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InfoWiss Chur

Blog des Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft

Schlagwort: Digitale Bibliothek

Digitale Bibliotheken sind… für wen da?

Schon vor einem Monat schrieb Megan Geuss auf arstechnica einen Beitrag zur geplanten Digital Public Library in den USA. (Geuss, Megan / Exercises in democracy: building a digital public library: The Digital Public Library of America—coming to an Internet connection near you?. In: arstechnica, 07.05.2012, http://arstechnica.com/information-technology/2012/05/exercises-in-democracy-building-a-digital-public-library/) Sie berichtete anlässlich einer Konferenz (eher einer öffentlichen Vereinssitzung) über den, noch nicht wirklich sehr weit gekommenen, Diskussions- und Aufbauprozess des Projektes; über unterschiedliche Ansätze und Probleme.

Interessant war dabei, dass Sie einen wichtigen Grund für die Existenz einer solchen Bibliothek anführt:

Despite the challenges facing the Digital Public Library of America, it’s a concept that needs to come to fruition sooner than later. Not simply because a Digital Library would be a professional accomplishment for many well-meaning intellectuals, but because citizens deserve a way to access, even just for the duration of a rental, the same ideas that people who live near better-funded libraries can access, without having to engage in piracy. (Geuss, 2012)

Die Digitale Bibliothek wird mit diesem Argument zu einer Aufgabe der gesamten Gesellschaft erklärt, um auf der Basis der technologischen Entwicklung einen Beitrag zur Sozialen Gerechtigkeit zu leisten.

Das ist ein hoher Anspruch, der erst einmal bei der Umsetzung des Projektes mit einbedacht werden muss. Vielleicht ohne das zu wollen, öffnete Geuss mit diesem Argument die Frage, für wen Digitale Bibliotheken eigentlich da sind. Bei ihr ist es die gesamte Öffentlichkeit. In einem anderen Zusammenhang stellen allerdings Miroslaw Górny und Jolanta Mazurek dar, wer die Digitalen Bibliotheken in Polen – selbstverständlich: einem anderen Land – hauptsächlich nutzt (Górny, Miroslaw ; Mazurek, Jolanta / Key users of Polish digital libraries. In: The Electronic Library 30 (2012) 4.)

The results of the survey indicate that a relatve stable group of users of digital libraries in Poland consists of persons interested in local history and amateur genealogists. This is a dominant group. Accounting for 60% of all users. […] The next groups of users are academic researchers and students. (Miroslaw & Mazurek, 2012, p. 9)

Das Ergebnis ist nicht unbedingt überraschend, insbesondere wenn man bedenkt, das bislang in Polen offenbar vor allem Material in digitalen Bibliotheken angeboten wird, welches historisch interessant ist. Gleichwohl ist die Differenz interessant: Nicht die gesamte Gesellschaft, wie bei Geuss argumentiert, sondern eine Gruppe mit speziellen Interessen profitiert direkt von den digitalen Angeboten. (Wobei die Gesamtgesellschaft selbstverständlich dann davon profitiert, wenn sie mehr über sich selbst und ihre Geschichte weiss.)

Auch Digitale Bibliotheken müssen offenbar darüber reflektieren, welche Materialien sie für wen anbieten. Dies ergibt sich nicht nur aus den die Angebote unterhaltenen Institutionen, sondern offenbar auch aus der Frage, welchen gesellschaftlichen Anspruch die Bibliotheken haben sollen.

DiBiSuisse White Paper 01: Das Feld Digitale Bibliotheken. Welche Themen gehören dazu?

Im Projekt DiBiSuisse – Digitale Bibliotheken in der Schweiz erhebt eine Arbeitsgruppe am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft, HTW Chur den Ist-Zustand im Feld Digitale Bibliotheken in der Schweiz. Ziel ist es:

  1. Die vorhandenen Angebote, welche sich unter dem Begriff „Digitale Bibliotheken“ fassen lassen, systematisch zu erschliessen, wobei sowohl Angebote von Bibliotheken als auch eigenständige Angebote einbezogen werden sollen.
  2. Aus diesen Angeboten Trends der Digitalen Bibliotheken in der Schweiz abzulesen und diese darzustellen.
  3. Für die Praxis relevante Forschungsfragen im Bereich Digitale Bibliotheken zu formulieren und in eine längerfristige Forschungsstrategie einfliessen zu lassen.
  4. Aufzuzeigen, in welchen Bereichen im Bereich Digitale Bibliotheken schweizerische Bibliotheken einen Beratungsbedarf anmelden könnten.

Grundsätzlich strebt das Projekt DiBiSuisse an, die erhobenen Daten möglichst oft und möglichst offen einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Eine Form dieser Kommunikation von Ergebnisse sollen die DiBiSuisse-Whitepaper darstellen, die mit dieser Nummer eröffnet werden.

Download: DiBiSuisse White Paper 01: Das Feld Digitale Bibliotheken. Welche Themen gehören dazu? (Karsten Schuldt, Rudolf Mumenthaler)

Eine digitale Bibliothek für die USA? Und weiter: Eine digitale Bibliothek für die Welt?

In der aktuellen Ausgabe von College & Undergradute Libraries erschien ein Interview mit Peggy Rudd (Texas State Library and Archives Commission) zu einer geplanten Digital Public Library of America (dass heisst den USA).1 Das Thema mäandert seit den letzten zwei Jahren durch das US-amerikanische Bibliothekswesen.

Open, Commons

Offiziell aufgegleist wurde das Projekt im Dezember 2010 mit dem ersten Treffen einer Steuerungsgruppe, die ein Mission Statement veröffentlichte. In diesem definiert sie die Digital Public Library of America als

[…] an open, distributed network of comprehensive online resources that would draw on the nation’s living heritage from libraries, universities, archives, and museums in order to educate, inform and empower everyone in the current and future generations.2

Dem Voraus gingen Debatten über ein solches Projekt, die spätestens mit einem Beitrag von Robert Darnton im New York Review of Books Blog im Oktober 2010 der breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden.3 Wenn das an die Europeana erinnert, ist das kein Zufall. Weiterlesen

CfP: Sammelband Linked Open Library Data

Adrian Pohl & Patrick Danowski rufen relativ kurzfristig zu Beiträgen für ein Sammelwerk zu Linked Open Library Data auf (und zitieren nur deutsche Beispiele). Das sollte aber niemanden abhalten, einen Texte einzureichen.

=== CfP: Sammelband zu Linked Open Library Data ===

Deadline: 28.02.12

Linked Open Data (LOD) gewinnt in der Bibliothekswelt zunehmend an Bedeutung. Jüngst haben etwa die Absichtserklärung [1] der Conference of European National Librarians (CENL), Open Data zu publizieren sowie die Ankündigung [2]der Library of Congress, eine neue bibliographische Infrastruktur auf Basis von Linked-Data-Prinzipien aufzubauen, diese Entwicklung verstärkt.  Im deutschsprachigen Raum sind als wichtige aktuelle Entwicklungen die Freigabe von Katalogdaten durch den Bibliotheksverbund Bayern (BVB) und den Kooperativen Bibliotheksverbund (KOBV) sowie die Veröffentlichung [3] eines rechtlichen Leitfadens zu Katalogdaten als Open Data und der Empfehlungen [4] der DINI-AG KIM zur Öffnung bibliothekarischer Daten zu nennen.

In einem Sammelband soll das Thema Linked Open Data aus bibliothekarischen Einrichtungen nun von verschiedenen Seiten näher vorgestellt werden. Dabei sollen sowohl die technischen Seiten (Linked Data) als auch die verschiedenen Aspekte der Offenheit von Daten (Lizenzen, Zugang) behandelt werden. Der Sammelband soll neben fachlichen Artikeln zur Einführung in die Thematik auch grundlegende Konzepte sowie Anwendungsbeispiele und Projekte in verschiedenen Institutionen dokumentieren.

Ziel ist es, einen möglichst weiten Überblick über den Themenbereich Linked Open Data in der Bibliothekswelt zu liefern und den aktuellen Stand der Entwicklung und Diskussion darzustellen. Der Band gliedert sich in die folgenden zwei Teile:

A) Theoretische Einführungen in den Themenbereich und die zugrunde liegenden Konzepte
B) Konkrete Projekte, Best Practices, Probleme und Diskussionen

Praktiker und Theoretiker aus Bibliotheken, Verbünden und Hochschulen sowie Softwareanbieter und Konsumenten bibliografischer Daten sind hiermit eingeladen, ihre fachlichen Beiträge zu den folgenden möglichen Themen einzureichen:

  • Einführungen in RDF, RDFS, OWL, SPARQL etc.
  • Produktion und Publikation von LOD in bibliothekarischen Einrichtungen
  • Rechtliche Aspekte der Freigabe von Daten (Voraussetzungen, Lizenzen etc.)
  • Konsum und Produktion  von Linked Open Data auf Basis bestehender Bibliothekssysteme und Recherchewerkzeuge
  • Bibliothekssysteme der nächsten Generation und Linked Open Data
  • LOD, Europeana und Deutsche Digitale Bibliothek
  • LOD-Projekte und -Dienste aus Bibliotheken und Verbünden.

Bitte senden Sie kurze Abstracts (max. 1500 Zeichen inkl. Leerzeichen) sowie eine vorläufige Gliederung und eine kurze biografische Notiz bis zum 28. Februar 2012 an lold@bibliothek2null.de.

Der Sammelband wird als Hybridpublikation beim deGruyter Verlag erscheinen. Die Veröffentlichung erfolgt als Open Access Online Publikation und als gedrucktes Buch. Der Verlag übernimmt den Satz und das Lektorat. Bei der Textentwicklung muss die Formatvorlage des Verlags verwendet werden. Alle Artikel des Sammelbandes sollen unter einer Creative Commons Lizenz (CC-BY oder CC-BY-SA) erscheinen. Bitte geben Sie die von Ihnen gewählte Lizenz bereits bei der Einreichung des Abstracts an.

=== Call for Papers – Alle Termine ===

Einreichung der Abstracts: bis  28.02.12
Information über die Auswahl:10.03.12
Abgabe der Artikel als druckfertige Version (max. 60.000 Zeichen inkl. Leerzeichen): 01.05.12
Rückfragen und kleine Korrekturen: bis 01.06.12
Anschließend Druck und Produktion

=== Links ===
[1] https://app.e2ma.net/app/view:CampaignPublic/id:1403149.7214447972/rid:48e64615892ac6adde9a4066e88c736c
[2] http://www.loc.gov/marc/transition/news/framework-103111.html
[3] http://www.hbz-nrw.de/dokumentencenter/veroeffentlichungen/open-data-leitfaden.pdf
[4] https://wiki.d-nb.de/pages/viewpage.action?pageId=45419980

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