HTW Chur - SII

InfoWiss Chur

Blog des Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft

Schlagwort: Bibliothek

Einige Besonderheiten der Öffentliche Bibliotheken in der Schweiz. Ergebnisse einer Umfrage

Karsten Schuldt

Einleitung: Die Umfrage unter Öffentlichen Bibliotheken und ihr Kontext

Das Team für Bibliothekswissenschaft am SII ist an einem grösseren Projekt beteiligt, bei dem – geleitet von Kolleginnen und Kollegen aus Norwegen – gefragt wird, wie Öffentliche Bibliotheken in verschiedenen Länder (Schweden, Dänemark, Norwegen, Deutschland, Ungarn, USA, Schweiz) im Zusammenhang stehen können mit Demokratie, Partizipation und ähnlichen Themen. Als erstes Ergebnis des Projektes kann schon einmal festgehalten werden, dass Öffentliche Bibliotheken in den beteiligten skandinavischen Staaten (Norwegen, Schweden, Dänemark) einfach anders „funktionieren“ und auch anders von der Bibliothekswissenschaft und der jeweiligen Gesellschaft gesehen werden, als in den anderen beteiligten Staaten (unter anderem der Schweiz). Während die drei skandinavischen Ländern starke Parallelen aufweisen, zeigt sich in den anderen Ländern, dass sie jeweils sehr eigene Verständnisse davon haben, was die Aufgabe von Öffentlichen Bibliotheken ist, wie sie aussehen sollen, wie sie funktionieren und so weiter. Oder anders: Die Öffentlichen Bibliotheken in der Schweiz sind einfach anders als die in anderen Ländern. Sie sind sehr eigen (wie ja auch die Schweiz sehr eigen ist).1

Im Rahmen dieses Projektes führten wir vom 16.04 bis 30.04. eine Umfrage unter dem Personal in Öffentlichen Bibliotheken in der Schweiz durch. Die Umfrage wurde etwa zeitgleich auch in den anderen beteiligten Ländern durchgeführt, jeweils in einer auf das jeweilige Land angepassten Variante. Ein Ziel des Projektes ist selbstverständlich, die Antworten der verschiedenen Umfragen zu vergleichen und zu schauen, wo sich Bibliothekswesen unterscheiden und wo nicht. Ebenso werden diese Ergebnisse im Projekt mit anderen Daten verglichen (z.B. mit den Ergebnissen einer Telefonumfrage, die in diesem Blog auch schon kurz dargestellt wurden, siehe hier). Diesen Beitrag möchte ich aber darauf beschränken, die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage in der Schweiz darzustellen.

Bei den Fragen, die in der Umfrage gestellt wurden, ist zu beachten, dass das ganze Projekt und die ganze Umfrage – trotz Inputs der Forschenden aus anderen Ländern – sehr skandinavisch geprägt ist. (Was dies heissen und auslösen kann, haben der Kollege Rudolf Mumenthaler und ich in der letzten LIBREAS. Library Ideas dargestellt: Partizipation in Bibliotheken.) Das erklärt, warum bestimmte Fragen vielleicht etwas unerwartet sind: Sie stammen aus einem etwas anderen Denken darüber, was die Aufgaben von Bibliotheken sein könnten und wie Bibliotheken funktionieren.

Teilnahme

Technisch umgesetzt wurde die Umfrage in Limesurvey (die Standardsoftware für solche Umfragen bei Projekten der HTW Chur, die hier verwendeten Graphiken sind auch von dieser Software erstellt). Eine Einladung für die Umfrage wurde über die Mailingliste swisslib (die als die bibliothekarische Mailingliste in der Schweiz gelten kann) verschickt. Es wurde explizit darauf hingewiesen, dass nur Personal aus Öffentlichen Bibliotheken (in einer sehr weiten Definition) gesucht wurden.

Trotz der kurzen Laufzeit wurden insgesamt 86 vollständige Antworten (und weitere 49 unvollstädnig) abgegeben, die hier für die Auswertung herangezogen werden. Das ist eine erstaunlich hohe Anzahl. Offenbar gibt es unter Öffentlichen Bibliotheken in der Schweiz ein grosses Interesse, an solch einer Umfrage teilzunehmen.2

Aus diesen Antworten kann man selbstverständlich nicht schliessen, dass sie direkt darstellen, was in allen Öffentlichen Bibliotheken in der Schweiz gedacht und getan wird (zumal es keine französische, italienische oder rätoromanische Übersetzung gab, weil am Ende einfach alles schnell gehen musste3). Sie geben aber Hinweise auf Tendenzen. Zu bedenken ist, dass vor allem die an der Umfragen teilgenommen haben werden, die etwas mitteilen wollten oder an den Fragen selber interessiert waren – und zudem Deutsch zumindest soweit beherrschten, dass sie sich eine solche Umfrage zutrauten. (Noch relevanter werden diese Ergebnisse dann im Vergleich mit den Umfragen in anderen Ländern, wo ja auch die geantwortet haben werden, die von sich aus teilnehmen wollten – also strukturell die gleichen Personengruppen wie in der schweizerischen Umfrage.) Trotzdem ermöglichen die Ergebnisse einige Einblicke in Bibliotheken, die sonst eher vermutet werden – und zudem die Überprüfung von einigen Vermutungen über Bibliotheken in der Schweiz.

Weiterlesen

Neue Publikation in den Churer Schriften zur Informationswissenschaft: Kleider machen BibliothekarInnen

Marcella Haab-Grothof (2017): „Kleider machen BibliothekarInnen“: Der Einfluss von Kleidung des Bibliothekspersonals auf die Kontaktaufnahme von Benutzenden

Ausgehend von einer amerikanischen Studie geht es in der vorliegenden Arbeit um die Frage, welchen Einfluss die Kleidung von Bibliothekspersonal auf die Kontaktaufnahme von Benutzenden hat. Es konnte gezeigt werden, dass die Kleiderfarbe, der Kleidungsstil sowie ein Namensschild einen Einfluss auf die Entscheidung haben, an welche/n Bibliothekar/in sich Kunden wenden, wobei formale, blaue Kleidung mit Namenschild der Favorit war. In erster Linie sind den Kunden der Kleidungsstil und das Namensschild wichtig. Die Kleiderfarbe, das Alter sowie das Geschlecht des Personals sind hingegen unwichtig. Dies wurde mit einer Online-Umfrage unter 1444 Bibliotheksnutzern und Nichtnutzern untersucht. Zusätzlich wurden sieben Personen in leitender Funktion aus ausgewählten Deutschschweizer Bibliotheken zu Kleidungsvorschriften in Bibliotheken interviewt. In der Deutschschweiz gibt es einige Bibliotheken, die ihren Mitarbeitenden Vorgaben für Kleidung und Erscheinungsbild machen. Die Erkenntnisse aus den Untersuchungen geben Hinweise, wie die Zugänglichkeit von Bibliothekspersonal verbessert werden kann.

Schlagwörter: Bibliothek, Kleidung, Erscheinungsbild, Farbe, nonverbale Kommunikation, Kundenkontakt, Kontaktaufnahme, Zugänglichkeit, Berufskleidung, Uniform, Dresscode, Kleidungsvorschrift

Die Arbeit steht, wie alle weiteren Veröffentlichungen unserer elektronischen Schriftenreihe, zum kostenlosen Download bereit unter: https://www.htwchur.ch/htw-chur/angewandte-zukunftstechnologien/schweizerisches-institut-fuer-informationswissenschaft-sii/publikationen/churer-schriften/

Spielerische Boxen erhöhen Bibliothekserlebnis

Die Autoren haben im nur gedruckt erscheinenden SAB-Info einen Text veröffentlicht, der hiermit mit freundlicher Genehmigung der Redaktion im vollen Wortlaut veröffentlicht wird. Schuldt, Karsten; Mumenthaler, Rudolf: Spielerische Boxen erhöhen Bibliothekserlebnis. In: SAB Info 38 (2017), Heft 2, S.22-23.

Makerspaces sind ein Sammelbegriff für Angebote von bestimmten Technologien, mit denen in kleinen Projekten gemeinsam etwas produziert werden kann – auch in Bibliotheken. An der HTW Chur wurden zwei mobile Boxen entwickelt und in der Praxis getestet. Das Projekt zeigt, dass auch in kleinen und Kleinstbibliotheken ein Interesse an diesem spielerischen Angebot besteht.

Die Zahl dieser Technologien hat sich in den letzten Jahren massiv erhöht. Grundsätzlich sollen Makerspaces es ermöglichen, mit diesen Technologien umzugehen, diese zu nutzen, um unter anderem in der Zusammenarbeit mit anderen in einer offenen, fehlertoleranten Atmosphäre zu lernen. Makerspaces sind in den letzten Jahren auch als private Vereine, als Teil von Schulen und anderen Einrichtungen entstanden. Das genaue Ziel der Makerspaces ist schwierig zu eruieren, aber es ist offensichtlich, dass sie eine gewisse Begeisterung auslösen. Während die Forschung zu den tatsächlichen Effekten noch relativ am Anfang steht und eher durchwachsene Ergebnisse zeigt, untersuchte die HTW Chur in einem Projekt, ob sich an dieses Interesse auch in kleineren und kleinsten Bibliotheken anschliessen lässt.

Technologie muss einfach funktionieren

Im Rahmen eines Seminars im Jahr 2015, in dem Studierende verschiedene Maker-Technologien erprobten, zeigte sich, dass diese zwar mit ähnlichen Versprechen (einfacher, direkter Hands-on-Einstieg, pädagogischer Hintergrund, das heisst fast immer die Möglichkeit, über die einfachen Anwendungen hinaus tiefer in die Technologie einzusteigen, zum Beispiel indem sie programmiert wird, Stabilität) vertrieben werden, aber nur einige diese Versprechen erfüllen. Insbesondere ist der angeblich einfache Einstieg nicht bei allen Technologien vorhanden. Gewisse Technologien, die gern im Zusammenhang mit Makerspaces genannt werden (zum Beispiel Raspberry Pi), haben höhere Einstiegshürden. Das Seminar stand im Zusammenhang mit dem Library Lab der HTW Chur. Im hier beschriebenen Projekt wurde versucht, auf der Basis des Seminars und der wachsenden Literatur zum Thema, Makerspaces mobil und für kleine Bibliotheken nutzbar zu machen. Dies ist naheliegend: Einerseits wird dies in anderen Staaten schon getan, andererseits gibt es zum Beispiel mit den Spielmobilen auch in der Schweiz Vorbilder. Diese zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie von Personal betrieben werden. Ziel des Projekts war es, Makerspaces ohne dieses zusätzliche Personal zu gestalten. Es wurde angestrebt, Boxen mit gut funktionierender Technologie auszustatten, die direkt und ohne grössere Anleitung in einer Bibliothek für die Durchführung einer Maker-Veranstaltung genutzt werden können. Dazu wurden, wieder auf der Basis der schon vorliegenden Erfahrungen, Kriterien erarbeitet: Die Technologien mussten schon eingeführt sein, damit bei Problemen durch einfaches Suchen Hinweise gefunden werden können, wie diese zu lösen sind und damit schon gute Erfahrungen aus anderen Bibliotheken vorliegen. Sie mussten sofort einzusetzen sein, aber gleichzeitig immer auch ein tieferes Eintauchen in die Technologie ermöglichen. Sie mussten stabil und leistungsfähig sowie preislich tragbar sein. Es wurden drei Boxen entworfen und ‒ aufgrund begrenzter Mittel ‒ zwei umgesetzt. Keine der Boxen kostete mehr als 5000 Franken.

Die Boxen wurden verschiedenen Bibliotheken zur Verfügung gestellt, unter anderem in Wettswil ZH. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Die Boxen wurden verschiedenen Bibliotheken zur Verfügung gestellt, unter anderem in Wettswil ZH. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Roboter und 3D-Drucker

Durch den Kriterienraster fiel eine ganze Anzahl von Technologien, die in der Literatur als Teil von Makerspaces genannt wird. In institutionalisierten Makerspaces kann das Personal zusätzlich notwendiges Wissen erwerben. Bei mobilen Boxen für kleinere Bibliotheken ‒ mit beschränktem Platz, engagiertem, aber zeitlich eng eingebundenen Personal ‒ ist das nicht vorauszusetzen. Die erste Box enthielt einen Sphero 2.0 (eine Roboterkugel, die sich steuern und programmieren lässt), Ozobots (kleine Roboter, die auf unterschiedlich farbige Striche auf Papier reagieren und zum Tanzen programmiert werden können), Cubelets und MOSS (zwei Robotiksätze, bei denen aus verschiedenen Bausteinen, die magnetisch verbunden werden, Roboter gebaut und ebenso programmiert werden können), MakeyMakey (ein Bausatz, mit dem sich alle leitfähigen Gegenstände in Computertasten verwandeln lassen) und LittleBits (ebenfalls durch Magnete zusammengehaltene Elektrobausteine). Die zweite Box enthielt einen mobilen 3D-Drucker, einen Cutter, der gleichzeitig scannen kann, zwei Sets an Lego Mindstorms (programmier- und steuerbare Roboter) und wieder LittleBits. Für die meisten dieser Produkte gibt es auch Alternativen. Sie wurden nach Preis und Erfahrungen in anderen Bibliotheken ausgesucht. Für jede Technologie wurde eine kurze Anleitung erstellt, die immer darauf verwies, dass es wichtig ist, die Technologie selber in die Hand zu nehmen und auszuprobieren.

 

Veranstaltungen in Bibliotheken

Teil des Projektes war es, diese Boxen realen Bibliotheken in der Schweiz zur Verfügung zu stellen und zu eruieren, was diese damit tun. Dafür konnten sehr schnell vier Bibliotheken (Wettingen AG), Wettswil ZH, Uitikon ZH und Möhlin AG) gewonnen werden. In allen führten die Kolleginnen erfolgreiche Veranstaltungen durch ‒ zum Teil in den Bibliotheskräumen, zum Teil im Rahmen von lokalen Veranstaltungen ‒, bei denen sie den Nutzerinnen und Nutzern die Technologien zur Verfügung stellten. In kurzer Zeit (jeweils rund eine Woche) hatten sie sich die Technologie soweit angeeignet, dass sie diese bedienen, erklären und auf Probleme reagieren konnten. In drei Bibliotheken wurde jede Technologie von je einer Person (zum Teil von Familienmitgliedern) betreut, in einer Bibliothek war die Betreuung weniger direkt. Grundsätzlich war das Interesse bei den meisten Nutzerinnen und Nutzern gross. Zum Teil kamen Personen extra, um die Technologien zu sehen oder auszuprobieren. Es fanden sich auch immer wieder Personen, die ausdauernd mit ihnen arbeiteten. Grundsätzlich herrschte eine spielerische und fröhliche Atmosphäre. Tendenziell wurden männliche Besucher besonders angesprochen, die sonst nicht zu intensiven Nutzern dieser Bibliothek gehören. Im Anschluss waren die Bibliotheken zufrieden und sahen ihr Selbstverständnis als innovative Einrichtung in der Öffentlichkeit bestätigt. Es gab kleinere Anmerkungen zur Verbesserung, aber immer ein grundsätzliches Interesse, in Zukunft ähnliche Veranstaltungen durchzuführen.

Mit den Materialien aus den Boxen lassen sich zum Beispiel Roboter bauen. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Mit den Materialien aus den Boxen lassen sich zum Beispiel Roboter bauen. (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Wer übernimmt es?

Das Projekt hat gezeigt, dass es a) grundsätzlich möglich ist, mobile Makerspaces zu erstellen und dass diese in den Bibliotheken auch gezielt genutzt werden können, dass es b) Technologien gibt, welche die härteren Kriterien, die im Projekt angelegt wurden, erfüllen und dass c) sich die Kosten für solche Veranstaltungen in Grenzen halten. Es wurde eine Handreichung erstellt, die es bibliothekarischen Institutionen oder Vereinen ermöglicht, solche Boxen selber zu erstellen und zu vertreiben. Denkbar wäre es, dass kantonale Fachstellen diese Aufgabe übernehmen. Auch wäre es möglich, dass Bibliotheken sich zusammentun, um den Aufwand und die Kosten zu tragen. Das Projekt hat zwar grundsätzlich gezeigt, dass Bibliotheken im lokalen Rahmen mit solchen Boxen Veranstaltungen organisieren und durchführen können, die Nutzerinnen und Nutzer interessieren. Es bleiben aber viele Fragen offen. Beispielsweise ist nicht klar, ob Veranstaltungen mit mehreren Terminen ebenfalls erfolgreich durchgeführt werden können. Grundsätzlich ist nicht klar, wie sehr die Versprechen, die im Zusammenhang mit Makerspaces gemacht werden, langfristig erfüllt werden. Der Makerspace an sich ist kein neues Thema mehr, auch nicht in der Bibliothek. Es gilt, sich sowohl in der Praxis als auch der Forschung nicht mehr zu fragen, ob sie funktionieren, sondern sie konkret umzusetzen und ihre Wirkung zu untersuchen.

 

Karsten Schuldt und Rudolf Mumenthaler, HTW Chur

 

 

Library Lab going mobile

„Machen geht über Studieren“ – nach diesem Motto funktionieren Makerspaces. Die Idee dahinter ist so simpel wie einleuchtend: Einer breiten Öffentlichkeit werden Technologien zum Selber-Bauen zur Verfügung gestellt, die zum Ausprobieren von neuen Technologien einladen. Besonders Öffentliche Bibliotheken (z.B. Winterthur, Köln, Stuttgart) initiierten in den letzten Jahren solche Makerspaces und schufen damit für ihre Nutzerinnen und Nutzer neue Möglichkeiten zum Lernen, Ausprobieren und sozialen Interagieren (Schuldt 2015, Willingham & de Boer 2015).

Lernen durch Tun in kleinen Bibliotheken – ein Ding der (Un)Möglichkeit?

Welche Technologien sich für Makerspaces eignen, wurde in einem Projektkurs an der HTW Chur untersucht (Mumenthaler 2016). Es zeigte sich, dass für den Einsatz solcher Technologien ein gewisses technisches Verständnis vorhanden sein muss. Das vorausgesetzte Wissen ist nicht unmöglich hoch, aber gerade in kleineren Bibliotheken – die sich mit knappen Personal- und Zeitressourcen schon um viele andere Themen kümmern – kaum vorhanden. Hinzu kommt, dass in kleineren Bibliotheken in kleineren Gemeinden neben dem Know-how häufig auch Platz und Finanzen fehlen, um Makerspaces einzurichten. Gleichwohl würde sich anbieten, Veranstaltungen zu Makerspaces auch in solchen kleineren Bibliotheken durchzuführen.

Mobile Makerspaces – ein einmaliges Projekt

Hier setzt das Projekt „Library Lab going mobile“ an. Es strebt an, die Technologien für einen Makerspace soweit zu reduzieren und zu organisieren bzw. dokumentieren, dass er „mobil“ werden kann. Diese Mobilität wird es ermöglichen, Makerspaces auch in kleinen Bibliotheken anzubieten.

Angestrebt wird, einen Satz von Maker-Technologien und Beschreibungen zur Nutzung dieser Technologien so zusammenzustellen, dass sie zusammen gepackt verschickt werden und dann ohne weitere Begleitung in den kleineren Bibliotheken genutzt werden können. Dabei wird ebenfalls auf den erfolgreichen Projektkurs zurückgegriffen, in dem die Studierenden für jede Technologie Anwendungsfälle beschrieben haben.

Der mobile Makerspace wird durch die Zusammenarbeit mit kantonalen Fachstellen direkt den kleineren Öffentlichen Bibliotheken zu Gute kommen. Im Rahmen des Projektes wird ein Prototyp erstellt, der dann auch für andere Kantone reproduziert (und gegebenenfalls durch die HTW Chur angepasst) werden kann.

Von Good Practice Beispielen lernen

Im deutschsprachigen Bereich ist bislang noch nicht von mobilen Makerspaces die Rede, obwohl Beispiele aus dem Ausland (USA, GB, NL, SWE u.a. zit in. Craddock 2015, de Boer 2015, Goerdowski & Reis 2015, Moorefield-Lang 2015) zeigen, dass diese möglich und sinnvoll sind. Die HTW wird mit dem Projekt die erste sein, die solche Mobilität vorschlägt und umsetzbar macht. Der im Projekt entworfene mobile Makerspace soll auf die spezifischen Anforderungen in der Schweiz reagieren.

Vom Ausprobieren und Evaluieren bis zum ersten Prototypen

Auch einige Mitarbeitende am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft hat das Makerspace-Fieber gepackt. So wurden in den Pausen fleissig neue Technologien ausprobiert. Einen kleinen Einblick geben die Bildergalerie oben sowie die nachfolgenden Videos.

Für weitere Auskünfte zum Projekt steht Dr. Karsten Schuldt gerne zur Verfügung.

karsten.schuldt@htwchur.ch

 

Literaturverzeichnis

Craddock, IdaMae Louise (2015). Makers on the move: a mobile makerspace at a comprehensive public high school. In: Library Hi-Tech 33 (2015) 4, 497-504

de Boer, Jeroen (2015). The business case of FryskLab, Europe’s first mobile library FabLab. In: Library Hi-Tech 33 (2015) 4, 505-518

Gierdowski, Dana ; Reis, Daniel (2015). The MobileMaker: an experiment with a Mobile Makerspace. In: Library Hi-Tech 33 (2015) 4, 480-496

Moorefield-Lang, Heather Michele (2015). When makerspaces go mobile: case studies of transportable maker locations. In: Library Hi-Tech 33 (2015) 4, 462-471

Mumenthaler, Rudolf (2016). Learning by Making – und es funktioniert!. In: Infowiss Chur, 16.01.2016, blog.informationswissenschaft.ch/learning-by-making-und-es-funktioniert/

Schuldt, Karsten (2015). Makerspace oder nicht – eine Frage der Community: Neue Aufgaben für Fördervereine. In: Hauke, Petra (Hrsg.) / Freundeskreise und Fördervereine: Best Practice in Öffentliche Bibliotheken. Berlin ; Boston: Walter de Gruyter, 2015, S. 49-56

Willingham, Theresa ; de Boer, Jeroen (2015). Makerspaces in Libraries (Library Technology Essentials, 4). Lanham u.a.: Rowman & Littlefield, 2015

Learning by Making – und es funktioniert!

Die Idee bei einem Makerspace besteht darin, dass man über das Experimentieren und Probieren, über das Machen und Gestalten neues Wissen erwerben oder generieren kann. Es ist keine neue Erkenntnis, dass wir durch körperliche Aktivitäten und aktive Problemlösung mehr und besser lernen als durch passives Zuhören, Zusehen oder Lesen. Dieses Konzept bildet auch die didaktische Grundlage fürs LibraryLab an der HTW Chur: Studierende sollen kreative Problemlösungen finden und Prototypen umsetzen – und dadurch sich mit neuen Technologien vertraut machen.

Im Projektkurs LibraryLab im Herbstsemester 2015 hat eine Gruppe von 28 Studierenden auf eindrückliche Weise gezeigt, dass dieses Prinzip funktioniert. Die Aufgabe im Kurs bestand darin, eine ausgewählte Technologie auf ihren Einsatz in einem Makerspace oder allgemein in einer Bibliothek zu evaluieren und Vorschläge für Workshops mit geeigneten Zielgruppen auszuarbeiten. Am 13. Januar wurden nun die Ergebnisse im neuen (und noch nicht ganz fertigen) Service Innovation Lab (SIL) der HTW Chur präsentiert. Ich kann im Namen der Dozierenden und der externen BesucherInnen sagen, dass das Gezeigte begeisterte. Präsentiert wurden folgende Anwendungen:

  • Google Cardboards: selbst herstellen, eigene Visualisierungen mit Hilfe bestehender Apps erstellen und mögliche Anwendung in einem Museumskoffer
  • MakeyMakey: Reaktionstests zum Erklären menschlicher Wahrnehmung und Entwicklung eines Braille-Boards mit Übung zum Erlernen der Braille-Schrift
  • RaspberryPi: als Prototyp entwickelt wurden ein One-Button-Audiobook-Player, ein einfaches Radio sowie ein Fotoautomat, der eine „personalisierte“ (eigentlich zufällige) Buchempfehlung ausdruckt
  • Touchboard und Conductive Ink: realisiert wurde ein multimediales Buch, in dem die Geschichte von Grabowski dem Maulwurf mit berührungssensitiven Zeichnungen und mit Tönen umgesetzt wurde
  • PirateBox: umgesetzt wurde eine Anwendung für Einführungsveranstaltungen in Bibliotheken
  • iBeacons: der Einsatz zur Vermittlung ortsgebundener Information (Buchempfehlung) und zur Lokalisierung von Standorten in Bibliotheken wurde evaluiert
  • NFC und QR-Codes: die Dozierenden zeigten, dass QR-Codes und NFC interaktive Anwendungen ermöglichen

Die Ergebnisse werden nun noch verschriftlicht und dann in geeigneter Form veröffentlicht. Wir haben vor, eine Webseite zum LibraryLab zu erstellen, auf der wir dann die Konzepte und Anleitungen veröffentlichen können. Für weitere Auskünfte zum LibraryLab steht Prof. Dr. Rudolf Mumenthaler gerne zur Verfügung.

CfP: Sammelband Linked Open Library Data

Adrian Pohl & Patrick Danowski rufen relativ kurzfristig zu Beiträgen für ein Sammelwerk zu Linked Open Library Data auf (und zitieren nur deutsche Beispiele). Das sollte aber niemanden abhalten, einen Texte einzureichen.

=== CfP: Sammelband zu Linked Open Library Data ===

Deadline: 28.02.12

Linked Open Data (LOD) gewinnt in der Bibliothekswelt zunehmend an Bedeutung. Jüngst haben etwa die Absichtserklärung [1] der Conference of European National Librarians (CENL), Open Data zu publizieren sowie die Ankündigung [2]der Library of Congress, eine neue bibliographische Infrastruktur auf Basis von Linked-Data-Prinzipien aufzubauen, diese Entwicklung verstärkt.  Im deutschsprachigen Raum sind als wichtige aktuelle Entwicklungen die Freigabe von Katalogdaten durch den Bibliotheksverbund Bayern (BVB) und den Kooperativen Bibliotheksverbund (KOBV) sowie die Veröffentlichung [3] eines rechtlichen Leitfadens zu Katalogdaten als Open Data und der Empfehlungen [4] der DINI-AG KIM zur Öffnung bibliothekarischer Daten zu nennen.

In einem Sammelband soll das Thema Linked Open Data aus bibliothekarischen Einrichtungen nun von verschiedenen Seiten näher vorgestellt werden. Dabei sollen sowohl die technischen Seiten (Linked Data) als auch die verschiedenen Aspekte der Offenheit von Daten (Lizenzen, Zugang) behandelt werden. Der Sammelband soll neben fachlichen Artikeln zur Einführung in die Thematik auch grundlegende Konzepte sowie Anwendungsbeispiele und Projekte in verschiedenen Institutionen dokumentieren.

Ziel ist es, einen möglichst weiten Überblick über den Themenbereich Linked Open Data in der Bibliothekswelt zu liefern und den aktuellen Stand der Entwicklung und Diskussion darzustellen. Der Band gliedert sich in die folgenden zwei Teile:

A) Theoretische Einführungen in den Themenbereich und die zugrunde liegenden Konzepte
B) Konkrete Projekte, Best Practices, Probleme und Diskussionen

Praktiker und Theoretiker aus Bibliotheken, Verbünden und Hochschulen sowie Softwareanbieter und Konsumenten bibliografischer Daten sind hiermit eingeladen, ihre fachlichen Beiträge zu den folgenden möglichen Themen einzureichen:

  • Einführungen in RDF, RDFS, OWL, SPARQL etc.
  • Produktion und Publikation von LOD in bibliothekarischen Einrichtungen
  • Rechtliche Aspekte der Freigabe von Daten (Voraussetzungen, Lizenzen etc.)
  • Konsum und Produktion  von Linked Open Data auf Basis bestehender Bibliothekssysteme und Recherchewerkzeuge
  • Bibliothekssysteme der nächsten Generation und Linked Open Data
  • LOD, Europeana und Deutsche Digitale Bibliothek
  • LOD-Projekte und -Dienste aus Bibliotheken und Verbünden.

Bitte senden Sie kurze Abstracts (max. 1500 Zeichen inkl. Leerzeichen) sowie eine vorläufige Gliederung und eine kurze biografische Notiz bis zum 28. Februar 2012 an lold@bibliothek2null.de.

Der Sammelband wird als Hybridpublikation beim deGruyter Verlag erscheinen. Die Veröffentlichung erfolgt als Open Access Online Publikation und als gedrucktes Buch. Der Verlag übernimmt den Satz und das Lektorat. Bei der Textentwicklung muss die Formatvorlage des Verlags verwendet werden. Alle Artikel des Sammelbandes sollen unter einer Creative Commons Lizenz (CC-BY oder CC-BY-SA) erscheinen. Bitte geben Sie die von Ihnen gewählte Lizenz bereits bei der Einreichung des Abstracts an.

=== Call for Papers – Alle Termine ===

Einreichung der Abstracts: bis  28.02.12
Information über die Auswahl:10.03.12
Abgabe der Artikel als druckfertige Version (max. 60.000 Zeichen inkl. Leerzeichen): 01.05.12
Rückfragen und kleine Korrekturen: bis 01.06.12
Anschließend Druck und Produktion

=== Links ===
[1] https://app.e2ma.net/app/view:CampaignPublic/id:1403149.7214447972/rid:48e64615892ac6adde9a4066e88c736c
[2] http://www.loc.gov/marc/transition/news/framework-103111.html
[3] http://www.hbz-nrw.de/dokumentencenter/veroeffentlichungen/open-data-leitfaden.pdf
[4] https://wiki.d-nb.de/pages/viewpage.action?pageId=45419980

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