Bei mobilen Boxen für kleinere Bibliotheken ‒ mit beschränktem Platz, engagiertem, aber zeitlich eng eingebundenen Personal ‒ ist das nicht vorauszusetzen. Die erste Box enthielt einen Sphero 2.0 (eine Roboterkugel, die sich steuern und programmieren lässt), Ozobots (kleine Roboter, die auf unterschiedlich farbige Striche auf Papier reagieren und zum Tanzen programmiert werden können), Cubelets und MOSS (zwei Robotiksätze, bei denen aus verschiedenen Bausteinen, die magnetisch verbunden werden, Roboter gebaut und ebenso programmiert werden können), MakeyMakey (ein Bausatz, mit dem sich alle leitfähigen Gegenstände in Computertasten verwandeln lassen) und LittleBits (ebenfalls durch Magnete zusammengehaltene Elektrobausteine). Die zweite Box enthielt einen mobilen 3D-Drucker, einen Cutter, der gleichzeitig scannen kann, zwei Sets an Lego Mindstorms (programmier- und steuerbare Roboter) und wieder LittleBits. Für die meisten dieser Produkte gibt es auch Alternativen. Sie wurden nach Preis und Erfahrungen in anderen Bibliotheken ausgesucht. Für jede Technologie wurde eine kurze Anleitung erstellt, die immer darauf verwies, dass es wichtig ist, die Technologie selber in die Hand zu nehmen und auszuprobieren.

 

Veranstaltungen in Bibliotheken

Teil des Projektes war es, diese Boxen realen Bibliotheken in der Schweiz zur Verfügung zu stellen und zu eruieren, was diese damit tun. Dafür konnten sehr schnell vier Bibliotheken (Wettingen AG), Wettswil ZH, Uitikon ZH und Möhlin AG) gewonnen werden. In allen führten die Kolleginnen erfolgreiche Veranstaltungen durch ‒ zum Teil in den Bibliotheskräumen, zum Teil im Rahmen von lokalen Veranstaltungen ‒, bei denen sie den Nutzerinnen und Nutzern die Technologien zur Verfügung stellten. In kurzer Zeit (jeweils rund eine Woche) hatten sie sich die Technologie soweit angeeignet, dass sie diese bedienen, erklären und auf Probleme reagieren konnten. In drei Bibliotheken wurde jede Technologie von je einer Person (zum Teil von Familienmitgliedern) betreut, in einer Bibliothek war die Betreuung weniger direkt. Grundsätzlich war das Interesse bei den meisten Nutzerinnen und Nutzern gross. Zum Teil kamen Personen extra, um die Technologien zu sehen oder auszuprobieren. Es fanden sich auch immer wieder Personen, die ausdauernd mit ihnen arbeiteten. Grundsätzlich herrschte eine spielerische und fröhliche Atmosphäre. Tendenziell wurden männliche Besucher besonders angesprochen, die sonst nicht zu intensiven Nutzern dieser Bibliothek gehören. Im Anschluss waren die Bibliotheken zufrieden und sahen ihr Selbstverständnis als innovative Einrichtung in der Öffentlichkeit bestätigt. Es gab kleinere Anmerkungen zur Verbesserung, aber immer ein grundsätzliches Interesse, in Zukunft ähnliche Veranstaltungen durchzuführen.

Mit den Materialien aus den Boxen lassen sich zum Beispiel Roboter bauen. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Mit den Materialien aus den Boxen lassen sich zum Beispiel Roboter bauen. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Wer übernimmt es?

Das Projekt hat gezeigt, dass es a) grundsätzlich möglich ist, mobile Makerspaces zu erstellen und dass diese in den Bibliotheken auch gezielt genutzt werden können, dass es b) Technologien gibt, welche die härteren Kriterien, die im Projekt angelegt wurden, erfüllen und dass c) sich die Kosten für solche Veranstaltungen in Grenzen halten. Es wurde eine Handreichung erstellt, die es bibliothekarischen Institutionen oder Vereinen ermöglicht, solche Boxen selber zu erstellen und zu vertreiben. Denkbar wäre es, dass kantonale Fachstellen diese Aufgabe übernehmen. Auch wäre es möglich, dass Bibliotheken sich zusammentun, um den Aufwand und die Kosten zu tragen. Das Projekt hat zwar grundsätzlich gezeigt, dass Bibliotheken im lokalen Rahmen mit solchen Boxen Veranstaltungen organisieren und durchführen können, die Nutzerinnen und Nutzer interessieren. Es bleiben aber viele Fragen offen. Beispielsweise ist nicht klar, ob Veranstaltungen mit mehreren Terminen ebenfalls erfolgreich durchgeführt werden können. Grundsätzlich ist nicht klar, wie sehr die Versprechen, die im Zusammenhang mit Makerspaces gemacht werden, langfristig erfüllt werden. Der Makerspace an sich ist kein neues Thema mehr, auch nicht in der Bibliothek. Es gilt, sich sowohl in der Praxis als auch der Forschung nicht mehr zu fragen, ob sie funktionieren, sondern sie konkret umzusetzen und ihre Wirkung zu untersuchen.

 

Karsten Schuldt und Rudolf Mumenthaler, HTW Chur

 

 

Neue Publikation in den Churer Schriften zur Informationswissenschaft: Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken

Marcel Hanselmann (2017): Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken – Eine Untersuchung der didaktischen Ziele und eine Evaluation der Technologie littleBits

Das Thema Makerspace in öffentlichen Bibliotheken ist in den letzten Jahren vermehrt diskutiert worden, und es entstanden weltweit unzählige solcher Kreativräume. Bisher ist jedoch noch wenig untersucht worden, was denn deren didaktischer Nutzen sein soll. In der hier vorgelegten Arbeit wurden mittels einer Literaturrecherche, einer Online-Umfrage und eines Experten-Interviews die didaktischen Ziele solcher Einrichtungen, deren Messung und Erfüllung untersucht. Es zeigte sich, dass sich die Makerspaces besonders im Bereich der STEM-Förderung und der Community-Bildung hervortun und dass sie ihre Ziele auch mehrheitlich erreichen.

In einem zweiten Teil wurden in dieser Arbeit ausserdem für die Technologie littleBits im Rahmen eines Makerspaces einer öffentlichen Bibliothek gemäss den eruierten didaktischen Zielen drei Anwendungsszenarien konzipiert und die Technologie mittels der Methode der Nutzwertanalyse auf deren Eignung für solch einen Makerspace evaluiert. Als Ergebnis kann gesagt werden, dass sich die Technologie sehr gut dafür eignet, besonders in didaktischer Hinsicht hat die Technologie grosse Stärken. Einzig die Kosten und die Widerstandsfähigkeit der Technologie sind zu bemängeln.

Schlagwörter: Makerspace, öffentliche Bibliothek, Pädagogik, Konstruktivismus, Konstruk­tionismus, littleBits, Nutzwertanalyse, Bachelorarbeit.

Die Arbeit steht, wie alle weiteren Veröffentlichungen unserer elektronischen Schriftenreihe, zum kostenlosen Download bereit unter:

Informationsethik und die Digitalisierung im Gesundheitswesen

Im Rahmen der Masterstudienrichtung Information and Data Management an der HTW Chur verfassen Studierende im Modul „Informationsethik“ bei Prof. Rainer Kuhlen als Teil des Leistungsnachweises zu einer These ein Essay. Ausgewählte Essays aus dem Herbstsemester 2016 werden hier im Blog vorgestellt.

Ein Essay von Imke Schubert

Das Gesundheitswesen ist, wie die meisten anderen Wirtschaftsbereiche im Informationszeitalter, stark von der Digitalisierung betroffen und eignet sich von einem informationsethischen Gesichtspunkt her besonders gut als beobachtbarer Teilbereich, da hier eine bereits seit langer Zeit etablierte normative Ethik als moralische Grundlage bei der Umsetzung aller möglichen Abläufe gilt: Im Gesundheitswesen ist moralisches Handeln vorausgesetzt und gesetzlich genormt – welchen Stellenwert ordnet man der Informationsethik beim Transfer dieser Handlungen in den digitalen Bereich zu?

Diese Fragestellung soll im Folgenden durch das Aufbringen von aus der Literatur entnommenen Argumenten und von Fachleuten aus der Praxis gewonnenen Eindrücken von mehreren Seiten betrachtet werden. Ziel ist es zu prüfen ob die Informationsethik, als Teilbereich der Ethik, bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen einen ähnlich hohen Stellenwert geniesst wie z.B. die Medizinethik. Es soll auch diskutiert werden, ob der Informationsethik ein solcher Stellenwert überhaupt gebührt und ob eine normative Informationsethik bei der Digitalisierung von medizinischen Daten tatsächlich konstruktiv wirkt oder ob sich daraus Redundanzen oder auch neue Schwierigkeiten ergeben. Zudem wird auch nach interessanten, noch relativ unerschlossenen Forschungsthemen für die Informationsethik im digitalen Gesundheitsdaten-Management gesucht, welche sich vielleicht für eine Master-Thesis eignen würden.

Das ausführliche Essay kann hier heruntergeladen werden: Essay Informationsethik und die Digitalisierung im Gesundheitswesen von Imke Schubert

Neue Publikationen in den Churer Schriften zur Informationswissenschaft rund um die Themen Big Data, Open Data und Bibliotheksinnovationen

Die „Churer Schriften zur Informationswissenschaft“ ist eine elektronische Publikationsreihe, in der in unregelmässigen Abständen Arbeitsberichte, Forschungsberichte, Diplomarbeiten und sonstige Publikationen erscheinen.

Simone Beeler
Sonntagsöffnungszeiten in öffentlichen Bibliotheken in der Schweiz

Das Thema Sonntagsöffnungszeiten in öffentlichen Bibliotheken rückte im Laufe der letzten Jahre verstärkt in den Fokus der Bibliothekswelt. Zeichen davon sind mehrere Bibliotheken, die im Jahr 2015 Sonntagsöffnungszeiten eingeführt haben. Im Zentrum dieser Arbeit stehen neben den Erfahrungen, welche Bibliotheken mit Sonntagsöffnungszeiten in der Schweiz gemacht haben, die Organisation des Sonntagsbetriebs, Fragen der Finanzierung und rechtlichen Aspekte einer Sonntagsöffnung sowie die Reaktion des Bibliothekpersonals und der Bibliothekskunden auf diese Neuerung. Ausgangspunkt ist dafür eine Analyse von sechs Bibliotheken in der Deutschschweiz mit Sonntagsöffnungszeiten. Diese zeigt auf, dass ein Kundenbedürfnis nach Sonntagsöffnungszeiten besteht und die Bibliotheken mit einem solchen Angebot ihren Aufgaben in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft gerecht werden. Aus den Ergebnissen der Analyse resultiert  ein Leitfaden, der an Bibliotheken gerichtet ist, welche sich mit der Einführung von Sonntagsöffnungszeiten beschäftigen.

Download Schrift von Simone Beeler

 

Marco Humbel
Die Umsetzung von Open Data an Wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz – Eine qualitative Untersuchung

Unter dem Stichwort Open Data wird unter anderem die Bereitstellung von Digitalisaten unter freien Lizenzen verstanden. Nationale und internationale Studien haben ergeben, dass Gedächtnisinstitutionen in den nächsten Jahren vermehrt Konzepte von Open Data umsetzen werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage wie die Umsetzung von Open Data in Wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz konkret aussieht. Die Untersuchung erfolgte anhand einer Literaturanalyse aktueller Studien, einer Analyse der Open Content Plattformen mithilfe von Personas und Experteninterviews. Bezüglich der Umsetzung von Open Data gestaltet sich ein heterogenes Bild. Nicht alle Plattformen stellen die Digitalisate von gemeinfreien Werken unter freien Lizenzen zur Verfügung.  Derzeit findet aber ein Sinneswandel statt und die Zeichen stehen auf einer weiteren Öffnung der Plattformen. Auch wenn derzeit kaum Open Data Policies bestehen, so ist ein Bewusstsein für die Thematik vorhanden und man arbeitet an entsprechenden Strategien. Hindernisse in der Umsetzung werden vor allem in fehlenden Ressourcen und mangelndem technischen Know-how gesehen. Die Ergebnisse dieser qualitativen Untersuchung können diejenigen der bestehenden Studien mehrheitlich bestätigen.

Download Schrift von Marco Humbel

 

Flurina Huonder
Medieninhaltsanalyse Big Data –  Big Data, Datenschutz und Privatsphäre in Schweizer und US-amerikanischen Zeitungen

Die Digitalisierung und technologische Entwicklung, welche Big Data vorantreiben, beein­flussen zunehmend unser Leben. Jeden Tag fallen grössere Datenvolumen an und dies immer schneller. Mit Big Data werden neue Geschäftsmodelle entwickelt, welche die Wirtschaft revolutionieren. Jedoch gibt es bei Big Data auch eine Kehrseite – über Daten­schutzfragen sowie Eingriffe in die Privatsphäre darf nicht hinweggesehen werden. Diese Masterthesis geht der Frage nach, wie Big Data in den Schweizer und den US-amerikani­schen Medien dargestellt wird; der Fokus liegt dabei auf der Versicherungsbranche. Dazu wurde eine zweistufige Inhaltsanalyse mit sechs ausgewählten Zeitungen aus der Schweiz sowie den USA durchgeführt. In einem ersten Schritt wurden die Artikel mittels einer computergestützten Inhaltsanalyse codiert. In einem zweiten Schritt wurde eine Auswahl an Artikeln manuell codiert. Die Ergebnisse führen formale als auch thematische Unterschiede zwischen den Zeitungen und Ländern auf.

Download Schrift von Flurina Huonder

 

Die Arbeiten stehen, wie alle weiteren Veröffentlichungen unserer elektronischen Schriftenreihe, zum kostenlosen Download bereit unter:

http://www.htwchur.ch/digital-science/forschung-und-dienstleistung/churer-schriften.html

 

Der grüne Weg: Erfolgsroute oder Sackgasse?

Im Rahmen der Masterstudienrichtung Information and Data Management an der HTW Chur verfassen Studierende im Modul „Informationsethik“ bei Prof. Rainer Kuhlen als Teil des Leistungsnachweises zu einer These ein Essay. Ausgewählte Essays aus dem Herbstsemester 2016 werden hier im Blog vorgestellt.

Der grüne Weg: Erfolgsroute oder Sackgasse?
Eine Diskussion institutioneller Open Access-Mandate aus informationsethischer Perspektive

Ein Essay von Susanne Manz

Universitäten und andere Forschungseinrichtungen verpflichten ihre Angehörigen zunehmend dazu, die Ergebnisse ihrer Arbeit Open Access – also für jedermann frei zugänglich – zu publizieren. Eine Haltung, die mittlerweile auch von zahlreichen Förderinstitutionen wie dem Nationalfonds unterstützt wird, um der Öffentlichkeit den kostenlosen Zugang zu diesen Publikationen zu ermöglichen. Jener Öffentlichkeit notabene, die über Steuergelder genau diese Forschung überhaupt erst ermöglicht, die heute aber nicht selten gleich dreifach dafür bezahlen muss: Zuerst für die Forschung, danach für die Begutachtung durch andere Forscher und schliesslich für den Zugriff auf die veröffentlichten Resultate.

Doch wo die einen von Fairness und öffentlichem Interesse sprechen, protestieren auf der Gegenseite viele Wissenschaftler gegen die Beschneidung ihrer Publikationsfreiheit und fürchten um ihre Karrieren in einem Umfeld, das sich nach wie vor stark am Journal Impact Factor orientiert. Unterstützt werden die Autoren dabei von den kommerziellen Verlagen, die ihre lukrativen Geschäftsmodelle in Gefahr sehen. Im öffentlichen Diskurs wird dann nicht selten mit der ganz grossen Kelle angerichtet: Das reicht von Warnungen vor „Staatsverlagen“ bis hin zur UN-Menschenrechtsdeklaration, die durch Open Access-Mandate gefährdet würde.

Wie ist dieses Dilemma aus einer informationsethischen Perspektive zu beurteilen? Das vorliegende Essay diskutiert die verschiedenen Argumente und versucht aufzuzeigen, wie die Interessen der beteiligten Akteure besser miteinander vereinbart werden könnten.

Das ausführliche Essay kann hier heruntergeladen werden: Essay Open Access von Susanne Manz

Informationsveranstaltungen zu den Studiengängen Information Science

Wir laden alle Interessierten herzlich ein zu unseren Informationsveranstaltungen über die Studiengänge in Information Science:

„Student for a day“ im Bachelor Studiengang Information Science – Zürich

Freitag, 7. April 2017, von 13:00 Uhr bis ca. 16.30 Uhr in den Räumlichkeiten der HWZ Zürich (Sihlhof), Lagerstrasse 5.

Sie werden bei dem Event die Möglichkeit haben einer typischen Unterrichtslektion beizuwohnen und sich mit aktuellen Studierenden auszutauschen. Es sind aber noch weitere Highlights vorgesehen, das Programm sowie das Anmeldeformular ist auf der zugehörigen Anmeldewebseite.

Ein individueller Unterrichtsbesuch ist nach vorheriger Anmeldung ebenfalls zu jeder Zeit möglich.

Infotag (Bachelor, MAS, Master) – Chur

Samstag, 25. März 2017, von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr an der HTW Chur, Pulvermühlestrasse 57.

Am Infotag werden die Studiengänge der HTW Chur in Präsentationen durch die Studienleitenden vorgestellt. Für Auskünfte stehen Ihnen anschliessend Studienleitende, Mitarbeitende und Studierende zur Verfügung. Zwischen den Präsentationen wird in der Aula ein Marktplatz eingerichtet, wo Sie sich unabhängig von den Präsentationszeiten informieren können.

Das Programm sowie das Anmeldeformular ist auf der zugehörigen Anmeldewebseite.

Bericht AISOOP zur Analyse von Online-Plattformen

Die HTW Chur hat von swissuniversities im Rahmen des Programms „Wissenschaftliche Information: Zugang, Verarbeitung und Speicherung“ das Mandat erhalten, die Online-Plattformen für digitale Inhalte von Schweizer Bibliotheken zu analysieren und Empfehlungen zu deren Weiterentwicklung abzugeben. Das Projekt unter dem Titel „AISOOP: Analyse der Informationsarchitektur, Schnittstellen und Organisation der Online-Plattformen“ untersuchte den IST-Zustand der bestehenden Plattformen und formulierte anschliessend Empfehlungen für deren Weiterentwicklung.

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Big Data, Data Science und Industrie 4.0 – Masterabsolventen im Gespräch

Angesichts der wachsenden Flut von Daten in der Wirtschaft, öffentlichen Institutionen und allen wissenschaftlichen Disziplinen wird die Herausforderung immer grösser, aus den gesammelten Daten relevante Erkenntnisse zu gewinnen. Um von der rasanten Entwicklung nicht abgehängt zu werden, braucht es das spezifische Know-how von Datenspezialisten. Zwei Absolventen der Masterstudienrichtung Information and Data Management berichten im neusten Blogbeitrag von ihren Erfahrungen im Berufsalltag.

Big Data, Data Science und Industrie 4.0

Volksschulbibliotheken im Kanton St. Gallen: Ergebnisse einer Studie

Karsten Schuldt, Rudolf Mumenthaler, Ekaterina Vardanyan

[Vorbemerkung: Der folgende Text, der die Zusammenfassung einer Studie, erschien zuerst im Druck in der kjl&m: Kinder-/Jugendliteratur und Medien in Forschung, Schule und Bibliothek, Ausgabe 01/2017, S. 74-78]

 

Eine Projektgruppe am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft, HTW Chur, erhob 2015 den Status Quo der Bibliotheken in den Volksschulen (umfasst 2 Jahre Kindergarten sowie 1. bis 9. Schuljahr) im schweizerischen Kanton St. Gallen. Den Auftrag dazu hatte die neu geschaffene Bibliothekskommission erteilt, deren Aufgabe die Entwicklung des gesamten Bibliothekssystems im Kanton ist. Die Kommission versteht die Schulbibliotheken als Teil dieses Systems, hatte aber wenige Kenntnisse über deren Situation.

Gegründet wurde die Kommission mit einem Verständnis von Bibliotheken als sich ständig entwickelnder Einrichtungen, die neben traditionellen Medien auch alle modernen Medienformen anbieten, ihre Angebote beständig erweitern und in den letzten Jahren zu Lernorten und Treffpunkten der Gemeinden geworden sind. Die Erwartung der 2015 formulierten Bibliotheksstrategie war u.a., dass diese Vorstellung auch für die Schulbibliotheken gelten würde.

Die Studie basierte auf einer quantitativen Umfrage unter den Schulen in St. Gallen und, auf deren Ergebnissen aufbauend, auf Interviews und Case Studies in zufällig gewählten Schulen. Neben dem Bibliothekspersonal wurden im Rahmen der drei breit angelegten Case Studies auch weitere Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler sowie Schuldirektionen befragt. Die Umfrage hatte eine überraschend hohe Rücklaufquote von knapp 90%. Auch die Ergebnisse waren äusserst interessant: In fast allen Schulen finden sich entweder eigene Bibliotheken oder es ist eine Zusammenarbeit mit den Gemeindebibliotheken organisiert. Dabei geht es den meisten Volksschulbibliotheken im Kanton sehr gut. Gleichzeitig entsprechen diese Bibliotheken nicht dem Bild, das man sich in der bibliothekarischen Diskussion und Literatur von Schulbibliotheken macht.

Die Situation in St. Gallen lässt sich eher durch die historischen Entwicklung der Bibliotheken erklären und nicht durch die bibliothekarischen Interventionen und Vorstellungen, welche sich seit den 1970er Jahren im deutschsprachigen Raum finden. Dieses Ergebnis ist auch bedeutsam, da in der Schweiz vom Bibliotheksverband Richtlinien zu Schulbibliotheken erlassen werden (SAB-Richtlinien für Schulbibliotheken, www.sabclp.ch/images/Richtlinien_Schulbibliotheken_2014.pdf). Zumindest im Kanton St. Gallen funktionieren, so zeigt die Studie, die bibliothekarische Diskussion über Schulbibliotheken und die Realität in den Schulen unabhängig voneinander.

Lesebibliotheken

Im Mittelpunkt der Studie stand das Selbstverständnis der Volksschulbibliotheken. In zahlreichen ähnlichen Studien, die in den letzten Jahrzehnten durchgeführt wurden, wurde eher von den bibliothekarischen Ansprüchen ausgegangen. Das Studienteam entschied sich dagegen, die genannten schweizerischen Richtlinien für Schulbibliotheken nicht als eine solche Basis zu nutzen. Dies erwies sich als sinnvoll.

Neben den aus bibliothekarischer Sicht verfassten Richtlinien und einem neuen Bibliotheksgesetz besteht im Kanton St. Gallen ein bereits länger geltendes Volksschulgesetz, das ebenfalls Aussagen zu den Schulbibliotheken macht. Die SAB-Richtlinien für Schulbibliotheken wurden in den beiden Gesetzen nicht berücksichtigt. In den Schulen ist beides weitgehend nicht bekannt. In der Studie beriefen sich nur Kombinierte Schul- und Gemeindebibliotheken auf sie.

Abb. 1: Bibliothekstypen

Abb. 1: Bibliothekstypen

Vielmehr fand sich die allgemein geteilte Ansicht, dass Schulbibliotheken vorrangig Lesebibliotheken seien. Ohne, dass heute dafür Regeln existieren und auch ohne, dass die befragten Lehrpersonen Gründe dafür angeben konnten, fanden sich – mit einigen Ausnahmen – in diesen gemeinsame Merkmale: Die Bibliotheken sind fast alle in kleinen Schulgebäuden für 100-200 Schülerinnen und Schüler untergebracht und verfügen über gut ausgestattete, zweckmässig gebaute Räume. Sie werden von Lehrpersonen im Rahmen ihres Pensums geführt (in St. Gallen als “Ämtli” bezeichnet), die sich vor allem um den Einkauf neuer Medien kümmern.

Grundsätzlich sind die Bibliotheksverantwortlichen mit der Situation ihrer Bibliothek zufrieden: Die Einbindung in die Schule, die Kommunikation mit den anderen Lehrpersonen, die Anerkennung ihrer Arbeit, die Nutzung durch die Lernenden und selbst der Etat scheinen ihnen zufriedenstellend. In diesen Punkten entsprechen die Bibliotheken dem Idealbild, welches in der bibliothekarischen Literatur als Ziel beschrieben wird.

In anderen Punkten weichen sie aber relevant von diesen Zielen ab: Sie sind als Lesebibliotheken konzipiert, die vor allem dazu gedacht sind, Kinder und Jugendliche in ihrer Schulzeit an das Lesen von Büchern zu gewöhnen. Sie werden regelmässig, das heisst alle ein bis zwei Wochen, im Rahmen einer Unterrichtseinheit im Klassenverband besucht. Die Schülerinnen und Schüler leihen sich in dieser Lektion Medien aus und lesen zumeist frei. Die Ausleihe wird dabei von den Lehrerinnen und Lehrern der jeweiligen Klasse selbst organisiert. Diese Vorgehensweise findet sich in rund 72% der befragten Bibliotheken. 28% der Schulbibliotheken sind auch in Pausen an bestimmten Tagen geöffnet, 16% haben immer oder spontan geöffnet und sind somit quasi durchgehend zugänglich – dann allerdings zumeist, im Gegensatz zu bibliothekarischen Vorstellungen, ohne Betreuung durch eine bibliothekarische Fachkraft. Lediglich rund 15% der Bibliotheken bieten neben der Buchausleihe auch Leseveranstaltungen wie Autorenlesungen oder Lesenächste an, die einer besonderen Initiative von Schulverantwortlichen zuzuschreiben sind. Kaum eine Schulbibliothek folgt den Regeln, die in Bibliotheken für die Medienbearbeitung, Aufstellung oder die Katalogisierung gelten. Vielmehr wurden eigene Aufstellungen entwickelt, die möglichst einfach und zweckmässig sein sollen. Kataloge werden kaum geführt, als Zugangsmittel zum Bestand, wie dies in Öffentlichen Bibliotheken der Fall ist, werden sie nicht genutzt. Der Fokus liegt auf Büchern, überwiegend auf Belletristik. Lediglich 47% der befragten Bibliothek führen überhaupt andere Medienformen (Hörbücher, Spiele etc.) und auch dann zumeist nur als kleinen Teilbestand.

Die bibliothekarische Literatur schlägt etwas deutlich anderes vor. Sie entwirft Schulbibliotheken als Zentren der Schulen, die von bibliothekarischem Fachpersonal geführt werden, beständig geöffnet sind, für die schulische Arbeit (aktive Leseförderung, Unterrichtsprojekte, Hausaufgaben, freies Lernen etc.) genutzt werden, einen daraufhin ausgerichteten Bestand haben, der zudem erschlossen und aufgestellt wird, wie in einer Öffentlichen Bibliothek. Sie sollten als Teil des Bibliothekswesens verstanden werden und mit anderen Bibliotheken kooperieren. Die Differenz zwischen den Lesebibliotheken, die sich im Kanton St. Gallen finden, und diesen Vorstellungen von “modernen Schulbibliotheken” ist offensichtlich, aber auch erklärungsbedürftig.

Interessanterweise orientieren sich auch Kombinierte Schul- und Gemeindebibliotheken in St. Gallen, die sich ansonsten auf die oben genannten Richtlinien berufen, an dem Bild der Lesebibliothek. Die schulbibliothekarische Arbeit ist bei ihnen oft so organisiert, dass die Schülerinnen und Schüler die Bibliothek im Klassenverband besuchen und dabei Bücher – nicht die anderen, in der Gemeindebibliothek ebenfalls vorhandenen Medien wie DVDs oder E-Books – ausleihen können.

Wirkung der Geschichte

Seit den 1970er Jahren gibt es immer wieder Vorschläge von Seiten des Bibliothekswesens, Schulbibliotheken am Modell der Öffentlichen Bibliotheken zu orientieren. In St. Gallen haben diese Vorschläge, die zum Teil auch explizit gemacht wurden, keinen erkennbaren Effekt gehabt.

Eine Recherche zur Geschichte der Schulbibliotheken, die auf Materialien des Staatsarchivs St. Gallen zurückgreifen konnte, legte eine Interpretation dafür nahe.

1906 wurde im Rahmen des “Kampfes gegen Schmutz und Schund” direkt beim Erziehungsdepartement eine Kommission eingerichtet, die jährlich eine Liste “guter Literatur” veröffentlichen sollte. Diese Literatur sollte den Schulen für ihre Schulbibliotheken zur Verfügung gestellt werden. Kommissionen diesen Art existierten Anfang des 20. Jahrhundert zahlreich, das Besondere in St. Gallen scheint die direkte Anbindung an eine staatliche Stelle zu sein, welche direkt die Förderung von Schulbibliotheken übernahm. Über diese Kommission und Verordnungen prägte das Departement bis 1982 die Schulbibliotheken in St. Gallen. Diese wurden als Einrichtungen in den Schulen beschrieben, die von Lehrpersonen geführt und neben der Finanzierung durch das Departement durch die Schulen getragen wurden. Die regelmässig erscheinenden Listen der anfänglich vorgeschriebenen, später empfohlenen Literatur wurden jährlich im Schulblatt des Kantons publiziert. Diese Listen und die erhaltenen Sitzungsprotokolle zeigen, dass die Kommission sich im Rahmen der jeweiligen zeitgenössischen Debatten um Kinder- und Jugendliteratur bewegte, wenn auch teilweise etwas verspätet und gerade in den beiden Weltkriegen mit einem spezifisch schweizerischen Fokus, also u.a. im Kontext der sog. Geistigen Landesverteidigung.

Im Laufe der Zeit wandelte sich die Liste zu einer Empfehlungsliste und die Kommission sollte weitere Aufgaben, insbesondere die Beratung von Schulbibliotheken, übernehmen. Dies misslang. Anfang der 1960er Jahren weigerte sich die Kommission still, diese Aufgabe trotz Aufforderung des Erziehungsdepartements nachzukommen. Ende der 1960er Jahre führte die Kommission eine Umfrage unter den Schulbibliotheken durch, u.a. mit der Frage, ob diese Beratung wünschen, was sehr deutlich abgelehnt wurde.

1982 ging die Kommission in die Kantonsbibliothek über, wieder mit dem Auftrag, eine Liste empfohlener Literatur zu publizieren und Schulen zu beraten. Die Liste wurde bis 2012 erstellt, dann wurde die Kommissionsarbeit aufgrund einer Umfrage zur Relevanz der Liste in den Schulen eingestellt.

Die Schulbibliotheken, die sich heute in den Schulen in St. Gallen finden, scheinen eigenständige Weiterentwicklungen der bis Mitte der 20. Jahrhunderts geförderten Einrichtungen zu sein. Sie sind in den Schulen verankert und konzentrieren sich darauf, Kinder und Jugendliche mit Büchern in Kontakt zu bringen. Gleichzeitig sind sie wenig mit den Bibliotheken der Zeit gegen “Schund und Schmutz” zu vergleichen. Sie sind heute durchgängig Freihandbibliotheken, der Zugang zu Literatur ist liberal geregelt und enthält ohne weitere Diskussionen z.B. Comics und Graphic Novels. Kriterium für die Auswahl der Literatur ist, ob die Lernenden daran ein Interesse haben.

Erwähnt werden muss, dass durch die genannte Kommission, aber auch durch den Schweizerischen Bibliotheksdienst, den Bibliotheksverband und die bibliothekarische Presse seit den 1970er Jahren regelmässig versucht wurde, die Schulbibliotheken zu verändern. So gab es, neben mehreren Publikationen, in den 1980er Jahren auch zahlreiche Fortbildungen für Schulbibliotheken. Allerdings ist offensichtlich, dass diese Aktivitäten längerfristig nicht die Form der Bibliotheken veränderten.

Abb. 2: Aufgaben der Schulbibliotheken

Abb. 2: Aufgaben der Schulbibliotheken

Erkenntnisse

Die Ergebnisse der Studie werfen neue Fragen auf. Besonders erstaunlich erscheint, dass die Volksschulbibliotheken in St. Gallen im Rahmen der Schulen gut verankert sind, obgleich es gar keine gemeinsame Entwicklung dieser Bibliotheken mehr gibt. Dies geht nicht mit der in der bibliothekarischen Literatur vertretenen Einschätzung überein, dass es nur wenige funktionierende Schulbibliotheken und einen grossen Entwicklungs- und Beratungsbedarf für Schulen in diesem Bereich gäbe. Zu vermuten ist, dass sich solche Widersprüche nicht nur in St. Gallen finden.

Ein offensichtlicher Vorteil der kleinen Schulbibliotheken im lokalen Schulhaus liegt in der umittelbaren Nähe und der leichten Erreichbarkeit für die Schülerinnen und Schüler. Nur dadurch ist der wöchentliche Besuch während des Unterrichts möglich.

Die Studie zeigte, dass es sinnvoll sein kann, die Forschung zu Schulbibliotheken direkt in den Schulen durchzuführen, die Position der Schulen einzunehmen und sich nicht nur – wie dies vor allem Studienabschlussarbeiten im Bibliothekswesen tun – auf bibliothekarische Fachliteratur und besonders sichtbare Schulbibliotheken zu beziehen.

Die Studie konnte nicht aufzeigen, aus welchem Grund die Volksschulen in St. Gallen diese Formen von Schulbibliotheken bevorzugten. Gleichzeitig war es nicht möglich, den genauen Ablauf der Arbeit in ihnen zu untersuchen. Auffallend war u.a., dass die Leseförderung nach Literaturversorgung als zweit wichtigste Aufgabe genannt wurde, gleichzeitig aber kaum didaktische Überlegungen geäussert wurden, was genau dies heisst. Während der kurzen Einblicke, die in dieser Studie gewonnen wurden, schien es oft so, als würde das regelmässige, freie Lesen von Büchern mit dieser Förderung gleichgesetzt. Es ist zu erwarten, dass daneben im restlichen Schulbetrieb weitere Formen der Leseförderung genutzt werden.

Es scheint aber klar, dass diese Form der Leseförderung in den weiteren Schul- und Lehrbetrieb und somit in die dort vorhandenen Konzepte integriert ist. Dies zeigt sich auch daran, dass öfters das Programm Antolin (www.antolin.de) zur Leseförderung eingesetzt wird. Damit werden Schülerinnen und Schüler zum Lesen ermuntert, manchmal auch durch Leistungskontrollen unterstützt und das Verständnis der gelesenen Texte abgefragt. Die dafür benötigten Bücher werden von den Schülerinnen und Schülern während der Lesestunde in der Schulbibliothek ausgeliehen. Die Konzentration auf Antolin schlägt sich auch in dem Medienbestand der Bibliothek nieder, da vorzugsweise Literatur beschafft wird, die in Antolin enthalten ist. Die Wirksamkeit dieser Form der Leseförderung war kein Untersuchungsgegenstand der Studie. Entsprechend verzichtet die Studie auf eine Bewertung der verschiedenen Bibliothekstypen, also von zentralen kleinen Schulbibliotheken im Vergleich zu kombinierten Schul- und Gemeindebibliotheken. In beiden Fällen wäre es wünschenwert, wenn die Wirkung der Aktivitäten auf die Lese- und Medienkompetenzen der Schülerinnen und Schüler untersucht werden könnten.

Die Studie ist auf der Homepage der Bibliothekskommission St. Gallen (www.sg.ch/home/kultur/kantonsbibliothek/bibliotheksfoerderung.html) eingestellt.

 

Karsten Schuldt und Ekaterina Vardanyan sind Wissenschaftliche MitarbeiterInnen und Rudolf Mumenthaler ist Professor für Bibliothekswissenschaft an der HTW Chur.

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