HTW Chur - SII

InfoWiss Chur

Blog des Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft

Kategorie: Informationsgesellschaft (Seite 1 von 4)

Neue Publikationen in den Churer Schriften zur Informationswissenschaft aus dem MAS in Information Science

Die «Churer Schriften zur Informationswissenschaft» ist eine elektronische Publikationsreihe des Schweizerischen Instituts für Informationswissenschaft SII der HTW Chur. Die Schriftenreihe umfasst Arbeitsberichte, Forschungsberichte, Diplomarbeiten und sonstige Publikationen zu den Forschungsfeldern der Bibliothekswissenschaft, Archivwissenschaft, Informationswissenschaft und Data Science.

Wie lernen studentische Bibliotheks-Nutzende und was macht für sie den optimalen Arbeitsplatz aus? Eine Studie der Lernlandschaft der Universitätsbibliothek St. Gallen

Andrea Traber (2018)

Die Universitätsbibliothek St. Gallen ist mit einem stetig steigenden Bedarf an Lernplätzen konfrontiert. Um diese qualitativ hochstehend und bedürfnisgerecht zu gestalten, ist es ent­scheidend, die Anforderungen der Studierenden an Lernplätze zu kennen. Auch stellt sich immer wieder die Frage, wie sich gesellschaftliche und technologische Entwicklungen auf Nutzerbedürfnisse auswirken.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Lernlandschaft der Universitätsbibliothek St. Gallen, indem sie mittels Beobachtungen beliebte und wenig genutzte Zonen identifiziert. Des Weiteren werden mittels Fotobefragungen die Lern- und Arbeitsweisen von Bibliotheks­nutzenden und deren Erwartungen an Lernplätze analysiert.

Dabei zeigt sich, dass kooperative und kreative Lernformen wenig Einzug in den studentischen Lernalltag gefunden haben und sich Studierende mehrheitlich einen herkömmlichen Einzelarbeitsplatz in einer ruhigen Umgebung wünschen, so dass sie im Kreise Gleich­gesinnter still und konzentriert lernen und arbeiten können. Diese Erkenntnis soll die Universitätsbibliothek St. Gallen und Hochschulbibliotheken im Allgemeinen dabei unter­stützen, Lernorte bedürfnisgerecht zu gestalten.

Schlagwörter: User Experience in Libraries, UXLib, Ethnografie, Fotobefragung, Beobach­tung, Lernort Bibliothek, Nutzerbedürfnis


„Für das Volk und durch das Volk?“ Bibliotheken als Gegenstand von Volksabstimmungen und Petitionen

Irina Morell (2018)

Angesichts des zunehmenden Spardrucks müssen Bibliotheken in der Schweiz ihre Interessen auf der politischen Bühne wirksam vertreten können, um auch in Zukunft über ausreichend finanzielle Mittel für die Erfüllung ihres gesellschaftlichen Auftrags zu verfügen. Die direkte Demokratie bietet Bibliotheken dafür zahlreiche Möglichkeiten. Doch nutzen Bibliotheken diese auch, und mit welchen Folgen? In der Schweiz fand dieses Forschungsthema im Gegensatz zu den USA bis heute wenig substantielle Beachtung.

Die Arbeit trägt zur Schaffung einer notwendigen Grundlage für weitere Forschungsarbeiten bei, indem sie alle schweizerischen Volksabstimmungen und Petitionen mit Bibliotheksbezug der letzten zehn Jahre erfasst und auswertet. Mehrere auf Experteninterviews basierende Fallstudien erlauben vertiefende Erkenntnisse zu ausgewählten Abstimmungsbeispielen. Im Zentrum der Untersuchung steht der Versuch, basierend auf diesen Daten einen Leitfaden für direktdemokratische Interessenvertretung zu erstellen, der praktische Handlungsempfeh­lungen für schweizerische Bibliotheken zur Verfügung stellt. Darüber hinaus untersucht die Masterarbeit den Einfluss direktdemokratischer Volksrechte auf die öffentliche Bibliotheks­landschaft der USA und der Schweiz.

Schlagwörter: Abstimmungsforschung, Abstimmungskampf, Bibliothekspolitik, direkte Demokratie, Interessenpolitik, Interessenvertretung, Lobbyismus, öffentliche Bibliothek, Petition, Politikwissenschaft, politische Kommunikation, politische Kampagne, Schweiz, USA, Volksabstimmung

Die Arbeiten stehen zum kostenlosen Download bereit unter: https://www.htwchur.ch/htw-chur/angewandte-zukunftstechnologien/schweizerisches-institut-fuer-informationswissenschaft-sii/publikationen/churer-schriften/

Informationsethik und die Digitalisierung im Gesundheitswesen

Im Rahmen der Masterstudienrichtung Information and Data Management an der HTW Chur verfassen Studierende im Modul „Informationsethik“ bei Prof. Rainer Kuhlen als Teil des Leistungsnachweises zu einer These ein Essay. Ausgewählte Essays aus dem Herbstsemester 2016 werden hier im Blog vorgestellt.

Ein Essay von Imke Schubert

Das Gesundheitswesen ist, wie die meisten anderen Wirtschaftsbereiche im Informationszeitalter, stark von der Digitalisierung betroffen und eignet sich von einem informationsethischen Gesichtspunkt her besonders gut als beobachtbarer Teilbereich, da hier eine bereits seit langer Zeit etablierte normative Ethik als moralische Grundlage bei der Umsetzung aller möglichen Abläufe gilt: Im Gesundheitswesen ist moralisches Handeln vorausgesetzt und gesetzlich genormt – welchen Stellenwert ordnet man der Informationsethik beim Transfer dieser Handlungen in den digitalen Bereich zu?

Diese Fragestellung soll im Folgenden durch das Aufbringen von aus der Literatur entnommenen Argumenten und von Fachleuten aus der Praxis gewonnenen Eindrücken von mehreren Seiten betrachtet werden. Ziel ist es zu prüfen ob die Informationsethik, als Teilbereich der Ethik, bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen einen ähnlich hohen Stellenwert geniesst wie z.B. die Medizinethik. Es soll auch diskutiert werden, ob der Informationsethik ein solcher Stellenwert überhaupt gebührt und ob eine normative Informationsethik bei der Digitalisierung von medizinischen Daten tatsächlich konstruktiv wirkt oder ob sich daraus Redundanzen oder auch neue Schwierigkeiten ergeben. Zudem wird auch nach interessanten, noch relativ unerschlossenen Forschungsthemen für die Informationsethik im digitalen Gesundheitsdaten-Management gesucht, welche sich vielleicht für eine Master-Thesis eignen würden.

Das ausführliche Essay kann hier heruntergeladen werden: Essay Informationsethik und die Digitalisierung im Gesundheitswesen von Imke Schubert

Vom Studenten in Information Science zum Leiter Informationsdienstleistungen beim Wirtschaftsdachverband economiesuisse

Sebastian Brassel diente das Bachelorstudium Information Science als Sprungbrett in den Bereich Informationsdienstleistungen. Erfahren Sie mehr zu seiner Tätigkeit als Leiter Informationsdienstleistungen beim Wirtschaftsdachverband economiesuisse und lesen Sie, wovon er vom Studium besonders profitieren konnte.

Das Bachelorstudium Information Science als Sprungbrett

Tim Berners-Lee fordert mehr Anstrengungen für offenes, dezentrales Web

Das World Wide Web feiert seinen 25. Geburtstag. Der „Vater“ des WWW, Tim Berners-Lee, hat dieses Jubiläum zum Anlass genommen, um in einem Gespräch mit WIRED seine Kernforderung für ein offenes und dezentralisiertes Internet zu betonen. Gerade in Zeiten von Whistleblowing, Abhörskandalen und Open Data-Anstrengungen sei es wichtig, dass die Grundphilosophien des WWW weiter gestärkt werden: Offenheit und freier Zugang für alle. Besonders forderte er die Geeks der Welt dazu auf, sich stärker gegen staatliche Regulierungs- und Überwachungsinitiativen zu wehren und Strategien dagegen zu entwickeln.

Interessant ist auch sein Eingeständnis zu seinem „grössten Fehler“, den er bei der Konzeption des WWW begangen hätte: Wenn er es könnte, würde er in Retrospektive auf die zwei Schrägstriche in „http://“ verzichten. „You don’t really need it. It just seemed like a good idea at the time.“

Artikel in WIRED.

ZDFzoom: World Wide War – Der geheime Kampf um die Daten

In der Mediathek des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) ist eine interessante 45-minütige Dokumentation zu den Enthüllungen von Edward Snowden verfügbar. Der Bericht von Elmar Theveßen, Thomas Reichart, Johannes Hano und Heike Slansky aus dem September 2013 zeigt, wie einfach es ist, übers Netz in technische Anlagen einzudringen, wie mit Hinweis auf die Terrorabwehr das Post- und Fernmeldegeheimnis verletzt wird und wie private Räume immer öffentlicher werden.

Das Video mit ergänzenden Materialien und Interviews ist hier zu sehen: http://www.zdf.de/ZDFzoom/World-Wide-War-29257226.html

Projekt: COLiSu – Connecting Open Library Systems and Sugar

Brigitte Lutz, Karsten Schuldt

Schulbibliotheken in der dritten Welt? Davon gibt es (wohl) eher wenige, vor allem im ländlichen Raum. Und wenn, dann sehen sie nicht so aus, wie wir uns das vorstellen. So sind Lehrmaterialien oftmals nur in geringen Mengen vorhanden und werden häufig von den Lehrpersonen boykottiert oder Eltern müssen Arbeitsmaterialien beisteuern. Geld für neue Medien ist in der Regel eher nicht vorhanden, ganz zu schweigen von finanziellen Ressourcen für bibliothekarische Arbeitskräfte oder Bibliothekssysteme.

Da es aber nicht nur im Bereich der Schulbibliotheken mangelt, sondern auch an technischer Ausstattung, wurde 2006 das Projekt „One Laptop per Child“ gestartet. Es hat sich zum Ziel gesetzt, einen Laptop zu entwerfen, der den Bedingungen dieser Länder angepasst. Dieser Laptop ist mittlerweile in mehr als 40 Staaten verbreitet. Ausgestattet ist er mit der – auf beliebige Linux- oder Windows-Systeme aufsetzbaren – Desktop-Oberfläche „Sugar“,  einem System, welches auf die Zielgruppe der Kinder angepasst ist. Es ist intuitiv und ohne jegliche PC-Kenntnisse nutzbar. Zusammengesetzt ist es aus mehreren sogenannten Aktivitäten. Dabei handelt es sich um verschiedene Programme, welche grösstenteils visuell gestaltet sind. Da es sich bei Sugar um Open Source handelt, können bestehende Aktivitäten beliebig verändert und erweitert und neue Aktivitäten entwickelt werden.

Das Projekt COLiSu begann mit der einfachen Frage: Warum sollte man nicht eines der zahlreichen Open Source Bibliothekssysteme wie Koha, NewGenLib oder ABCD nehmen und es so anpassen, dass es auch in Sugar integriert werden beziehungsweise von Sugar aus genutzt werden kann? Damit würde man neue Möglichkeiten schaffen, Bibliotheksbestände besser für Kinder und Jugendliche zugänglich zu machen und sie damit in den Lernprozess zu integrieren. Ferner könnte eine Realisierung solcher Zugänge dazu beitragen, dass Öffentliche Bibliotheken sowie national tätige Bibliotheken beginnen, Dienste für die Schülerinnen und Schüler in ländlichen Gegenden zu entwickeln. Zu wünschen wäre ausserdem, dass Bibliotheken ihren Bestand mit elektronischen Medien erweitern, welche dann über Sugar zugänglich gemacht werden könnten. Das SII widmet sich derzeit im Forschungsprojekt dieser Aufgabenstellung und lotet aus, wie freie Bibliothekssysteme mit Sugar verbunden werden könnten und welche Möglichkeiten für die bibliothekarische Arbeit sich daraus ergeben.

Im Moment ist noch offen, inwiefern eine solche Lösung überhaupt umsetzbar wäre und was sie bringen würde, ob der Zugang zu Medien dadurch verbessert würde, der Lernerfolg bei den Lernenden dadurch grösser und der Unterricht aufgrund des freieren Zugangs zu Wissen dadurch demokratischer wäre. Doch vielleicht ist dies eine Chance, die Schulbedingungen in der dritten Welt tatsächlich ein wenig zu verbessern.

Zu klären sind in diesem Projekt:

  1. Die software-technischen Fragen der Verbindung von Sugar und freien Bibliothekssystemen. Da alle Komponenten als Open Source vorliegen und zumeist klar definierte Schnittstellen aufweisen, scheint dies relativ leicht möglich.
  2. Die Gestaltung der Aktivität oder Aktivitäten in Sugar, welche auf die Bibliothekssysteme zurückgreifen sollen.
  3. Die organisatorischen Fragen in Schulen, Bibliotheken und Schulbibliotheken. Neben der Frage, was möglich wäre, ist auch zu klären, wie und mit welchem Aufwand bestimmte Anwendungen umgesetzt werden können, ob sie sinnvoll in Schule, Unterricht oder Freizeit der Schülerinnen und Schüler eingesetzt werden können. Dabei sind auch die spezifischen Voraussetzungen in den unterschiedlichen Staaten zu bedenken.
  4. Im Idealfall würden Feldtests Auskunft darüber geben, ob solche Aktivitäten tatsächlich – und wenn ja, mit welchem zusätzlichen Aufwand, beispielsweise der Schulung von Lehrerinnen und Lehrern, Bibliothekarinnen und Bibliothekaren – Auswirkungen haben können.
  5. Im weitergehenden Idealfall wird im Laufe des Projektes eine Verbindung zu den Versuchen, mittels Open Educational Resources die Möglichkeiten des Unterrichts und Lernens weltweit zu verbessern, hergestellt.

Call for Papers: Open Access Tage 2013 (01./02.10, Hamburg)

Für die Open Access Tage, die 2013 von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg sowie dem ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft in Hamburg organisiert werden, erschien soeben de Call for Papers. (Als PDF hier) Einsendeschluss ist der 30. März 2013.

Sehr geehrte Damen und Herren,

vom 01.-02. Oktober 2013 finden die 7. Open-Access-Tage an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) statt. Die Konferenz wird von der SUB gemeinsam mit der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft und in Kooperation mit der Informationsplattform open-access.net ausgerichtet. Weiterlesen

Gepriesen sei der amerikanische Geheimdienst

In der Vorlesung „Einführung in die Informationswissenschaft“ habe ich die Studierenden darauf aufmerksam gemacht, dass Emails mit „verschlüsseltem“ Inhalt, die einen Empfänger in den USA haben, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von amerikanischen „Informations-Systemen und -Spezialisten“ automatisch indexiert und ausgewertet werden. Wie man diesen (Geheim-)Dienst sinnvoll einsetzen kann zeigt die Abbildung (klicken für grössere Darstellung).
Viel Spass
geheim

Facebook und die Demokratie – Zwei Welten treffen aufeinander!

Diese Mail (s.u.) haben wohl alle erhalten die einen FB-Account haben, aber was bedeutet das nun für uns?

Noch bis zum 10. Dezember können wir als Facebook-Nutzer über die neue Richtlinien abstimmen. Dabei stelle ich mir viele Fragen: 1) Was soll geändert werden? 2) Welche Folgen haben die Änderungen für mich und die FB-Gemeinde? 3) Hat es überhaupt einen Sinn abzustimmen, kann ich mit meiner Stimme etwas bewegen?
 
zu 1)
Das Wichtigste was geändert werden soll ist die Abschaffung des Mitspracherechts. Bisher mussten geplante Änderungen der bestehenden Richtlinien auf der „Facebook Site Governance“ zur Diskussion gestellt werden. Wurden mehr als siebentausend widersprechende Kommentare abgegeben musste abgestimmt werden. Aber es mussten sich innerhalb einer Woche dreissig Prozent aller Facebook-Nutzer (das wären ca. 300 Millionen Mitglieder) an dieser Abstimmung beteiligen, um ein wirksames Votum zu erzielen. Da sich in der Vergangenheit höchstens ein Prozent der Nutzer (das sind immerhin 10 Millionen Mitglieder) an dem Verfahren beteiligt hatten, will Facebook das Mitspracherecht aus Effizienzgründen abschaffen.

zu 2)
Zukünftig sollen die Kommentare zu den anstehenden Änderungen zuerst von Facebook geprüfen werden und man will dann in Videobotschaften auf kritische Fragen eingehen.

zu 3)
Vierhunderttausend Menschen gaben bis Mittwochnachmittag ihre Stimme ab, 340000 stimmten gegen die Abschaffung ihres Stimmrechts. Es ist also nicht damit zu rechnen, dass bis zum 10. Dezember die notwendige Wahlbeteiligung von 300 Millionen Menschen erreicht werden sollte.

In Österreich bereitet sich nun die Datenschutzinitiative „Europe-v-Facebook“ auf einen gerichtlichen Weg gegen FB vor. Die Wiener Gruppe um den Jurastudenten Max Schrems hat in Irland schon mehrere Dutzend Verfahren angestrengt. Die Kritik aus Österreich hatte unter anderem die von Facebook geplante Gesichtserkennung verhindert (mehr dazu in dem FAZ-Beitrag „Werbung mit Gesicht“). Doch meist hat sich das Gericht von den FB-Anwälten so sehr beeindrucken lassen, dass oft auf eine sorgfältige Prüfung der Ansprüche der Kläger verzichtet wurde, so sieht es jedenfalls Europe-v-Facebook. Zudem sind die Vorstellungen der irischen Richter wohl „meilenweit vom Rest der EU entfernt“ (sicherlich auch ein Grund warum sich Facebook Irland als Sitz ausgewählt hat). Der nächste Prozess, für den zurzeit unter crowd4privacy.org Geld gesammelt wird, soll deshalb bis vor den Europäischen Gerichtshof gehen und ein „Musterverfahren im Bereich Datenschutz“ werden.

Also, was bleibt zu tun?
– Alle sollten abstimmen und damit von ihren demokratischen Rechten Gerauch machen.
– Wer will sollte Europe-v-Facebook unterstützen. Dabei geht es nicht darum Facebook aus dem Internet zu entfernen! Es geht lediglich darum, dass sich Facebook an gewisse (europäische) Rechte (Sebstbestimmung) hält.

Bereits die „Alten Griechen“ hatten Plagiats-Probleme

„Möge, wer nicht zitiert, vermisst werden und vergessen“, oder wie wir es heute sagen würden: Wer schreibt der bleibt! Aber genau dieser Ansatz führt doch letztendlich erst dazu, dass viel (zuviel) geschieben und oft genug plagiiert wird.
Zitieren und plagiiern ist nicht ein Thema unserer Zeit, bereits der „römische Dichter Martial klagte darüber, dass es Menschenräuber gebe, die seine eigenen Epigramme wie Sklaven gestohlen und weiterverkauft hätten, Sklavenhändler, Menschenräuber, plagiarius eben.“ (Giuseppe Veltri, FAZ).

Aber wie schützt man sich wirkunsgvoll gegen Plagiate?

– Vielleicht sollten wir die mittelalterliche Methode der „Fluchformel“ wieder einführen? „Zum Schutz eines Buches oder von Buchrezepten war die Verschriftlichung von Fluchformeln gegen diejenigen, die es verfälschen, stehlen oder weiterverkaufen, eine Praktik, die sich bis ins Mittelalter gehalten hat. Gewöhnlich wird Eike von Repgow, der Verfasser des „Sachsenspiegels“ zitiert, der jedem, der sein Buch verfälschte, Aussatz an den Hals wünschte. Ein mittelalterlicher Text aus der berühmten Geniza (Lagerraum) der Ezra-Synagoge in Kairo ist diesbezüglich sehr deutlich.“ (ebenda)

– Eine eher tödliche Methode zum Plagiateschutz war die sogenannte Verschleierung. Der Verfasser von medizinischen Rezepte hat in seinem Text bewusst eine falsche Zusammenstellung der Rezeptur dargestellt, plagiiert man dies führt das Plagiat zum Tod. So musste man immer beim Erstautor selbst nachfragen, um an das heilende Rezept zu gelangen.

Der FAZ-Beitrag ist wirklich lesenwert!
Möge, wer nicht zitiert, vermisst werden und vergessen

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