Im Rahmen des LibraryLab haben wir eine konkrete Anwendung für ortsbezogene Information als Proof of Concept umgesetzt. Die Frage war, wie man ortssensitiv differenzierte Information auf mobile Geräte vermitteln kann. Im Rahmen des Projektkurses im LibraryLab hatten sich Studierende im letzten Jahr mit dem Thema beschäftigt und ein Anwendungsszenario für iBeacons durchgespielt. Sie verwendeten die Plattform und App Locly, um von einem Beacon Information auf ein Handy zu spielen. Konkret wurde eine Buchempfehlung mit einem Link in das elektronische Angebot der Onleihe aufs Smartphone geladen.

Wir haben nun das Thema aufgegriffen und für eine Demo den Einsatz von iBeacons eine Anwendung erarbeitet. Technisch haben wir Beacons von Estimote (www.estimote.com) verwendet und die Anwendung Locly (www.locly.com) eingesetzt. Inhaltlich haben wir uns ein Einsatzszenario in der Bibliothek ausgedacht: Die HTW Chur Bibliothek hat an ihrem Standort Technik im Hauptgebäude einen Freihandaufstellung, die klar räumlich gegliedert ist. In Kojen sind die Medien zu bestimmten Fachbereichen aufgestellt, unter anderem zu Informationswissenschaft und zu Architektur. Virtuell bietet die Bibliothek zu diesen Fachbereichen elektronische Ressourcen an, die sie auf unterschiedliche Weise bündelt und im Web anbietet. So gibt es eine Zusammenstellung wichtiger Fachdatenbanken, Links zu E-Books oder zur Zeitschriften – jeweils nach Fachgebiet aufgeschlüsselt. Die Idee war nun, diese virtuellen Zusammenstellungen mit dem physischen Raum, den erwähnten Kojen, zu verknüpfen.

Vorgehen zur Einstellung der Beacons

Die Beacons des Anbieters Estimote wurden schon vor einem Jahr gekauft. Sie werden beim Kauf auf eine E-Mail registriert und können später nur mit Mühe auf einen anderen User übertragen werden. Einzelne Beacons wurden schon von anderen Personen in Projekten verwendet und sind momentan nicht verfügbar (der Zugriff kann zurückgerufen, „reclaimed“, werden). Die Estimote Beacons werden über die Estimote Cloud (www.estimote.com) administriert. Über ein Webinterface können die Einstellungen der Beacons verändert werden. Hier kann man den Namen, die ID-Nummer oder auch die Sendeleistung oder den Batterie-Sparmodus einstellen. Je nach Beacon kann man die Reichweite von 1.5m bis auf 200m (neuste Version der Estimote Beacons) verändern. Bei der geplanten Anwendung (Information wird dann auf ein Smartphone gespielt, wenn es sich in der Nähe befindet) ist eine geringe Reichweite sinnvoll. Zudem wird die Batterielaufzeit durch eine geringere Sendeleistung verlängert.

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Abbildung 1: Screenshot aus der Estimote Cloud-Anwendung zur Einstellung eines Beacons.

Vom Prinzip her ist wichtig zu verstehen, dass die Beacons selbst keinen direkten Internetzugang haben. Die Einstellungen in der Cloud müssen noch via ein Bluetooth-fähiges Gerät (Smartphone oder Tablet) mit Hilfe der App von Estimote auf den Beacon übertragen werden.

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Abbildung 2: Erkennen der Beacons in der App Estimote

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Abbildung 3: Aktualisierung der Beacons

Andere Hersteller von Beacons bieten ebenfalls Plattformen und Apps zum Bearbeiten ihrer Beacons, so zum Beispiel Kontakt.io. Diese konnten noch nicht getestet werden.

Projekt erstellen in der Anwendung Locly

Es gibt viele Wege, um eine Anwendung für iBeacons zu erstellen. Estimote bietet zum Beispiel ein SDK (Software Developer Kit) an, um das Programmieren von Anwendungen zu erleichtern. Für uns war es aber wichtig, dass man nicht selbst programmieren musste. Wir entschieden uns deshalb (wie die Studierenden im Projektkurs) für die Anwendung Locly (www.locly.com).

Im Kern ist Locly ein Content Management System, mit dem Inhalte für die Nutzung über Beacons aufbereitet und bereitgestellt werden können. Auch hier gilt wieder: man kann die Inhalte im Web erstellen, aber danach müssen die Informationen noch mit einem Beacon synchronisiert werden. Locly bietet zudem die App Locly Sandbox (für iOS) kostenlos an, mit deren Hilfe die erstellten Anwendungen dann auf einem Smartphone oder Tablet genutzt werden können. Die kostenpflichtige Version bietet zusätzliche Möglichkeiten und Oberflächen.

Locly ist so aufgebaut, dass man zuerst ein Projekt erstellt, anschliessend verschiedene Orte (Places) einrichtet, denen dann bestimmte Inhalte (Cards) zugeordnet werden. Die Orte werden einem bestimmten Beacon zugeordnet, damit in dessen Empfangsbereich die Cards angezeigt und die Inhalte abgerufen werden. Das Projekt stellt die Klammer um die einzelnen Orte dar. Hier können ein Bild und eine Zusammenfassung angelegt werden, die in der App dann als Einstieg angezeigt werden.

Ein Ort (Place) entspricht logisch einem Beacon, der im physischen Raum platziert wird. Dazu muss man zuerst die eingesetzten Beacons in Locly registrieren, und ein Beacon kann nur einmal in Locly verwendet werden. Falls ein Beacon schon einmal in Locly verwendet wurde, muss er umbenannt werden, bevor man ihn einsetzen kann. Das geschieht in der oben abgebildeten Umgebung von Estimote. Man kann die Werte für den Major oder den Minor verändern. Danach ist der Beacon in Locly wieder verwendbar.

Es können problemlos auch andere Beacons in Locly eingesetzt werden. Hier ein Beispiel für einen Beacon der Marke Kontakt.io, der für einen Place verwendet wird. Dieser Beacon reagierte übrigens nicht mehr. Eine neue Batterie hauchte ihm wieder Leben ein. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass die Beacons eine Batterie benötigen und es von Vorteil ist, wenn man diese auswechseln kann (bei Estimote scheint das schwieriger).

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Abbildung 4: Screenshot aus der Anwendung Locly mit der Einstellung eines Beacons

Dem Ort können verschiedene und mehrere Karten (Cards) zugeordnet werden. Unterstützt werden unterschiedliche Formate: Bilder, Videos, URLs, Dokumente (z.B. PDF), HTML und Widgets.

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Abbildung 5: Screenshot aus der Anwendung Locly mit den Karten (Cards) eines Ortes (Place)

Mit Hilfe der Karten werden also die Inhalte gestaltet, die dann im Bereich des Beacon angezeigt werden. So werden im Projekt verschiedene fachbezogene elektronische Ressourcen aufbereitet, wie eine Liste von Fachdatenbanken, einen Link zu E-Ressourcen, zur Elektronischen Zeitschriftenbibliothek mit der Vorauswahl des Fachbereichs, einem PDF-Dokument mit einer Zusammenstellung der Bibliothek von Informationsressourcen zum Fachbereich sowie ein Ausschnitt aus einem Video über die Bibliothek.

Das Gleiche wurde dann für einen zweiten Ort (Place) mit Karten zum Fachbereich Architektur erstellt. Dieser Place wurde einem anderen Beacon zugeordnet. Die Beacons werden anschliessend am vorgesehenen Standort montiert. Dieser Standort kann in der Estimote-Umgebung (im Web oder via App) eingetragen werden.

Nutzung in der Anwendung Locly

Mit der kostenlosen App Locly Sandbox können nun die iBeacons erkundet werden. Benötigt wird ein Smartphone oder Tablet mit Bluetooth. Wenn man nun in den Sendebereich eines Beacons kommt, wird auf dem Display (bei geöffneter App) das Projekt mit Bild und Summary angezeigt. Nach dem Tippen auf den Eintrag öffnet sich der „Place“ mit den hier verfügbaren „Cards“.

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Abbildung 6: Screenshots vom Smartphone mit der Anzeige eines Projekts (links) und einzelner Cards.

In der Mitte ist die Variante mit der Einstellung „small“ zu sehen. In dieser Ansicht (auf Locly einstellbar) können mehrere Places auf einem Screen angezeigt werden. Rechts dann die grössere Darstellung mit der Karte zum Video. Für das Aufrufen und Abspielen der Inhalte benötigt das mobile Gerät einen Internetzugang, denn auf dem Beacon werden nicht die Inhalte selbst gespeichert, sondern nur die Links zu den in der Cloud bereitgestellten Inhalten.

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Abbildung 7: Anzeige in der App Locly auf einem iPad in Reichweite des Beacons beim Bücherregal zu Architektur

Und so sieht es dann in Natura aus: Der Beacon (blau, oben am Regal neben der Lampe) wird erkannt, in der App Locly wird das Projekt E-Ressourcen HTW Chur Bibliothek angezeigt, dann auch die Inhalte, wie rechts das PDF-Dokument mit den zusätzlichen Informationsressourcen zum Fachbereich Architektur.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten

Beacons eignen sich besonders auch für die Indoor-Navigation. Dazu braucht es je nach Grösse und Struktur des Raumes eine ganze Reihe von Beacons. Die Einrichtung einer solchen Navigation innerhalb eines Gebäudes, oder eben innerhalb einer Bibliothek wird eine nächste Aufgabe sein. Ziel ist es, Nutzerinnen und Nutzern den Weg von ihrem Standort zu einem bestimmten Medium in der Bibliothek zu weisen.