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InfoWiss Chur

Blog des Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft

Wie erklärt man Informationswissenschaft?

Unser Dozent in Bibliothekswissenschaft, der auch Studienleiter unseres Informationswissenschaftslehrgangs ist, hat uns während unserer Exkursion in St.Gallen gefragt, wie man das Fach Informationswissenschaft potenziellen Neustudierenden richtig vermitteln kann.

Das ist tatsächlich ein nicht ganz einfaches Unterfangen, fühle ich mich oft selbst genötigt diese Erklärung abzugeben wenn ich gefragt werde, was ich studiere. Der Begriff Informationswissenschaft sagt den meisten Leuten nichts, sie können das Themenfeld, auf das sich der Begriff Information bezieht, nicht zuordnen. Am meisten wird noch die Verknüpfung mit Informatik gemacht.

Wenn ich dann erkläre unser Studiengang sei eine Mischung aus Bibliothekswissenschaft, Archivwissenschaft und Informationswissenschaft, ist dies den meisten Leuten genug Erklärung. Bibliothek und Archiv sind Worte die die Leute kennen, den Begriff Informationswissenschaft klammern die meisten einfach aus. Nur ganz wenige Interessierte fragen wirklich nach, was denn jetzt Informationswissenschaft ist. Deshalb ist der Name des ganzen Studiums mit dem Titel Informationswissenschaft aus meiner Sicht auch etwas unglücklich gewählt. Ein besserer Begriff fällt mir aber auch nicht ein.

Die Frage meines Dozenten liess mich nicht mehr los und da ich ein grosser Liebhaber von  Metaphern bin, hab ich nach einem passenden Vergleich gesucht. Ich habe dann auch einen Vergleich gefunden und diese Erklärung an meinen Kommilitonen getestet. Diese fanden meinen Vergleich gut. Und da Herr Semar gerne hätte das wir einen Blogeintrag schreiben und ich den Vergleich gelungen fand, möchte ich die Blogleser daran teilhabenlassen.

Informationswissenschaftler ist für den Bibliothekar in etwa dasselbe wie der Elektrotechniker für den Informatiker. Der Elektrotechniker stellt die elektronischen Handwarekomponenten für einen Computer her. Der Informatiker arbeitet mit dem Computer. Der Informationswissenschaftler stellt Datenbanken und andere Grundlagen zur Verfügung, welche vom Bibliothekar genutzt werden.

Mir ist klar, dass der Vergleich nicht perfekt ist, vor allem wenn man etwas tiefer geht. Aber für eine erste Grundinformation zur Informationswissenschaft finde ich ihn ziemlich tauglich. Es gibt fachfremden Personen einen ungefähren Eindruck was man mit Informationswissenschaft verbinden kann.

12 Kommentare

  1. Nun, das ist doch schon mal ein guter Anfang so ein Vergleich. Vielleicht entwickelt sich ja an dieser Stelle noch eine richtig ausführlcihe Diskussiuon um den Begriff der „Informationswissenschaft“?

  2. Spontan kommen mir zwei Definitionen im Sinn:
    Das Vernetzen und Verbinden von Informationsinseln in einer Organisation damit eine Wissenslandschaft enstehen kann.
    Oder ich muss an einer Wissenslandkarte denken die zu erforschen und ergänzen ist.
    Für mich ist der Informationswissenschaftler derjenige der das internet (oder digitales All) bezwingen wird (sollte), quasi als der Bibliothekar des 21. Jahrhundert. Wir sind aber erst am Anfang einer digitalen Ära. Meiner Meinung nach ist die IW erst am Anfang, was sie leisten wird, das kommt erst.
    ich bin im 7. Semester des IW-studium (Bachelor/Teilzeit)
    Ich bin in einem Projekt involviert das zum Ziel hat den Bekanntheitsgrad unseren Studiengangs zu erhöhen. Ich bearbeite den Teil Pharma/Chemie (ich war dort bis vor 6 Jahren in einer Firmenbibliothek angestellt). Auch für diese Sparte scheint es notwendig den Begriff umzuschreiben, weil diese Sparte IW braucht (auch wenn sie es noch nicht so recht weiss). Dort geht es um Nutzen, Kosten, Zweck und vor allem um die Steigerung von Leistung, Ertrag und Effizienz. Die Begriffe „Bibliothek“ und „Archiv“ haben da einen zu „ancient Touch“ um damit zu argumentieren. Vielleicht kommt es bei der Definition einfach darauf an , an wem man IW „verkaufen“ möchte?

    • Im ersten Kommentar hatte ich den IWler als der Bibliothekar des Internets bezeichnet. Damit war gemeint dass er die diversen Klassifikationswerkzeuge am Internet anwenden sollte. Diese Idee ist überholt (war auch nicht ganz neu) durch das Vorhandensein der Metatags, der Volltextsuche, der erweiterten Suche und die Leistung der Suchmaschinen.
      Es ist die Auffindbarkeit die wichtig ist, insofern ein Mensch „informationsorientiert“ und kompetent genug ist um das zu finden was er sucht.

  3. Nathanael Hofer

    10. Dezember 2011 at 21:31

    Hier mal ein rekonstruierter „quick & dirty“ Definitionsversuch, als ich letztens zum gefühlt 100-sten Mal nach der Ausrichtung meines Studiums gefragt wurde.

    Der Informationswissenschaftler macht Wissen erfahr-, nutz- und erweiterbar. Zu diesem Wissen zählen Dossiers in einem Archiv genauso wie Akten in einer Verwaltung, Medien in einer Bibliothek oder Datenbestände in einem Unternehmen.

    Durch nachvollziehbare Strukturierung, anwendergerechte Aufbereitung und kontextgetriebene Anreicherung des vorhandenen Wissens werden dessen Auffindbarkeit, Abruf, Anwendung, Ausbau und Ablage sichergestellt.

    Kritik erwünscht. ;)

  4. Vielleicht könnte man unterscheiden auf welcher Ebene dies statt finden soll? Auf persönlicher Ebene (sei es als Nutzer am Arbeitsplatz oder zu Hause), auf innerbetrieblicher Ebene ( Organisations- oder Institutionsebene) und auch auf eine reine – wie solll ich das ausdrucken – vielleicht gesellschaftliche Ebene (gefällt mir nicht ganz), eher als eine übergeordnete Ebene? IW sollte – meiner Meinung nach – alle drei Ebene positiv beeinflussen und auch die Kommunikationswege zwischen allen Drei begünstigen?
    Kritik und Anregungen erwünscht, ich grüble schon lange an dem Begriff und bin recht froh um den Austausch hier im Blog.

  5. Nathanael Hofer

    11. Dezember 2011 at 21:33

    Stimmt. Eine Definition ohne Unterscheidung von Mikro- (Individuum), Meso- (Gemeinschaft) und Makro-Ebene (Gesellschaft) ist wissenschaftlich betrachtet zu seicht.

    Mir fehlt ausserdem noch der „enabling“ Faktor: Aus fremdem in eigenes Wissen transformierte Information befähigt zur Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit.

  6. In der Privatwirtschaft spricht man von CI = Competitive Intelligence, das ist Wissen das von aussen kommt, das zu BI = Business Intelligence wird, indem externes Wissen zu internes Wissen umgewandelt wird.Da nimmt Information ganz klar ein strategischer Wert.

  7. Ich habe versucht für mich zu definieren was Information bringt.
    Information ist etwas was ich tagtäglich brauche, eigentlich ist es so etwas wie eine Antwort auf eine Frage. Vielleicht brauche ich diese Antwort um ein Problem zu lösen, um einen Gedankenschritt weiter zu kommen, einfach weil ich etwas wissen möchte oder es kommt mir ganz spontan auf mich zu. Information ist etwas was ich mit einer Idee oder einen Gedanken verbinden kann der bereits in meinem Kopf ist. Beide verschmelzen zu einem neuen (internen) Gedanken der wiederum gespeichert wird.
    Veilleicht ist das für mich so weil ich etwas neues immer mit etwas bekanntes verbinden muss um es zu verstehen. Feedback erwünscht… danke.

  8. Beat Mattmann

    4. Juni 2012 at 10:11

    Ich denke, man müsste hier klar unterscheiden, WEM man den eigenen Studiengang erklärt. Die obigen Erklärungen sind aus meiner Sicht für die meisten privaten Interessierten eher zu theoretisch, zu wissenschaftlich und zu wenig greifbar.
    Zwar erwähne ich stets den Archiv- und Bibliotheksbegriff (mit dem Hinweis auf die höhere Hierarchieebene, damit nicht der Gedanke kommt, dass man nach diesem Studium sowieso nur hinter der Theke steht und Nutzern die Bücher übergibt). Den Informationsbegriff umschreibe ich meist mit folgender „Geschichte“:
    Jeder, der schon mal gegooglet hat, kennt die schiere Masse an Information im Netz. Auch Bilder sind in dieser Masse enthalten. Wir lernen nun, wie man all dieses Wissen strukturiert, beschreibt und auffindbar macht, so dass ein Suchender die Information findet, die er möchte und die seine Frage beantwortet (natürlich ist das sehr verallgemeinert, zumal wohl die meisten von uns eher im kleineren Umfang mit Informationen arbeiten als dies ein Unternehmen wie Google tut). Interessant ist für viele auch die Erwähnung der Auffindbarmachung von Bildern. Wie suchst du ein Bild auf Google? Wer beschreibt diese und vor allem: Wie? Geht das überhaupt?
    Anstelle einer Erklärung über den Studiengang per se habe ich mich darauf verlegt, die einzelnen Aspekte zu erklären, die man während des Studiums erlernt. Denn die Vielseitigkeit des Studiums anhand einer einfachen Definition zu beschreiben, die auch jeder verstehen kann, erscheint mir zu wenig praktikabel. Und wer interessiert sich schon für einen Studiengang, der am einfachsten durch eine halbseitige, wissenschaftliche Definition beschrieben werden kann? Sehr viele beschlagworten das Studium dann mit den Begriffen „Langweilig“ oder „Nur für Freaks“ ;)

    P.S: Ein Kästchen wäre hier bei den Kommentaren nett, um anzugeben, dass man über neue Kommentare benachrichtigt werden möchte. Oder geschieht das automatisch?

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