Der gläserne Mensch in Zeiten von «Big Data»

Spätestens seit den Veröffentlichungen von Edward Snowden wissen wir, dass auch unsere privaten Daten in grossem Stil gesammelt und ausgewertet werden. Dadurch entstehen «gläserne Menschen». Die Brisanz an «Big Data» ist, dass sich sogar anonym erhobene, grosse Mengen von Daten einzelnen Personen zuordnen lassen. Datenschützer und Datenschützerinnen warnen daher eindringlich vor Missbrauch und Kontrollverlust. Aber können wir unsere Privatsphäre überhaupt noch schützen?

Expertengespräch zur Datensicherheit

Um dieser Frage nachzugehen, lädt die HTW Chur am 5. November (Veranstaltungs-Link) im Rahmen von «Forschung live» und dem Wissenschaftscafé Chur zur Diskussion mit Expertinnen und Experten ein. Diese kommen aus der Wissenschaft, der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung. Damit wird gewährleistet, dass alle Interessen gut vertreten sind. Der kantonale Datenschutzbeauftragte, Thomas Casanova, vertritt die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger. Iris Kornacker von der Swisscom und Wolfgang Zimmermann vom Migros-Genossenschafts-Bund geben einen Einblick in die Big-Data-Tätigkeiten der Wirtschaft. Ich selbst werde aus der informationswissenschaftlichen Perspektive auf das Thema eingehen. Der Abend wird moderiert von Martina Vogel, Inhaberin der Kommunikationsagentur comm.versa.

Datenmengen stellen Unternehmen vor Herausforderung

Getrieben durch neue Technologien und technische Geräte wurden 2013 mit 27,3 Zetabytes (27,3 Milliarden Terabyte) in einem Jahr so viele Daten produziert wie in den vergangenen 5000 Jahren zusammen. Alleine bei YouTube werden pro Sekunde 300 Stunden Videomaterial hochgeladen. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass sich das weltweit angesammelte Datenvolumen alle zwei Jahre verdoppeln wird. Dadurch stehen Unternehmen vor der Herausforderung, immer grössere Datenmengen speichern, verwalten und analysieren zu wollen, um diese für ihre Geschäftsprozesse optimal verwerten zu können.

Selbstbestimmt in der digitalen Welt

Der richtige Umgang mit diesen Datenmengen muss gelernt werden. Dabei kommt es besonders auf zwei Dinge an: Erstens müssen Instrumente entwickelt werden, mit denen aus Daten nützliches Wissen generiert werden kann. Zweitens muss bei allem technischen Fortschritt gelernt werden, dass man sich sicher und selbstbestimmt in der digitalen Welt bewegen kann. Die Expertinnen und Experten müssen in der Lage sein die heterogene Datenmenge angepasst an die jeweilige Zielgruppe zu strukturieren, zu kanalisieren und aufzubereiten, um Nutzenden die benötigte Information und damit einen Mehrwert zu bieten. Darüber hinaus besteht die Anforderung, zahlreiche digitale Inhalte langfristig für die Nachwelt zu sichern und referenzierbar zu machen. Dabei geht es nicht nur um technisch-infrastrukturelle Aspekte, sondern auch um ökonomische, rechtliche, politische, soziale und ethische Fragestellungen im Zusammenhang mit Daten und Information.

Spannungsfeld Wissen – Information – Mensch

Mit «Data Science» etabliert sich als Ergänzung zur klassischen Informationswissenschaft zunehmend eine Disziplin, die sich den aktuellen Themen der Analyse und Aufbereitung grosser Datenmengen widmet. Der Master-Studiengang «Information and Data Management» (http://www.htwchur.ch/informationswissenschaft/master-studium.html) der HTW Chur bildet Expertinnen und Experten für praktische, theoretische und wissenschaftliche Tätigkeitsfelder im Spannungsfeld Wissen – Information – Mensch aus.