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Blog des Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft

Neue Technologien in der Lehre

Der neue Horizon Report 2011 ist seit gut einem Monat online. Das alljährlich von dem New Media Consortium und der EDUCAUSE Learning Initiative unter Mithilfe zahlreicher im Bereich Higher Education aktiver Personen erstellte Dokument versucht die kommenden Technologie-Trends der nächsten Jahre in der Hochschullehre aufzuspüren. Dazu gehört sicherlich auch eine gewisse Portion Spekulation, aber den Autoren liegt weniger eine möglichst genaue Vorhersage der zukünftigen Entwicklungen am Herzen. Vielmehr will man in erster Linie Aufmerksamkeit auf neue, vielversprechende Technologien lenken. Dabei bemühen sich die Autoren um eine möglichst realistische Einschätzung der Erfolgsaussichten neuer Technologien in der Lehre.

Für die kommenden Jahre erwartet man, dass sich die folgenden Trends auf breiter Basis im Lehre-Alltag durchsetzen können:

Innerhalb der nächsten 12 Monate:
– E-Books: Single-Purpose-Geräte wie der Amazon Kindle erhalten zunehmend Konkurrenz durch funktionsreiche Tablet-Computer wie dem iPad und dem Galaxy Tab. Diese neue Generation von Endgeräten ermöglicht neue Anwendungsszenarien für elektronische Bücher durch interaktive, soziale Kollaborations-Funktionen, die sie auch zunehmend interessant für einen Einsatz in der Lehre machen. Problemfelder sind aber insbesondere DRM-Hürden sowie das magere und oftmals überteuerte Angebot an wissenschaftlichen E-Books.
– Mobile Datengeräte (Smartphones, Tablets): Die ubiquitäre Verfügbarkeit von Datendiensten zu jeder Zeit an jedem Ort parallel zur zunehmenden Verbreitung von leistungsfähigen Tablet-PCs und Smartphones bieten Lehrenden und Lernenden vielfältige Perspektiven für neuartige Unterrichtskonzepte. Der Horizon Report listet einige Beispiele aus der Praxis für den Einsatz von iPhone & Co in der Lehre.

Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre:
– Augmented Reality: Ebenfalls begünstigt durch die starke Verbreitung von internettauglichen mobilen Endgeräten, die zudem mit hilfreichen Funktionen wie GPS und Gyroskope ausgestattet sind, könnte „Augmented Reality“ Lehrinhalte stärker in den Alltag von Studierenden integrieren. Ein Beispiel hierfür sind beispielsweise digitale Stadtführer, die es Smartphone-Nutzer ermöglichen, per GPS und „Pan & Scan“-Funktion die Historie ihrer unmittelbaren Umgebung zu visualisieren.
– Game-based Learning: Insbesondere aus dem „Serious Games“-Trend erhofft man sich neue Anreize für innovative Lernumgebungen, die den Umgang mit den Lerninhalten ansprechender und unterhaltsamer gestalten. Langfristig sieht man auch grosse Potentiale in kollaborativen Spiele beispielsweise in der Form von Massive Multiplayer Online (MMOs) Spielen.

Innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre:
– Gestengesteuerte Computernutzung: Allgemein verfügbare Systeme wie Nintendo Wii und Microsofts Kinect lassen „Minority Report“-ähnliche Nutzer-Interfaces zunehmend realisierbar werden. Denkbare Anwendungen in der Lehre wären beispielsweise durch Gesten steuerbare 3D-Projektionen von Fruchtfliegen im Biologie-Unterricht.
– Learning Analytics: Noch in einem sehr frühen Forschungsstatus könnten „Learning Analytics“ in Zukunft deutlich zielgerichtete und an die individuellen Fähigkeiten des Lernenden angepasste Lehrmaterialien ermöglichen. Durch intensive Anwendung von Data-Mining-Verfahren auf die tagtäglichen Leistungen von Lernenden auf den zunehmend verbreiteten elektronischen Lernplattformen könnten sehr spezifisch auf die Bedürfnisse zugeschnittene Lehrmaterialen modelliert werden.

Zu diesen Themen bietet der Horizon Report jeweils einen guten Marktüberblick und zahlreiche weiterführende Links.

2 Kommentare

  1. Nadja Böller

    6. März 2011 at 19:03

    Soweit ich mich erinnern kann sind die Voraussagen identisch mit dem Report vom letzten Jahr. Außer die eBooks, die scheine in den letzten 1.5 Jahren enorm an Markt und Fortschritt gewonnen zu haben, wobei ich hier den Sinn eines solchen Readers für meinen beruflichen sowie privaten Alltag noch immer nicht entdeckt habe!

  2. Sascha Beck

    6. März 2011 at 20:17

    Ja, der 2010er Report sah ähnliche Schwerpunkte, insbesondere im Bereich Mobile Computing. Damals war halt das iPad auch noch kein grosses Thema, da blickte man vor allem auf Netbooks und das iPhone.
    Letztes Jahr stand „Open Content“ noch auf der Vorhersageliste für die unmittelbare Zukunft, aber so richtig durchgesetzt hat sich das leider auch noch nicht, das floss nun wohl in das Kapitel „E-Books“ ein.
    Aber immerhin: Mit Game-Based Learning und Learning Analytics kamen 2011 zwei neue Themen hinzu.

Kommentare sind geschlossen.

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