HTW Chur - SII

InfoWiss Chur

Blog des Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft

Kategorie: Ebook

Neue Publikation in den Churer Schriften zur Informationswissenschaft: Die Usability von E-Book-Angeboten wissenschaftlicher Bibliotheken

Silvana Rüfli (2018): Die Usability von E-Book-Angeboten wissenschaftlicher Bibliotheken: Eine Untersuchung am Beispiel der Universitätsbibliotheken St. Gallen, Bern und Zürich.

Die hier vorgestellte Bachelorthesis des Studienganges Information Science untersucht die Usability von E-Book-Angeboten von drei wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz: der Universitätsbibliothek St. Gallen, der Universitätsbibliothek Bern und der Hauptbibliothek der Universität Zürich. Eine gute Usability-Qualität der Online-Angebote von Bibliotheken ist entscheidend, um mit anderen Informationsanbietern im Web konkurrenzieren zu können. E-Books werden von Verlagen und Aggregatoren angeboten und können von Bibliotheken gekauft oder lizenziert werden. Benutzer sehen sich bei der Recherche nach E-Books mit vielen Beschränkungen und unterschiedlichen Anbieter-Plattformen konfrontiert. Die Suche in Discovery Systemen oder Katalogen kann für den Nutzer durch gut verständliche Bezeichnungen für Links und eine eindeutige Darstellung von E-Books in der Ergebnisliste vereinfacht werden. Die frühzeitige Erkennbarkeit von Volltext-Zugang im Rechercheprozess erleichtert die Suche ebenfalls.

Schlagwörter: E-Book, Usability, Bibliothek, Discovery System

Die Arbeit steht, wie alle weiteren Veröffentlichungen unserer elektronischen Schriftenreihe, zum kostenlosen Download bereit unter: http://www.htwchur.ch/digital-science/forschung-und-dienstleistung/churer-schriften.html

Enhanced E-Books – Eine Herausforderung für die Schweizer Buchbranche

Projekteinreichung bei der KTI in 2013
E-Books gewinnen seit Jahren an Bedeutung. Dabei werden unter E-Books in der Regel digitale Inhalte verstanden, die bereits als „konventionelle“ Bücher publiziert worden sind. Für die Produktion solcher E-Books stehen Verlagen zahlreiche Werkzeuge zur Verfügung und auch für den Vertrieb gibt es bereits etablierte Lösungen.

Digitale Inhalte in E-Books können aber nebst Text, Bild und Grafik auch Audio, Video und Interaktion umfassen, so wie wir es vom Web kennen (und dort auch erwarten). Mit diesen Elementen entsteht ein Enhanced (angereichertes) E-Book. Die Forschungsgruppe „Informationseinrichtungen auf dem Weg in die Digitale Gesellschaft“ der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur befasst sich mit den aufkommenden Fragen rund um Enhanced-E-Books und erarbeitet praxistaugliche Antworten auf diese neue Herausforderung für die Buchbranche sowie für Hochschulen und Bibliotheken.

Im Jahr 2013 startet die Forschungsgruppe ein Projekt, das sich mit der besagten Thematik ausführlich befassen wird und folgende Ziele verfolgt:
• Exemplarische Realisierung von ausgewählten Enhanced E-Books unter Berücksichtigung mediendidaktischer, technischer und ökonomischer Aspekte.
• Evaluation der realisierten multimedialen und interaktiven E-Books.
• Erarbeitung eines Leitfadens für einen optimalen und innovativen Produktions- und Publikationsprozess unter Berücksichtigung der neuesten Technologien und der Betrachtung des gesamten Zyklus (Produktion, Vertrieb und Verkauf).

Die Konkretisierung der Detail-Ziele wird in enger Zusammenarbeit mit Projektpartnern aus der Buchbranche erfolgen. Das Projekt wird bei der Kommission für Technologie und Innovation KTI eingereicht. Aktuell befindet sich die Forschungsgruppe in Verhandlung mit potentiellen Projektpartnern.

Für Fragen zum Projekt steht das Forschungsteam jeder Zeit gerne zur Verfügung.
Urs Dahinden, Bruno Wenk, Rudolf Mumenthaler, Ekaterina Vardanyan und Vincenzo Francolino

E-Books werden doch gelesen!

Soll bitte keiner mehr behaupten, dass E-Books keinen Lesermarkt haben. Das stimmt definitiv nicht, wie die Studie „Gutenberg 3.2“ zur Digitalen Content-Nutzung (DCN), in Auftrag gegeben vom Bundesverband Musikindustrie, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) gezeigt hat.

Das nächste neue Buch liegt längst nicht mehr im Laden um die Ecke. Es steht im Internet. Aber genau da liegt das Problem. Die Studie rechnet vor, dass beispielsweise etwa 10 bis 30 Millionen E-Books innerhalb der vergangenen anderthalb Jahre von einem einzigen „illegalen“ Server in Belize runtergeladen wurden. Ihnen stehen nur 4.7 Millionen E-Books gegenüber, die in Deutschland 2011 legal verkauft wurden. Bereits in 2011 wurden ca. 60% der E-Books illegal aus dem Internet heruntergeladen (Gutenberg 3.1). Logischerweise spürt die Branche diesen monetären Verlust. Dabei ist es so gut wie unmöglich die Server vom Netz nehmen zu lassen, da hierfür eine internationale Zusammenarbeit der Behörden notwendig wäre, die derzeit nicht in Aussicht steht. Interessant ist auch die technische Methode mit der man an die E-Books gelangt. Es werden Links zur Verfügung gestellt, die zu einem One-Click-Hoster (OCH) führen. Dort erst lädt der Nutzer die Dateien herunter. Dieses Verfahren ist sowohl für den Anbieter als auch für den Abnehmer ein weitgehend sicheres Downloadverfahren.

Wenn wir das mit den Erfahrungen der Musikbranche in den letzten Jahren vergleichen, so sind hier einige grosse Parallelen erkennbar. Die Musikindustrie hat zunächst erfolglos versucht gegen den illegalen Download von Titeln im Netz vorzugehen und ist erst im nächsten Schritt allmählich zu einem tragfähigen Geschäftsmodell gekommen, indem sie sich an den Wünschen (dem Druck) der Nutzer orientiert hat: Preiswerter, einfacher Download und Flexibilität in der (privaten) Nutzung der elektronischen Objekte. Aber bis die Buchbranche zu dieser Einsicht kommt wird es wohl noch einige Zeit dauern. Derzeit denkt man in dieser Branche noch im alten Muster: „Wir sind nicht zufrieden mit der Rechtslage. Seit mehr als drei Jahren verspricht die Bundesregierung, etwas gegen die Piraterie zu tun.“, so Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Aber warum auf andere warten und nicht selbst etwas innovatives unternehmen, Herr Skipis?

Dass es auch anders geht und sogar ohne starres Digital-Rights-Management-Korsett, zeigt die aktuelle Aktion von „Humble Bundle„. Bisher vor allem durch den spendenbasierten Verkauf von Computerspielen bekannt, hat sich das „Humble Bundle“-Team seit dieser Woche auch auf den E-Book-Markt gewagt: Mehrere namhafte Autoren, darunter auch Cory Doctorow und Neil Gaiman bieten neue Werke als E-Books zur Verfügung und der Käufer kann selbst entscheiden, wieviel er den Autoren, dem Humble-Bundle-Team, der Electronic Frontier Foundation (EFF) und/oder der Aktion „Child’s Play Charity“ für die E-Books zahlen will.

Mehr zu diesem Thema:
FAZ vom 13.10.2012: E-Book-Piraterie. Die bösen Jungs kriegt man nicht.
Gulli News vom 01.10.2012: Gutenberg 3.2: Piraterie kostet die Buchbranche Millionen
heise.de vom 10.10.2012: Humblebundle.com verkauft erstmals E-Books

Wird das E-Book und die Digitale Bibliothek die Umwelt retten?

Karsten Schuldt

 

Unter den Versprechen, die E-Books und Digitale Bibliotheken zu vermitteln scheinen, ist eines, dass auf den ersten Blick absonderlich klingt (das haben viele dieser Versprechen an sich), auf den zweiten Blick aber doch überlegenswert. Es wird die Frage gestellt, ob digitale Medien besser für die Umwelt sind als gedruckte Medien. Darüber hinaus wird gefragt, was der Informationssektor und Bibliotheken für die Umwelt tun können. Es fragt vor allem Gobinda Chowdhury von der University of Technology in Sydney, der offenbar auch hauptsächlich in Australien wahrgenommen wird. (Was in gewisser Weise ironisch ist, wird doch in Australien quasi jeder Weg mit dem Auto zurückgelegt.)

Die Argumentation von Chowdhury lautet ungefähr wie folgt: Weiterlesen

Das Ebook wird nicht gewinnen. Vielleicht.

Immer wieder einmal veröffentlicht die Presse einen Artikel mit dem Inhalt, dass das Ebook auf dem Vormarsch sei und mit hoher Wahrscheinlichkeit das Buch verdrängen wird. Gründe für solche Texte gibt es immer: Neue Ebook-Reader werden lanciert, Buchhandlungen schliessen, der Buchhandel gibt Verkaufszahlen bekannt, der Tag des Buches naht, es ist Sommerloch, Apple veröffentlicht ein Programm (nur Apple, die andere Software schlägt nicht solche Wellen – die Presse ist halt doch manchmal zu sehr vom Blingbling geleitet). Oder zur Zeit: Die Abstimmung zur Buchpreisbindung naht. Die NZZ am Sonntag hat den letzten Aufhänger gewählt.

In „Das Buch wird neu erfunden“ (von Gordana Mijuk, NZZ am Sonntag, 11 (2012) 8, S. 22-23) führt die Autorin Voraussagen an, nach denen sich in Europa demnächst die Ebooks ebenso durchsetzen würden, wie in den USA. Dazu zitiert sie vor allem Prognosen des Börsenverein des Deutschen Buchhandels und von Thalia Schweiz.

Michele Bomio, Geschäftsführer des Buchhändlers Thalia in der Schweiz, schätzt, dass in zwei, drei Jahren der Umsatzanteil von E-Books 15 bis 20 Prozent betragen wird.

Zudem führt die Autorin die Unterschiede von Ebooks und Büchern auf, betont, dass zumindest die grossen Buchhandelsketten in der Schweiz sich darauf vorbereiten würden, bald mehr Bücher zu verkaufen. Ausserdem führt sie das Beispiel einer Autorin an, welche in den USA mit selbstpublizierten Ebooks reich geworden, dann aber doch zu einem Verlag gewechselt ist.

 

Nun: Ich würde die These vertreten, dass diese Prognosen nicht eintreten werden. Warum? Um eine steile These vorzulegen, die eine Diskussion ermöglichen kann.

Es ist nämlich so: Die gleichen Prognosen werden seit Jahren gestellt und treten doch nicht ein. Nimmt man zum Beispiel die Angaben aus dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels und die Prognosen, die von Thalia Schweiz (und anderen Akteuren auf den unterschiedlichen Buchmärkten) in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, dann müsste der Anteil von Ebooks an den verkauften Büchern längst über 50% betragen. Und das auch schon seit Jahren. Ein wenig erscheint es so, als würden die fast immer gleichen Voraussagen seit spätestens Anfang des 21. Jahrhunderts einfach wiederholt und dabei immer wieder auf die USA verwiesen. Insoweit ist meine Gegenthese genauso untermauert, wie die Voraussagen. Teilweise sind die Artikel zu Ebooks einfach austauschbar und damit ihr Informationsgehalt mehr als begrenzt. Was diesen Sonntag in der NZZ am Sonntag stand, stand quasi genauso auch schon in jeder anderen grösseren Zeitung – egal ob Tages- oder Wochenblatt – in Europa.

Inhaltlich ist an diesen Texten immer wieder zu kritisieren, dass sie sehr deterministisch argumentieren. In den USA sind Buchhandelsketten eingegangen, also werden sie es auch in der Schweiz (oder halt in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Grossbritannien etc.) eingehen. Die Ebooks sind praktisch, also werden sie auch so verwendet werden, wie es vorhergesagt wird. Verlage und Buchhandel müssen sich ändern, also werden sie sich ändern. Und so weiter. Das ist oft sehr einfach gedacht. (Buchhandelsketten in den USA sind zum Beispiel auch daran untergegangen, dass das Management Fehler machte. Das muss mit Ebooks nicht unbedingt etwas zu tun haben.)

Dennoch zeigen diese Artikel auch, dass es zumindest in Kreisen der Publizierenden, der Verlage und des Buchhandels (und auch der Bibliotheken) ein Interesse an Ebooks gibt. Es passiert etwas. Aber was? Wird etwas auf uns zukommen? Und wann?

Was nicht so richtig gefragt wird, obgleich es ja eine viel interessantere (und für Bibliotheken sinnvollere) Frage wäre: Was machen Menschen eigentlich mit Ebooks? Was können Ebooks eigentlich wirklich? Ändert sich die Aufgabe der Verlage durch Ebooks tatsächlich? Ist Selbstpublizieren wirklich etwas Neues, dass sich durchsetzen wird?

Letztlich müsste auch der Fakt, dass sich die Prognosen seit Jahren nicht wirklich ändern, zu Fragen auffordern: Wie haben sich Ebooks in den USA besser etabliert, als sie es in europäischen Staaten tun? (Und warum macht niemand die Vorhersage, dass sich die europäischen Buchmärkte wie der japanische oder südkoreanische entwickeln werden, die doch schon viel früher und weitgehender mit elektronischen Medien umgehen mussten, als der Markt in den USA?)

Sicherlich: Die Tages- und Wochenpresse ist nicht der Ort, diese Fragen eingehend zu stellen. (Etwas mehr Bewusstsein dafür, was für Artikel schon geschrieben und welche Prognosen schon gestellt wurden, wäre allerdings doch manchmal zu wünschen.) Dafür wäre die Informationswissenschaft ein guter Ort. Es muss nur jemand die Fragen stellen und zu beantworten versuchen.

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