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InfoWiss Chur

Blog des Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft

Kategorie: Projekt (Seite 1 von 2)

Was Menschen an Bibliothek wichtig finden (kurzer Blick auf Daten einer Umfrage)

Das Schweizerische Institut für Informationswissenschaft ist an der Studie ALM-Field, Digitalization, and the Public Sphere (ALMPUB) (https://almpub.wordpress.com), die von Kolleginnen und Kollegen der Oslo and Akershus University College of Applied Sciences geleitet wird, beteiligt. Teil der Studie war/ist eine Telefonumfrage in den beteiligten Staaten (Norwegen, Dänemark, Schweden, Schweiz, Deutschland, Ungarn) bei jeweils rund 1000 Personen pro Land. In der Umfrage wurde unter anderem die Sicht auf Bibliotheken, Archive, Museen (das ALM-Feld) und die jeweilige Gesellschaft im Allgemeinen sowie die Nutzung der ALM abgefragt. Die Auswertung wird sich hinziehen. Hier, in diesem Beitrage, aber schon mal ein kurzer Blick auf eine der gestellten Fragen: Welche Aufgaben von Bibliotheken werden als wichtig angesehen?

In der Tabelle sind die Werte für die Schweiz und – als Vergleich – Deutschland abgetragen. Zu Antworten war immer pro Item 1=sehr geringe Bedeutung bis 11= sehr grosse Bedeutung (bei der Umfrage dargestellt als 0 bis 10, aber in den Daten als 1 bis 11, d.h. der höchstmögliche Wert, welcher zu erreichen wäre, wäre 11). In der Tabelle angegeben sind jeweils das Item, absteigend geordnet nach dem Mittelwert der Antworten (bei 1002 Antworten für die Schweiz, 1017 für Deutschland). Angegeben ist zuerst der Median (die Antwort genau in der Mitte, bei der 50% höher und 50% niedriger geantwortet haben), da dieser weniger von Ausreissern beeinflusst, also auch genauer ist.

Zu sehen ist in den Daten – auch wenn sie vorsichtig interpretiert werden müssen – einiges, was den zeitgenössischen bibliothekarischen Diskussionen etwas zuwider läuft.

  1. Interessant ist erstmal, dass die Werte an sich recht hoch sind. Menschen finden offenbar im Allgemeinen und Grundsätzlich alles wichtig, was (Öffentliche) Bibliotheken als Aufgaben übernehmen. (Nicht hier dargestellt, aber in den Daten zu sehen: sowohl in Deutschland als auch der Schweiz gibt es eine Anzahl von Menschen, die Parteien, PolitikerInnen und anderen Menschen nicht viel vertrauen, aber grundsätzlich ist das Vertrauen hoch, in gesellschaftliche Infrastruktureinrichtungen wie Schulen, Bibliotheken, Archive und Museen sogar sehr. Der aktuelle Populismus spiegelt sich in den Daten, aber sehr einseitig, so als würden eine ganze Anzahl Menschen einen Unterschied machen zwischen den gesellschaftlichen Institutionen im Allgemeinen, die funktionieren, und ausgewählten Bereichen, denen sie einfach nicht vertrauen wollen. Bibliotheken wird vertraut.)
  2. Interessant ist auch, dass die Reihenfolge, was als wichtig und weniger wichtig betrachtet wird, in der Schweiz und Deutschland sehr ähnlich ist. In Deutschland sind die Wertung allgemein etwas höher, aber die erst vier „Plätze“ sind trotzdem die gleichen. Auch bei den anderen Positionen gibt nur kleine Unterschiede. Schweiz und Deutschland sind zwei unterschiedliche Länder, aber in Bezug auf die Wahrnehmung der Bibliotheken nur wenig voneinander unterschieden.
  3. Wirklich interessant ist, dass Funktionen, die in der bibliothekarischen Diskussion kaum besprochen werden, von der Bevölkerung als wichtig angesehen werden und Funktionen, die Bibliotheken betonen, weil sie modern sein wollen (und das heisst heute eigentlich immer, den Wünschen der Nutzerinnen und Nutzer entsprechen) werden als nicht so wichtig angesehen. Das ist offensichtlich bei dem Item „[Die Bibliothek befördert das literarische und kulturelle Erbe.]“, dass am höchsten bewertet wurde, aber in der bibliothekarischen Diskussion eigentlich nur noch in den Einführungswerken kurz ansprochen wird. (Und vor allem stimmt das so für Öffentliche Bibliotheken, die ja nicht Bewahren, sondern den Bestand aktiv entwickeln, auch bekanntlich nicht. Aber das ist für die Befragten offenbar irrelevant.) Auch die Aufgaben, Zugang für alle zu Wissen und literarischer Erfahrung (nicht Information, dass wird weniger wichtig bewertet) zu ermöglichen oder Freizeit mit Literatur zu gestalten wird von der Bevölkerung offenbar als weit weniger wichtig angesehen, als in der bibliothekarischen Literatur. Dafür werden Aufgaben, wie die Kreativität zu fördern („[Die Bibliothek befördert Kreativität und Innovation, indem sie ihre Nutzer dazu anregt, Kreativräume, sog. Makerspaces, für individuelles oder gemeinschaftliches Arbeiten zu schaffen.]“) oder Begegnungsstätte zu sein („[Die Bibliothek erfüllt als Begegnungsstätte in einer Gemeinde / Stadtteil eine wichtige soziale Funktion.]“), deren Diskussion die Seiten bibliothekarischer Zeitschriften füllen, als nicht so wichtig angesehen.
  4. Es scheint hier einen Missverhältnis zu geben, aber nicht so, wie die Bibliotheken sich untereinander öfter gegenseitig beklagen: Nicht die Bibliothek ist unmodern und hält an überkommenden Aufgaben (so die polemischen Ausdrücke) fest und „verliehrt“ deshalb Nutzerinnen und Nutzer, sondern die „neuen Aufgaben“, die sich die Bibliothek zuschreibt sind gar nicht die, die Menschen besonders an Bibliotheken schätzen.
  5. Innerhalb des Projektes betonen die Kolleginnen und Kollegen aus den skandinavischen Staaten die Aufgabe der Bibliotheken, Orte der Demokratie zu sein (was in Norwegen sogar so im Bibliotheksgesetz steht, wortwörtlich). Für die Schweiz und Deutschland hatten wir schon anfangs die Vermutung, dass das so nicht gilt. Die Umfrage scheint das zu bestätigen: Das wird als nicht so vorrangige Aufgabe angesehen.
  6. Einzige Ausnahme (neben der Aufgabe, Ort der Demokratie zu sein), wo bibliothekarischen Diskussion und Einschätzung der Bevölkerung übereinzustimmen scheinen, ist die Unterstützung von Formellem und Informellem Lernen. Aber wohl eher (siehe die Antwort zur „Kreativität“) doch klassisch: Buch und Artikel auf dem Tisch, lesend und schreibend.

Wie gesagt: Das ist nur ein kurzer Blick auf Daten, die auch nicht perfekt erhoben wurden. Eine tiefergehende Auswertung muss noch vorgenommen werden. Aber es sind schon mal Hinweise.

Spielerische Boxen erhöhen Bibliothekserlebnis

Die Autoren haben im nur gedruckt erscheinenden SAB-Info einen Text veröffentlicht, der hiermit mit freundlicher Genehmigung der Redaktion im vollen Wortlaut veröffentlicht wird. Schuldt, Karsten; Mumenthaler, Rudolf: Spielerische Boxen erhöhen Bibliothekserlebnis. In: SAB Info 38 (2017), Heft 2, S.22-23.

Makerspaces sind ein Sammelbegriff für Angebote von bestimmten Technologien, mit denen in kleinen Projekten gemeinsam etwas produziert werden kann – auch in Bibliotheken. An der HTW Chur wurden zwei mobile Boxen entwickelt und in der Praxis getestet. Das Projekt zeigt, dass auch in kleinen und Kleinstbibliotheken ein Interesse an diesem spielerischen Angebot besteht.

Die Zahl dieser Technologien hat sich in den letzten Jahren massiv erhöht. Grundsätzlich sollen Makerspaces es ermöglichen, mit diesen Technologien umzugehen, diese zu nutzen, um unter anderem in der Zusammenarbeit mit anderen in einer offenen, fehlertoleranten Atmosphäre zu lernen. Makerspaces sind in den letzten Jahren auch als private Vereine, als Teil von Schulen und anderen Einrichtungen entstanden. Das genaue Ziel der Makerspaces ist schwierig zu eruieren, aber es ist offensichtlich, dass sie eine gewisse Begeisterung auslösen. Während die Forschung zu den tatsächlichen Effekten noch relativ am Anfang steht und eher durchwachsene Ergebnisse zeigt, untersuchte die HTW Chur in einem Projekt, ob sich an dieses Interesse auch in kleineren und kleinsten Bibliotheken anschliessen lässt.

Technologie muss einfach funktionieren

Im Rahmen eines Seminars im Jahr 2015, in dem Studierende verschiedene Maker-Technologien erprobten, zeigte sich, dass diese zwar mit ähnlichen Versprechen (einfacher, direkter Hands-on-Einstieg, pädagogischer Hintergrund, das heisst fast immer die Möglichkeit, über die einfachen Anwendungen hinaus tiefer in die Technologie einzusteigen, zum Beispiel indem sie programmiert wird, Stabilität) vertrieben werden, aber nur einige diese Versprechen erfüllen. Insbesondere ist der angeblich einfache Einstieg nicht bei allen Technologien vorhanden. Gewisse Technologien, die gern im Zusammenhang mit Makerspaces genannt werden (zum Beispiel Raspberry Pi), haben höhere Einstiegshürden. Das Seminar stand im Zusammenhang mit dem Library Lab der HTW Chur. Im hier beschriebenen Projekt wurde versucht, auf der Basis des Seminars und der wachsenden Literatur zum Thema, Makerspaces mobil und für kleine Bibliotheken nutzbar zu machen. Dies ist naheliegend: Einerseits wird dies in anderen Staaten schon getan, andererseits gibt es zum Beispiel mit den Spielmobilen auch in der Schweiz Vorbilder. Diese zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie von Personal betrieben werden. Ziel des Projekts war es, Makerspaces ohne dieses zusätzliche Personal zu gestalten. Es wurde angestrebt, Boxen mit gut funktionierender Technologie auszustatten, die direkt und ohne grössere Anleitung in einer Bibliothek für die Durchführung einer Maker-Veranstaltung genutzt werden können. Dazu wurden, wieder auf der Basis der schon vorliegenden Erfahrungen, Kriterien erarbeitet: Die Technologien mussten schon eingeführt sein, damit bei Problemen durch einfaches Suchen Hinweise gefunden werden können, wie diese zu lösen sind und damit schon gute Erfahrungen aus anderen Bibliotheken vorliegen. Sie mussten sofort einzusetzen sein, aber gleichzeitig immer auch ein tieferes Eintauchen in die Technologie ermöglichen. Sie mussten stabil und leistungsfähig sowie preislich tragbar sein. Es wurden drei Boxen entworfen und ‒ aufgrund begrenzter Mittel ‒ zwei umgesetzt. Keine der Boxen kostete mehr als 5000 Franken.

Die Boxen wurden verschiedenen Bibliotheken zur Verfügung gestellt, unter anderem in Wettswil ZH. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Die Boxen wurden verschiedenen Bibliotheken zur Verfügung gestellt, unter anderem in Wettswil ZH. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Roboter und 3D-Drucker

Durch den Kriterienraster fiel eine ganze Anzahl von Technologien, die in der Literatur als Teil von Makerspaces genannt wird. In institutionalisierten Makerspaces kann das Personal zusätzlich notwendiges Wissen erwerben. Bei mobilen Boxen für kleinere Bibliotheken ‒ mit beschränktem Platz, engagiertem, aber zeitlich eng eingebundenen Personal ‒ ist das nicht vorauszusetzen. Die erste Box enthielt einen Sphero 2.0 (eine Roboterkugel, die sich steuern und programmieren lässt), Ozobots (kleine Roboter, die auf unterschiedlich farbige Striche auf Papier reagieren und zum Tanzen programmiert werden können), Cubelets und MOSS (zwei Robotiksätze, bei denen aus verschiedenen Bausteinen, die magnetisch verbunden werden, Roboter gebaut und ebenso programmiert werden können), MakeyMakey (ein Bausatz, mit dem sich alle leitfähigen Gegenstände in Computertasten verwandeln lassen) und LittleBits (ebenfalls durch Magnete zusammengehaltene Elektrobausteine). Die zweite Box enthielt einen mobilen 3D-Drucker, einen Cutter, der gleichzeitig scannen kann, zwei Sets an Lego Mindstorms (programmier- und steuerbare Roboter) und wieder LittleBits. Für die meisten dieser Produkte gibt es auch Alternativen. Sie wurden nach Preis und Erfahrungen in anderen Bibliotheken ausgesucht. Für jede Technologie wurde eine kurze Anleitung erstellt, die immer darauf verwies, dass es wichtig ist, die Technologie selber in die Hand zu nehmen und auszuprobieren.

 

Veranstaltungen in Bibliotheken

Teil des Projektes war es, diese Boxen realen Bibliotheken in der Schweiz zur Verfügung zu stellen und zu eruieren, was diese damit tun. Dafür konnten sehr schnell vier Bibliotheken (Wettingen AG), Wettswil ZH, Uitikon ZH und Möhlin AG) gewonnen werden. In allen führten die Kolleginnen erfolgreiche Veranstaltungen durch ‒ zum Teil in den Bibliotheskräumen, zum Teil im Rahmen von lokalen Veranstaltungen ‒, bei denen sie den Nutzerinnen und Nutzern die Technologien zur Verfügung stellten. In kurzer Zeit (jeweils rund eine Woche) hatten sie sich die Technologie soweit angeeignet, dass sie diese bedienen, erklären und auf Probleme reagieren konnten. In drei Bibliotheken wurde jede Technologie von je einer Person (zum Teil von Familienmitgliedern) betreut, in einer Bibliothek war die Betreuung weniger direkt. Grundsätzlich war das Interesse bei den meisten Nutzerinnen und Nutzern gross. Zum Teil kamen Personen extra, um die Technologien zu sehen oder auszuprobieren. Es fanden sich auch immer wieder Personen, die ausdauernd mit ihnen arbeiteten. Grundsätzlich herrschte eine spielerische und fröhliche Atmosphäre. Tendenziell wurden männliche Besucher besonders angesprochen, die sonst nicht zu intensiven Nutzern dieser Bibliothek gehören. Im Anschluss waren die Bibliotheken zufrieden und sahen ihr Selbstverständnis als innovative Einrichtung in der Öffentlichkeit bestätigt. Es gab kleinere Anmerkungen zur Verbesserung, aber immer ein grundsätzliches Interesse, in Zukunft ähnliche Veranstaltungen durchzuführen.

Mit den Materialien aus den Boxen lassen sich zum Beispiel Roboter bauen. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Mit den Materialien aus den Boxen lassen sich zum Beispiel Roboter bauen. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Wer übernimmt es?

Das Projekt hat gezeigt, dass es a) grundsätzlich möglich ist, mobile Makerspaces zu erstellen und dass diese in den Bibliotheken auch gezielt genutzt werden können, dass es b) Technologien gibt, welche die härteren Kriterien, die im Projekt angelegt wurden, erfüllen und dass c) sich die Kosten für solche Veranstaltungen in Grenzen halten. Es wurde eine Handreichung erstellt, die es bibliothekarischen Institutionen oder Vereinen ermöglicht, solche Boxen selber zu erstellen und zu vertreiben. Denkbar wäre es, dass kantonale Fachstellen diese Aufgabe übernehmen. Auch wäre es möglich, dass Bibliotheken sich zusammentun, um den Aufwand und die Kosten zu tragen. Das Projekt hat zwar grundsätzlich gezeigt, dass Bibliotheken im lokalen Rahmen mit solchen Boxen Veranstaltungen organisieren und durchführen können, die Nutzerinnen und Nutzer interessieren. Es bleiben aber viele Fragen offen. Beispielsweise ist nicht klar, ob Veranstaltungen mit mehreren Terminen ebenfalls erfolgreich durchgeführt werden können. Grundsätzlich ist nicht klar, wie sehr die Versprechen, die im Zusammenhang mit Makerspaces gemacht werden, langfristig erfüllt werden. Der Makerspace an sich ist kein neues Thema mehr, auch nicht in der Bibliothek. Es gilt, sich sowohl in der Praxis als auch der Forschung nicht mehr zu fragen, ob sie funktionieren, sondern sie konkret umzusetzen und ihre Wirkung zu untersuchen.

 

Karsten Schuldt und Rudolf Mumenthaler, HTW Chur

 

 

Bericht AISOOP zur Analyse von Online-Plattformen

Die HTW Chur hat von swissuniversities im Rahmen des Programms „Wissenschaftliche Information: Zugang, Verarbeitung und Speicherung“ das Mandat erhalten, die Online-Plattformen für digitale Inhalte von Schweizer Bibliotheken zu analysieren und Empfehlungen zu deren Weiterentwicklung abzugeben. Das Projekt unter dem Titel „AISOOP: Analyse der Informationsarchitektur, Schnittstellen und Organisation der Online-Plattformen“ untersuchte den IST-Zustand der bestehenden Plattformen und formulierte anschliessend Empfehlungen für deren Weiterentwicklung.

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Makerspaces für kleinere und kleinste Bibliotheken. Bericht und Materialien zum Projekt LL.gomo

1. Projektbeschrieb

Makerspaces ‒ also Räume und Angebote, die zumeist auf der Basis aktueller, pädagogisch ausgerichteter und kleiner Technologien, die darauf ausgerichtet sind, Dinge eigenständig zu “machen” (d.h. herzustellen) und Communities zu bilden ‒ sind in den letzten fünf Jahren zu einem etablierten Thema im Bibliothekswesen geworden. Stand in den ersten Diskussion noch zur Debatte, ob Bibliotheken der richtige Ort für solche Einrichtungen seien (auch, da es ähnliche Angebote, z.B. als Vereine oder in Schulen gibt), ist dies heute im Bibliotheksbereich einigermassen unbestritten. Auch, wenn die Entwicklung in anderen Sprachräumen anders verlief, gelten Makerspaces in der Schweiz (und Deutschland und Frankreich) als eine mögliche Ergänzung der bibliothekarischen Angebote. Nicht jede Bibliothek wird sie einrichten, auch sind die Erfahrungen durchwachsen (viele Makerspaces funktionieren eher “stossweise” bei Veranstaltungen, die von den Bibliotheken organisiert werden, nicht als Community-bildend), aber auch nicht negativ.
An der HTW gab es schon einige Abschlussarbeiten, ein Seminar und andere Beiträge zu Makerspaces in Bibliotheken. Das Thema ist interessant, da z.B. klar ist, dass sich viele Versprechen die von den Herstellern der Techniken gemacht werden, nicht erfüllen; dass sich immer wieder die Frage stellt, wer wirklich mit solchen Makerspaces erreicht wird (z.B.: Kommen in die Bibliotheken andere Menschen als in Hackerspaces oder FabLabs?); dass nicht klar ist, welche Ziele die Bibliotheken genau mit den Makerspaces verfolgen, auch wenn sie diesen aufgeschlossen gegenüberstehen. Das Projekt LLgomo (Library Lab goes mobile) schloss an die schon gemachten Forschungen an, konzentrierte sich aber auf eine andere Frage.
LLgomo  versuchte, die Möglichkeiten von Makerspaces für Bibliotheken in kleineren Gemeinden zu eruieren. Obwohl die Technik, die in Makerspaces verwendet wird, nicht übermässig teuer ist, scheuen diese Bibliotheken oft die Kosten, teilweise auch den Aufwand (der bei meist sehr geringen Stellenprozenten neben der restlichen Arbeit zu leisten wäre) für die feste Etablierung solcher Einrichtungen. Im Anschluss an Vorbilder aus anderen Staaten (Niederlande, Kanada, USA; Moorefield-Lang 2015, Gierdowski & Reis 2015, Craddock 2015, de Boer 2015, Willingham & de Boer 2015) untersuchte das Projekt, ob und wie es möglich wäre, Makerspaces so mobil zu machen, dass sie in kleineren Bibliotheken genutzt werden können.
Dafür wurde die Zusammenarbeit mit kantonalen Fachstellen für Bibliotheken angestrebt. Grundsätzlich zeigt das Projekt anhand von Prototypen, wie Makerspaces, unter den spezifischen Voraussetzungen des ländlichen Raumes in der Schweiz, mobil gemacht werden können. Eine Nachnutzung durch kantonale Fachstellen oder grössere Bibliothekssysteme mit Filialen ist möglich.

3D-Drucker in der Bibliothek Möhlin (Bild: Karsten Schuldt)

3D-Drucker in der Bibliothek Möhlin (Bild: Karsten Schuldt)

2. Projektverlauf

Grundsätzlich folgte das Projekt dem Projektplan und erreichte sein Projektziel. Es wurden drei Boxen als Prototypen erstellt und, in Zusammenarbeit mit zwei kantonalen Fachstellen, zwei davon in jeweils zwei kleineren Bibliotheken in der Schweiz erfolgreich getestet. (Wettingen (AG), Wettswil (ZH), Uitikon (ZH), Möhlin (AG)) Zeitverschiebungen ergaben sich aus Problemen bei Terminabsprachen, konnten aber gut aufgefangen werden.
Im ersten Schritt wurde die ‒ erstaunlich viele ‒ Literatur zu Makerspaces in Bibliotheken gesichtet. Dabei zeigte sich, dass

  1. der Grossteil dieser Literatur sich mit den konkreten Umsetzungen in Bibliotheken, bis hinunter auf die Ebene einzelner Technologien, beschäftigt
  2. ein kleiner Teil sich auch mit Zielen und Möglichkeiten der Makerspaces in Bibliotheken beschäftigt, wobei diese insgesamt sehr nebulös bleiben, z.B. von “innovativen Lernmethoden” sprechen, aber nicht konkretisieren, was diese von anderen anwendungsbezogenen Lernmethoden unterscheidet
  3. ein grosser Teil der Literatur, die konkrete Aussagen über die Ziele der Makerspaces macht, sich auf Schulbibliotheken in den USA und Kanada bezieht, damit aber auch auf Gegebenheiten (Einbindung in die jeweilige Schule, grundsätzliche Orientierung auf eine Bildungsmission, feste Orte für Makerspaces) bezog, die in den kleineren Bibliotheken der Schweiz so nicht vorliegen
  4. die Erfahrungen aus den Bibliotheken grundsätzlich positiv sind, wenn auch immer wieder Abstriche bei der konkreten Umsetzung (z.B. Technik, die entgegen der Erwartungen die Nutzerinnen und Nutzer doch nicht anspricht, Probleme bei der Motivation für langfristige Projekte, das Nicht-Entstehen von Communities) gemacht wurden. Die Nutzenden scheinen Makerspaces grundsätzlich gut zu finden und zumindest zu Beginn auch auszuprobieren; die Kolleginnen und Kollegen in den betreffenden Bibliotheken sind durch Makerspaces in ihrer weiteren Arbeit motiviert
  5. es genügend Beispiele für Bibliotheken in kleineren Gemeinden gibt, die auch erfolgreich Makerspaces durchgeführt haben
  6. die bibliothekarische Literatur zwar ungefähre Verweise auf Literatur zu Makerspaces ausserhalb der Bibliotheken macht, aber deren Aussagen und Vorhersagen nicht wirklich wahrnimmt. So wird kaum über Erfahrungen aus anderen Makerspaces oder den grossen Versprechen (Anderson 2012, Libow Martinez & Stager 2013; Schwerpunkt der New Media & Society 18 (2016) 4), die sich zum Teil mit diesen verbinden, nachgedacht; die wenige Literatur, die darüber hinausgeht (Bilandzic & Foth 2013, Bilandzic & Johnson 2013), wird kaum beachtet.

Auf dieser Basis war es schwer zu klären, was ‒ über den Effekt des “Neuen” und “Spass” hinaus ‒ das Ziel von Makerspaces in Bibliotheken sein könnte. (Dies bestätigte sich auch in einer Bachelorarbeit, die u.a. feststellte, dass Bibliotheken in der Schweiz Makerspaces einrichten, zu diesen aber keine Zielvorstellungen formulieren können. (Hanselmann 2016)) Organisationssoziologisch ist dieser Befund interessant, für das Projekt bedeutete er aber, dass die “Mobilen Makerspaces” nicht auf klaren Zielsetzungen aufgebaut werden konnten.

Die Veranstaltung in Uitikon, auf der Herbstmesse (Bild: Karsten Schuldt)

Die Veranstaltung in Uitikon, auf der Herbstmesse (Bild: Karsten Schuldt)

Stattdessen wurde auf die Erfahrungen aus einem Seminar an der HTW im Jahr 2015 zurückgegriffen, dass feststellte, dass jede Technologie, die als “Makerspace-Technologie” auftritt, auf ihre Verwendbarkeit in der Bibliothek getestet werden muss. So gibt es z.B. als “Lerncomputer” bezeichnete Hardware (z.B. Raspberry Pi), die den Anspruch hat, möglichst einfach zu sein, aber nach den Erfahrungen der Studierenden im Seminar zu kompliziert ist, um ohne Vorkenntnisse in Bibliotheken eingesetzt werden zu können. Ebenso wurde auf die in der Literatur niedergelegte Erfahrung aus den Bibliotheken über einzelne Techniken zurückgegriffen.

Es wurden drei Boxen entworfen, die jeweils höchsten 5000 CHF in der Anschaffung kosten sollten. Zwei davon wurden direkt umgesetzt, eine soll später mit Drittmitteln realisiert werden. Über den Sommer 2016 wurde die Technik ausgewählt, erworben und ausprobiert. Kriterien waren (a) möglichst einfach zu nutzen, (b) zuverlässig, stabil und möglichst fehlertolerant, (c) eingeführt, d.h. leicht nachkaufbar, (d) positive Erfahrungen aus anderen Bibliotheken. Während dieser Recherchen mussten viele Technologien, die im Zusammenhang mit Makerspaces oft erwähnt werden, als unpassend verworfen werden. Beispielsweise stellte sich heraus, dass Drohnen nur kurze Flugzeiten von einigen Minuten haben, dann aber über einen weit längeren Zeitraum wieder aufgeladen werden müssen. Dies ist für eintägige Veranstaltungen unzumutbar. Jede der Boxen hatte einen eigenen Fokus.

MOOS in der Bibliothek Wettswil, während des Adventsmarkts (Bild: Rudolf Mumenthaler)

MOOS in der Bibliothek Wettswil, während des Adventsmarkts (Bild: Rudolf Mumenthaler)

Die Boxen enthalten neben der Technik selber sogenannte Handbücher, die sehr kurz die notwendigen Schritte beschreiben, um die Techniken zu nutzen. Dabei wurde darauf geachtet, möglichst wenig vorzugeben und über die Texte eher Mut zum Ausprobieren zu machen. Die meiste Technik lässt sich z.B. bei Fehlern mit “Ausschalten / wieder Einschalten” beherrschen. Es ging eher darum, klarzumachen, dass Ausprobieren erwünscht ist.

Box 1: Spiel und Spass mit Technik Box 2: Filmen Box 3: moderner Bastelkeller
enthält:

  • Ozobot
  • Sphero 2.0
  • MakeyMakey
  • LittleBits
  • Cubelets
  • MOSS
Enthält:

  • Kameras
  • Licht
  • Mikrophone
  • Kameradrohne (DJI Mavic Pro)
  • Rechner
Enthält:

  • Makerbot 2 go
  • Brother Scan N Cut
  • Lego Mindstorm
  • LittleBits
Für eintägige Veranstaltungen Für modulare Veranstaltungen (mehrere Termine, die gemeinsam absolviert werden müssen) Für eintägige Veranstaltungen

Im Oktober bis Dezember 2016 wurden die Boxen, in Absprache mit den kantonalen Fachstellen für Öffentliche Bibliotheken im Aargau und in Zürich in vier kleinen Bibliotheken in jeweils einer eintägigen Veranstaltung erprobt. Die Mitarbeitenden erhielten nach den Terminabsprachen die Handbücher der Boxen sowie jeweils rund eine Woche zuvor die Boxen selber. Am Tag der jeweiligen Veranstaltung wurde diese vom Projektteam beobachtet, im Anschluss (entweder direkt nach der Veranstaltung oder in der darauffolgenden Woche) wurde mit dem Bibliothekspersonal über deren Erfahrungen mit den Boxen geredet.

  1. Bibliothek Wettingen (AG) (Box 1)
  2. Bibliothek Uitikon (ZH) (Box 3)
  3. Bibliothek Wettswil (ZH) (Box 1)
  4. Gemeindebibliothek Möhlin (AG) (Box 3)

Auf der Basis dieser Tests wurden die Boxen und insbesondere die Handbücher überarbeitet.

LittleBits und MakeyMakey in der Gemeindebibliothek Wettingen (Bild: Karsten Schuldt)

LittleBits und MakeyMakey in der Gemeindebibliothek Wettingen (Bild: Karsten Schuldt)

3. Projektergebnisse

Die Boxen haben sich im Grossen und Ganzen bewährt, der Ansatz lässt sich auf weitere Technologien und Boxen übertragen.

Als Ergebnisse liegen vor:

  1. Listen der Technologien und Materialien in den Boxen, mit allen Kosten (kurzfristig und langfristig, d.h. auch mit Verbrauchsmaterialien und Kosten bei der Verschickung). Kantonale Fachstellen, grössere Bibliothekssysteme mit Filialen oder andere können diese nun selbstständig umsetzen und betreiben.
  2. Handbücher für die getesteten Technologie sowie eine Vorlage für neue Handbücher.
  3. Erfahrungsberichte aus den Bibliotheken, die mit den Boxen arbeiteten.
Werbung für die Veranstaltung in der Bibliothek Wettswil (Bild: Rudolf Mumenthaler)

Werbung für die Veranstaltung in der Bibliothek Wettswil (Bild: Rudolf Mumenthaler)

Materialien

Handreichung

Handreichung LL.gomo für kantonale Fachstellen u.ä.

Handbücher

Handbuch Boxen
Handbuch Cubelets
Handbuch LittleBits
Handbuch MakeyMakey
Handbuch Moss
Handbuch Ozobot
Handbuch Sphero 2.0
Handbuch Lego Mindstorms
Handbuch Scan’n’Cut CM700
Handbuch Ultimaker2go

Berichte über Veranstaltungen

Bericht Wettingen (02.11.2016)
Bericht Uitikon (12.11.2016)
Bericht Wettswil (27.11.2016)
Bericht Möhlin (13.12.2016)

Publikationen

Mumenthaler, Rudolf ; Schuldt, Karsten: Makerspace auch für kleinere Bibliotheken. In: SAB-Info / Info-CLP [Im Erscheinen]
Schuldt, Karsten: Anleitung und Vorschläge für Makerspaces in Bibliotheken: Sammelrezension. In: RESSI Bd. 17 (2016), http://www.ressi.ch/num17/article_133
Schuldt, Karsten: Die Makerspaces und die Bibliotheken: Über Missverständnisse und übertriebene Hoffnungen sowie einen Vorschlag zur Neuinterpretation, Blogbeitrag, 2016, https://bildungundgutesleben.wordpress.com/

Literatur

Anderson, Chris: Makers: The New Industrial Revolution. New York : Crown Publishing, 2012
Bilandzic, Mark: Connected learning in the library as a product of hacking, making, social diversity and messiness. In: Interactive Learning Environments Bd. 24 (2016), Nr. 1, S. 158–177
Bilandzic, Mark ; Foth, Marcus: Libraries as coworking spaces: Understanding user motivations and perceived barriers to social learning. In: Library Hi Tech Bd. 31 (2013), Nr. 2, S. 254–273
Bilandzic, Mark ; Johnson, Daniel: Hybrid placemaking in the library: desinging digital technology to enhance users’ on-site experience. In: The Australian Library Journal Bd. 62 (2013), Nr. 4, S. 258–271
Craddock, IdaMae Loiuse: Makers on the move: a mobile makerspace at a comprehensive public high school. In: Library Hi Tech Bd. 33 (2015), Nr. 4, S. 497–504
de Boer, Jeroen: The business case of FryskLab, Europe’s first mobile library FabLab. In: Library Hi Tech Bd. 33 (2015), Nr. 4, S. 505–518
Gierdowski, Dana ; Reis, Daniel: The MobileMaker: an experiment with a Mobile Makerspace. In: Library Hi Tech Bd. 33 (2015), Nr. 4, S. 480–496
Hanselmann, Marcel: Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken: Eine Untersuchung der didaktischen Ziele und eine Evaluation der Technologie littleBits. Chur, HTW Chur, Bachelorarbeit, 2016
Libow Martinez, Sylvia ; Stager, Gary: Invent To Learn: Making, Tinkering, and Engineering in the Classroom. Torrance : Constructing Modern Knowledge Press, 2013
Moorefield-Lang, Heather: When makerspaces go mobile: case studies of transportable maker locations. In: Library Hi Tech Bd. 33 (2015), Nr. 4, S. 462–471
New Media & Society 18 (2016) 4
Willingham, Theresa ; de Boer, Jeroen: Makerspaces in Libraries, Library Technology Essentials. Lanham ; Boulder ; New York ; London : Rowman & Littlefield, 2015

iBeacons für ortsbezogene Information

Im Rahmen des LibraryLab haben wir eine konkrete Anwendung für ortsbezogene Information als Proof of Concept umgesetzt. Die Frage war, wie man ortssensitiv differenzierte Information auf mobile Geräte vermitteln kann. Im Rahmen des Projektkurses im LibraryLab hatten sich Studierende im letzten Jahr mit dem Thema beschäftigt und ein Anwendungsszenario für iBeacons durchgespielt. Sie verwendeten die Plattform und App Locly, um von einem Beacon Information auf ein Handy zu spielen. Konkret wurde eine Buchempfehlung mit einem Link in das elektronische Angebot der Onleihe aufs Smartphone geladen. Weiterlesen

Library Lab going mobile

„Machen geht über Studieren“ – nach diesem Motto funktionieren Makerspaces. Die Idee dahinter ist so simpel wie einleuchtend: Einer breiten Öffentlichkeit werden Technologien zum Selber-Bauen zur Verfügung gestellt, die zum Ausprobieren von neuen Technologien einladen. Besonders Öffentliche Bibliotheken (z.B. Winterthur, Köln, Stuttgart) initiierten in den letzten Jahren solche Makerspaces und schufen damit für ihre Nutzerinnen und Nutzer neue Möglichkeiten zum Lernen, Ausprobieren und sozialen Interagieren (Schuldt 2015, Willingham & de Boer 2015).

Lernen durch Tun in kleinen Bibliotheken – ein Ding der (Un)Möglichkeit?

Welche Technologien sich für Makerspaces eignen, wurde in einem Projektkurs an der HTW Chur untersucht (Mumenthaler 2016). Es zeigte sich, dass für den Einsatz solcher Technologien ein gewisses technisches Verständnis vorhanden sein muss. Das vorausgesetzte Wissen ist nicht unmöglich hoch, aber gerade in kleineren Bibliotheken – die sich mit knappen Personal- und Zeitressourcen schon um viele andere Themen kümmern – kaum vorhanden. Hinzu kommt, dass in kleineren Bibliotheken in kleineren Gemeinden neben dem Know-how häufig auch Platz und Finanzen fehlen, um Makerspaces einzurichten. Gleichwohl würde sich anbieten, Veranstaltungen zu Makerspaces auch in solchen kleineren Bibliotheken durchzuführen.

Mobile Makerspaces – ein einmaliges Projekt

Hier setzt das Projekt „Library Lab going mobile“ an. Es strebt an, die Technologien für einen Makerspace soweit zu reduzieren und zu organisieren bzw. dokumentieren, dass er „mobil“ werden kann. Diese Mobilität wird es ermöglichen, Makerspaces auch in kleinen Bibliotheken anzubieten.

Angestrebt wird, einen Satz von Maker-Technologien und Beschreibungen zur Nutzung dieser Technologien so zusammenzustellen, dass sie zusammen gepackt verschickt werden und dann ohne weitere Begleitung in den kleineren Bibliotheken genutzt werden können. Dabei wird ebenfalls auf den erfolgreichen Projektkurs zurückgegriffen, in dem die Studierenden für jede Technologie Anwendungsfälle beschrieben haben.

Der mobile Makerspace wird durch die Zusammenarbeit mit kantonalen Fachstellen direkt den kleineren Öffentlichen Bibliotheken zu Gute kommen. Im Rahmen des Projektes wird ein Prototyp erstellt, der dann auch für andere Kantone reproduziert (und gegebenenfalls durch die HTW Chur angepasst) werden kann.

Von Good Practice Beispielen lernen

Im deutschsprachigen Bereich ist bislang noch nicht von mobilen Makerspaces die Rede, obwohl Beispiele aus dem Ausland (USA, GB, NL, SWE u.a. zit in. Craddock 2015, de Boer 2015, Goerdowski & Reis 2015, Moorefield-Lang 2015) zeigen, dass diese möglich und sinnvoll sind. Die HTW wird mit dem Projekt die erste sein, die solche Mobilität vorschlägt und umsetzbar macht. Der im Projekt entworfene mobile Makerspace soll auf die spezifischen Anforderungen in der Schweiz reagieren.

Vom Ausprobieren und Evaluieren bis zum ersten Prototypen

Auch einige Mitarbeitende am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft hat das Makerspace-Fieber gepackt. So wurden in den Pausen fleissig neue Technologien ausprobiert. Einen kleinen Einblick geben die Bildergalerie oben sowie die nachfolgenden Videos.

Für weitere Auskünfte zum Projekt steht Dr. Karsten Schuldt gerne zur Verfügung.

karsten.schuldt@htwchur.ch

 

Literaturverzeichnis

Craddock, IdaMae Louise (2015). Makers on the move: a mobile makerspace at a comprehensive public high school. In: Library Hi-Tech 33 (2015) 4, 497-504

de Boer, Jeroen (2015). The business case of FryskLab, Europe’s first mobile library FabLab. In: Library Hi-Tech 33 (2015) 4, 505-518

Gierdowski, Dana ; Reis, Daniel (2015). The MobileMaker: an experiment with a Mobile Makerspace. In: Library Hi-Tech 33 (2015) 4, 480-496

Moorefield-Lang, Heather Michele (2015). When makerspaces go mobile: case studies of transportable maker locations. In: Library Hi-Tech 33 (2015) 4, 462-471

Mumenthaler, Rudolf (2016). Learning by Making – und es funktioniert!. In: Infowiss Chur, 16.01.2016, blog.informationswissenschaft.ch/learning-by-making-und-es-funktioniert/

Schuldt, Karsten (2015). Makerspace oder nicht – eine Frage der Community: Neue Aufgaben für Fördervereine. In: Hauke, Petra (Hrsg.) / Freundeskreise und Fördervereine: Best Practice in Öffentliche Bibliotheken. Berlin ; Boston: Walter de Gruyter, 2015, S. 49-56

Willingham, Theresa ; de Boer, Jeroen (2015). Makerspaces in Libraries (Library Technology Essentials, 4). Lanham u.a.: Rowman & Littlefield, 2015

Ist das eine Raumstation oder ein Digitalisierungslabor?

Hi8, DVCAM oder VHS. Für viele Teilnehmer aus dem Projektkurs Digilab+ des Frühjahrssemesters 2016 sind diese Begriffe mit schwammigen Erinnerungen an die Kindheit verbunden. Sei es in Bezug auf wackligen Aufnahmen aus den Ferien, den ersten Gehversuchen oder Zeichentrickfilmen eines US-Amerikanischen Grosskonzerns. Im Jahr 2015 wurde die Produktion von VHS-Kassetten endgültig eingestellt. Aus informationswissenschaftlicher Sicht stellt sich nun natürlich die Frage, wie sich ein obsoletes Format wie eben jene Videokassetten in ein langzeittaugliches Format speichern lassen. Bis Ende Mai galt es eine Arbeitsstation zur Digitalisierung von VHS-Kassetten aufzubauen. Im Aufbau der Arbeitsstation trafen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite Hochleistungscomputer, welche in der Lage sein müssen, den eintreffenden Bit-Strom überhaupt verarbeiten zu können. Auf der anderen Seite ein Ungetüm von altertümlichen Abspielgeräten und eines Monitors, welche ihre besten Zeiten Ende der 70er Jahre hinter sich gelassen hatten. Die Projekteilnehmer fühlten sich teilweise mehr im Mission Control Center der Apollo Missionen, als in einem Digitalisierungslabor. Während dreizehn Wochen wurde geschraubt, gelötet, programmiert und digitalisiert. Ganz nebenbei wurde im Kurs auch der cineastische Horizont der Teilnehmer erweitert. So mussten als Testkassetten Tim und Struppi, Titanic und ein obskurer Werbefilm für ein Skigebiet herhalten. Am 30. Mai war zum einen die Arbeitsstation funktionsfähig installiert und zum anderen die Projektteilnehmer um wertvolle Erfahrungen für das spätere Berufsleben reicher.

Autor: Marco Humbel

Für Fragen zum Projekt und zum Digilab steht Dr. Michel Pfeiffer gerne zur Verfügung:
michel.pfeiffer@htwchur.ch

Learning by Making – und es funktioniert!

Die Idee bei einem Makerspace besteht darin, dass man über das Experimentieren und Probieren, über das Machen und Gestalten neues Wissen erwerben oder generieren kann. Es ist keine neue Erkenntnis, dass wir durch körperliche Aktivitäten und aktive Problemlösung mehr und besser lernen als durch passives Zuhören, Zusehen oder Lesen. Dieses Konzept bildet auch die didaktische Grundlage fürs LibraryLab an der HTW Chur: Studierende sollen kreative Problemlösungen finden und Prototypen umsetzen – und dadurch sich mit neuen Technologien vertraut machen.

Im Projektkurs LibraryLab im Herbstsemester 2015 hat eine Gruppe von 28 Studierenden auf eindrückliche Weise gezeigt, dass dieses Prinzip funktioniert. Die Aufgabe im Kurs bestand darin, eine ausgewählte Technologie auf ihren Einsatz in einem Makerspace oder allgemein in einer Bibliothek zu evaluieren und Vorschläge für Workshops mit geeigneten Zielgruppen auszuarbeiten. Am 13. Januar wurden nun die Ergebnisse im neuen (und noch nicht ganz fertigen) Service Innovation Lab (SIL) der HTW Chur präsentiert. Ich kann im Namen der Dozierenden und der externen BesucherInnen sagen, dass das Gezeigte begeisterte. Präsentiert wurden folgende Anwendungen:

  • Google Cardboards: selbst herstellen, eigene Visualisierungen mit Hilfe bestehender Apps erstellen und mögliche Anwendung in einem Museumskoffer
  • MakeyMakey: Reaktionstests zum Erklären menschlicher Wahrnehmung und Entwicklung eines Braille-Boards mit Übung zum Erlernen der Braille-Schrift
  • RaspberryPi: als Prototyp entwickelt wurden ein One-Button-Audiobook-Player, ein einfaches Radio sowie ein Fotoautomat, der eine „personalisierte“ (eigentlich zufällige) Buchempfehlung ausdruckt
  • Touchboard und Conductive Ink: realisiert wurde ein multimediales Buch, in dem die Geschichte von Grabowski dem Maulwurf mit berührungssensitiven Zeichnungen und mit Tönen umgesetzt wurde
  • PirateBox: umgesetzt wurde eine Anwendung für Einführungsveranstaltungen in Bibliotheken
  • iBeacons: der Einsatz zur Vermittlung ortsgebundener Information (Buchempfehlung) und zur Lokalisierung von Standorten in Bibliotheken wurde evaluiert
  • NFC und QR-Codes: die Dozierenden zeigten, dass QR-Codes und NFC interaktive Anwendungen ermöglichen

Die Ergebnisse werden nun noch verschriftlicht und dann in geeigneter Form veröffentlicht. Wir haben vor, eine Webseite zum LibraryLab zu erstellen, auf der wir dann die Konzepte und Anleitungen veröffentlichen können. Für weitere Auskünfte zum LibraryLab steht Prof. Dr. Rudolf Mumenthaler gerne zur Verfügung.

LibraryLab at HTW Chur

deutsche Version

In the fall semester 2015 preparations start for the LibraryLab at HTW Chur. The basic idea of ​​the Lab is to create a makerspace, in which new technologies and their implementation in libraries can be tested. Students will thus have the opportunity to acquire new knowledge through experimentation, creating and „making“. At the same time they also get to know the concept of a makerspace so they are able to implement this later in libraries.

The LibraryLab Lab is integrated in the Service & Innovation Lab that will be located in the main building of HTW Chur. This creates the possibility to experiment in a flexible setting with new technologies and to test their use in courses or as a service to external partners.

In a project course during fall semester different technologies are evaluated by students. They will develop scenarios for the application of these technologies in the LibraryLab. As a result, different modules should be available with different technologies, which are then available in the LibraryLab in teaching, research and as services.

An important principle is the interdisciplinary approach: as in a Makerspace it is necessary to cooperate with specialists from various fields. HTW Chur is ideally situated for this, as there are specialists in information and communication technology (ICT), multimedia (MMP), architecture with 3D visualization, web technologies and digital services.

By the LibraryLab we want to adapt various current developments and enable our graduates to fulfill their intended role of innovation promoters at their future workplace. They should be familiar with new technologies and they should know how to use them in libraries and understand the concept of a makerspace – a topic that is mentioned as an important technology for libraries in the near future in the Horizon Report 2015 Library Edition.

Contact: Prof. Dr. Rudolf Mumenthaler

 

Das LibraryLab an der HTW Chur

Im Herbstsemester 2015 starten die Vorbereitungen für das LibraryLab an der HTW Chur. Die Grundidee des Labs besteht darin, dass in einer Art Makerspace neue Technologien ausprobiert und ihre Anwendung in Bibliotheken erprobt werden können. Studierende werden so die Möglichkeit haben, durch Experimentieren, Bauen und „Machen“ neues Wissen anzueignen. Gleichzeitig lernen sie auch das Konzept eines Makerspace kennen und können dies später in Bibliotheken umsetzen.

Das LibraryLab wird in das geplante Service & Innovation Lab im Hauptgebäude der HTW Chur integriert. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, in Aus- und Weiterbildung oder auch als Dienstleistung für externe Partner in einem flexiblen Setting mit neuen Technologien zu experimentieren und ihren Einsatz in neuen Dienstleistungen zu erproben.

Im Herbstsemester werden in einem Projektkurs verschiedene Technologien evaluiert und für diese Einsatzszenarien im LibraryLab entwickelt. Als Ergebnis sollen verschiedene Module mit unterschiedlichen Technologien bereitstehen, die dann im LibraryLab in Lehre, Forschung und Dienstleistungen zur Verfügung stehen.

Ein wichtiger Grundsatz ist der interdisziplinäre Ansatz: wie in einem Makerspace ist es notwendig, mit SpezialistInnen aus verschiedenen Fachbereichen zusammenzuarbeiten. Wir sind an der HTW Chur bestens dafür aufgestellt, da wir hier unter anderem über SpezialistInnen für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Multimedia (MMP), Architektur mit 3D-Visualisierung, Webtechnologien und digitale Services verfügen.

Mit dem LibraryLab wollen wir verschiedene aktuelle Entwicklungen aufnehmen und unsere AbsolventInnen befähigen, an ihrem künftigen Arbeitsplatz die ihnen zugedachte Rolle von Innovationspromotoren zu erfüllen. Sie kennen sich mit neuen Technologien aus und wissen, wie man diese in Bibliotheken einsetzen kann – und sie kennen das Konzept eines Makerspace. Ein Thema, das im Horizon Report 2015 Library Edition als wichtige Technologie in naher Zukunft genannt wird, auch für Wissenschaftliche Bibliotheken.

Das LibraryLab kommt!

Die Schulleitung der HTW Chur hat grünes Licht gegeben für die Einrichtung eines LibraryLabs! Die Grundidee des Labs besteht darin, dass in einer Art Makerspace neue Technologien ausprobiert und ihre Anwendung in Bibliotheken erprobt werden können. Studierende werden so die Möglichkeit haben, durch Experimentieren, Bauen und „Machen“ neues Wissen anzueignen. Gleichzeitig lernen sie auch das Konzept eines Makerspace kennen und können dies später in Bibliotheken umsetzen. Weiterlesen

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